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Der israelitische Lehrer · 1870-07-13 · 28 (13.7.1870) · p. Seite 231

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
28 (13.7.1870)
Date
1870-07-13
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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231 einst so hoch gefeiert und geschätzt und die ihn dennoch nicht vom Falle geschützt und gegen seine Verächter gestützt hatten — deren Lehrer und Führer er;u werden hoffte, Alle hätte er sie gerne vernichtet. So wollte er mindestens eine Gemeinde zu Grande richten und mit ihr seine Feindin und deren Brut. Dann wollte er vor fie hiutreten und sagen: ich war auch einst Jude, bin Euer StammeSgenoffe — oder Euer Bruder, und daS ist meine Liebe, meine Vergeltung für die Schmach, die ihr mir gethan. War er blind, daß er die Schritte des Pater Dominian nicht beachtete, daß er dessen abgehärmtes Gesicht, seine leidenden Züge nicht deuten konnte? War er blind, daß er nichts sah von den Gegenwirkungen dieses jungen Mannes, daß er ihm, an den er trotz einzelner Schritte, die das Gegentheil bekundeten — immer noch seinen treuesten Anhänger und Vertrauten zu haben glaubte, alle die Aufträge gab, die er eben nicht selbst durchzuführen vermochte? Der Fanatismus und der Haß machten blind; und Pater Anton, der einstige Rabbi, war so voll blinder Wuth, daß er diese Wuth auch bei anderen Abtrünnzen auS dem Stamme Israels voraussetzte, daß er in den finstern Wahn sich mehr und mehr hineinversenkte, Pater Dominian müßte auch ein uni so größerer Feind der Juden sein, weil er als Jude geboren war. So hatte er die Beichte der kranken Klara wieder Dominian übertragen, den er für fähig hielt, der armen Kranken die geheimsten Gedanken zu entlocken und sie für seine schwarzen Entwürfe zu benützen. So sehen wir denn heute, zur selben Stunde wie Sara^ Pater Dominian vom Kloster auS den Weg zum Krankeiibause einschlagen; den Blick gesenkt, die Stirne gefaltet, das Angesicht von der ttefsten Blässe 'beschattet, das sprechendste Bild eines in schwere -kämpfe und unauflösliche Räthsel verstrikten Menschen. Als Sara an der Schwelle des Hauses ihrer Freundin aufzuschaue» wagte, was sie aui den ganzen Weg nicht thun konnte, sah sie den Pater vor sich, der sie einst vor der Wach des Pöbels geschützt und gerettet und den sie während dieser Zeit nicht mehr gesehen hatte. Sie erkannte ihn alsbald, obwohl sieihm damals kaum in'S Angesicht geblickt, an seinem Gange und seiner Haltung. Ihr Herz klopfte hörbar bei seinem Anblicke. Ein Gefühl der Freude, der Zuneigung deS überströmenden Dankes erfaßte sie — sie, die Jüdin, hätte dem Manne in der Kapuzinerkutte ans Her; sinken mögen. Und dabei war sie sich doch der Reinheit ihres Gefühls bewußt; wie feitber, wenn ne an ihm gedacht, fand sie auch jetzt, daß das Gefühl für ihn nicht die Liebe war, die da» Weib an dm Mann kettet — sie hatte ihn ja nie eigentlich in'S Auge gesehen; eS war eine unerklärliche Zuneigung; — sie sagte sick>: io würde ich einen Bruder "oder eine Schwester liebm, wenn ich fie hätte. Im Unglück erzogm, war sie gewöhnt, sich von ihren Gefühlen stet« gmaueste Rechenschaft zu geben. Zusammen überschritten sie das Haus der Krankm, das bald ein Haus des Todes werdm sollte. — Der Kapuziner betrat mit der jüdischen Freundin das Haus der sich zum Tode vorbereitenden christlichen Freundin. (Fortsetzung folgt) Literarische Anzeigen. Auch der Wetttals illustrirtes BolkSblatt, mit der Arndt'schen Devise: „daS ganze Deutschland soll es sein," ist UNS in erster Nummer für den neuen Jahrgang vorgelegt. Zur angenehmstm Ueberaschung erblicken wir eine ganz außergewöhnliche Verbesserung und sehen beim alten billigen Presse das Format vergrößert, die Ausstattung verschönert, die ganze Oekonomie des Blattes erweitert. Neue Kräfte auS den Reihen der beliebtesten Novellisten, der bewährtesten Patrioten sind binzngetreten und verbürgen dem „Buch der Welt" jenen freiheitlichen Charakter, der im demokratischen Sinne jede GeisteSpnd Herzens-Verkümmerrmg, jede Verunstaltung deS deutschen Ideal» verabscheut. So wird es uns zur Pflicht, dieses ebenso anziehende als gediegene Journal der gelammten Lesewelt zu empfehlen, und mit bet andrem Antheil begrüßen wir Berthold Auerbach als ständigen Mitarbeiten des Blattes und freuen uns auf dessen frische, gemüthvolle Er^hlungen; rbmso auf die von Iwan Turgenjew. Hinfort erscheint da» Buch der Welt auch in Wöckenummern von 4 Foliobogen mit vielen Original-Holzschnitten Von jeder Buchhandlung oder Po st an st alt erhält man Probenummein gratis. Die Ausgabe in Heften ü 5 igr. — 18 fr. S. kann nur im Wege des Buchhandels bezogen werden. Die erste Wochennummer entbält: Um Thron und Leben, historischer Roman von Georg Hiltl — Berliner anonyme Briefe an eine Dame — Die neue Passage in Berlin von Richard Schmidt mit Zeichnung von G. Theuerkauf-Familienleben in der Natur von Karl R u ß mit Abbildung „die F ü ch s e " von F r. S<p echt — Aus dem Schuldbuche Louis Bon aparte'» von Gustav Rasch — Die lustigen Weiber von Windsor, Scenebild von Rudolph Geißler — A m Vorabend, Original-Novelle . von Iwan Turgenjew — Vermischte» aus allen Weltbeilen. Es kann nicht geleugnet w,wden, daß fick das Buch der Welt in feiner J

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