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Der israelitische Lehrer · 1870-06-29 · 26 (29.6.1870) · p. Seite 211

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
26 (29.6.1870)
Date
1870-06-29
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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211 -r- Igviff zurrst nach meinem Linde; stürzte nach dem Fenster. Draußen stand der Kapuziner — Pater Anton, der gelauste-Jude,, der Feind meine- Volke-, meine- Weibe- und meiner Familie; alsbald erkannte ick in ihm den Handelsmann von gestern, dessen Gesicht mir am Abend vorher , so bekannt schien. „Der Jude bat das Haus anzesteckt, weil er sah, das; ich! ihm aus der Ferse folgte, für die Verbrechen, die er j an der heiligen Kirche begangen;" so sprach er. i „Und welche Verbrechen hat er denn begangen?- ' fragte ein einfältiger Bauer, während sie dabei fortj gesetzt an der Bewältigung des FeuwS arbeiteten. > Ich rief, schrie um Hülse, um Hülfe für mein armes, j unschuldiges Kind, das eben erst durch den Lärm vom; Schlaf erwachte und weinte, daß das Her; m r zu j zerspringen drohte. „Laßt ihn mit seiner Brut verbrenntx\ schrie der Unmensch. Ich fand keinen Ausweg; l die Z b ü v e war von A ußen verschlossen, j Meine Mühe, sie zu sprengen, war vergeblich. Nauch und Flamme kamen mir immer näher und näher. Ich fürchtete, j ersticken zu müssen mit meinem Kinde. Da eilte ich ■ zum Fenster. Fast wahnsinnig vor Schmerz, bewußt-! los und ohnmächtig riß ich es auf, fügte mein Kino, , rief einem Weibe, dar weitab seitwärts stand, ein i „Halt auf" zu und — warf mein armes, mittlerweile wieder bewußtlos gewordenes Kuid, ihm in die aufgehobene Schürze. Weiter sah ich nichts mehr. Ick riß oas Fenster auf und sprang meinem Kinde nacha— das. Bewußtsein war mir vergangen-—. Als ich wieder zu mir kam, befand ick mich im Gefängnisse Ich tobte, ich schrie -rmich hörte Niemand. Ich weiß nur, daß ich in eine», Klosterkerker j bin. Mehrmals habe ich diesen schon unwillkübrlich j wechseln müssen, um in geheimnißvoller 'Weise in einen andern übergofübrt zu werden. Ich wurde in verschlossener Kutsche nach ostwärts transportirt. Ich durfte nichts von der Gegend sehen, als ich reiste. Ueberall, wo ich dinkam, war eö schlimmer, überall fand ich denselben Feind meines Lebens. Allabendlich be- ' komme ich eine Nation Brod und Früchte, Wasser oder Bier, zuweilen eine Tasse Milch oder etwas - Kaffee; man wollte mir andere Speisen anbieten, die dem Juden verboten sind; ich aß sie nicht. Es scheint, daß nur zwei Klosterbrüder von mr wissen, denn beide erscheinen abwechselnd an der Kerkerösfnung da oben, bringen mir Nahrung und wollen mich zum liebertritt zum Christenthum bewegen, bieten mir zum mindesten Freiheit an, wenn ich die in ihrer Küche zubereiketen Speisen genieße. So bin ich, ich weiß nicht, wie lange in dieser Gefangenschaft, ohne zu wissen, warum, wahrsckeinlick am'ider persönlichen Feindschaft des berens genannten Ueberläuiers willen. Jh weiß nichts von den Meitigeu, bin wahrscheinlich auck -ür sie verloren; ick weiß nichtvon Tag oder Nacht, deren Unterschiei» hier kaum fühlbar wird. Auffallend'rweifi: haben jedoch meine Funde und Kerkermeister für ein gutes Lager,'für die Neinh.'.ltuug dieieS Nan nes. selbst für eine nach Möglichkeit gute Nahrung Sorge getragen, wohl — um mich dann andrerseits desto länger peinigen zu können. — Dies meine Geschichte." Mit einer an- Verzweiflung gränzenven Aufregung bitte Pater Dominian dies.' Erzählung angehört. Cr glaubte anfänglich eine ihm gau; bekannte .Geschichte zu vernehmen. Alle die Ereignisse vor den» Brande, bis zum Wurf aus dem Fenster,, traten in seine Erinnerung als Seibiterlebtes wie aus einer träumuuv nebelhaften .Verschleierung hervor. ES war ihm fast zur Gewißheit geworden, daß er der verlorne Sohn Jaeob's uns B:lla's war; er hielt den kleinen Auswuchs neben seiner Tonsur, der sich von Feit zu Jeit vergrößerte und dann operirt werden mußte, wie eiu Erkennungszeichen mit seiner Hand fest Sein Herz drohte zu zerspringen. Und doch hielt er an sich nu,d sagte uur nach langer 'Lause: „Haltet Euch bereit: In zwei Tagen werde ich Euch befreien. Früber w:ro« ich wobl nickt mehr zu Euch kommen. Schweiger und lebet wohl." (Fortsetzung folgt.). Briekkatte«. I Herr I. Sch. in K. Id re mir stir die Schulen der > Alliance eiugesendeken fl. fr. sind längst bcforßt; ich glaubte, sie als fortlaufeudeu Veilrag niclu nochmals auillirear zu müssen. Herr »r. A. in — :>(. in A. — >{. in M. — C. in L-; Alles erhallen Der AUianc. bericht abjarbirle allerdings zu viel kaum. Wir sind mit ifcm jcftt fast au <<mde und werden iür die Folge, wenn wieder solche Uedelsntle au Material vorliegl, »eusklben ousichließlich als Beilage neben. Hr. 9i. in W. Allerdings bnngcu wir ti len vorzüglich aeschrlebenen Berichk aber die Wiener allg. deuliche Lehrernersammluug. von einem jüdischen Lehrer aus Wien, in einer der nächsten Nummer». Die Hnlferuang war für uns zu groß. Herr H. in Dc» Bericht der-rh. iv. Lelirerconfereilg bringen wir in der nächsten Annimer. 'Wir bitten unsere vercbrlichen t-»rresoonde»teu um einige WetmlD. AUiiuioe isr. univepaelle. Erhalten: von Herrn I)r. Aankeim i» Seesen, Jahresbeitrag fl. :$0 kr. Von Lehrer Stern in Nordeck für die westrussi scken Juden e< st. 4» fr. . ... .■"!!■" ■ -l •' ■ - .! l. ' ■ ' - '!S 1^* Vacanzenlrste Newyork, Chasandieust in der B'nai Jeschurungemeiude; Geyalt Dollars. Per-' iönliche Vorstellung: keine Neifefvefeu. Ttchtige K rnutniß NV3 .Hebräischen, Musik ick nie Stimme. Melkungen bei Herrn Henri- Dar.':». >G, Walker Straße, Neuer ork. N A.

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