Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 25 (22.6.1870)
- Date
- 1870-06-22
- Page
- Seite 203 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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) — 203 — Bevölkerung unglücklich, obgleich sie überall thätig, intelligent, fleißig ist, die HSrtesten und schwierigsten Handwerke betreibt und selbst an den Kirchen arbeitet, die man ohne sie nicht bauen könnte, Aber alle Existenzmittel fehlen jetzt im Lande. Industrie hat Rußland nicht; der Ackerbau ist den Israeliten unmöglich, welche nicht Grundeigenthümer, ja nicht einmal Pächter von Grund und Boden werden können; der alte Adel, der ehemals diese Provinzen bewohnte, ist ruinirt, sein Vermögen zersplittert, alle Quellen deS Wohlstandes und der Arbeit sind erschöpft. Die geschicktesten Arbeiter, so wie die, welche sich mit den oemeinsten Arbeite» befassen, finden keine Beschäftigung. Endlich hat der Bau der Eisenbahnen, welche riete Zwischenorte des Handels ruinirte, eine große Anzahl tfraeliten in'S Unglück gestürzt und die Lage verschlimmert. Die letzte HungerSnoth war außerordentlich schrecklich. ' Ueberall, selbst in den größten Städten, starben die Leute Hungers, überall trifft man Wittwen und Waisen. Der Hunger-TyphuS wüthete im Lande und die Sterblichkeit war erschrecklich. Kräftig war jcdech auch die von allen Seiten herbeiströmende Hülfe. Hr vr. Rülf, Rabbiner und Prediger zu Memel, richtete Aufruf um Aufruf an unsere Glaubenögenoffen in der ganzen Welt. Leine Stimme wurde gehört. Jedermann spricht mit hoher Anerkennung von seinem in diesen traurigen Umständen entwickelten Eifer; daS ganze Land bewunderte seine Thät'gkeit, seinen Dpfermuth; jedermann schließt sich der Dankbarkeit der unglücklichen Bevölkerung für ihn an. WaS kann zur Abhülfe geschehen? ES sind ver-' schiedene Mittel vorgescl>lagcn: 1. "Ankauf von Grund und Boden, um ihn von Israeliten bebauen zu laffen. Aber daS Gesetz verbietet den Israeliten den Besitz, sogar die Pachtung von Feldern. Jedoch gibt eS Statthalter, welche der Meinung sind, man müsse den Israeliten daS Reckt deS Klein - EigrnthumS gewähren, sogar daS Recht, doppelt soviel Feld zu besitzen; als die Bauern. Wirklich sind die Statthalter einstimmig in Anerkennung der trefflichen Eigenschaften der J'raeliten und bezeugen viel Mitgefühl für ihre Leiden. 2. Die Annahme der Waisen, an Kin^esftatt, Seitens der großen polnischen, deutschen und sogar der übrigen Großstädte Europa'S. Dieser Plan ist in Deutschland populär und könnte leicht ausgeführt werden. 3. Dir Auswanderung sowohl in das Innere als in'S AuSlapd. Viele Leute sind der Auswanderung in'S Innere entgegen. Man. sagt, die Einwohner seien dort nicht civilisirt und die Israeliten können durch die Berührung mit ibnen nur verlieren. Ueberdieß ist die Formalität deS jährlich zu erneuernden Passes noch nicht abgeschafft und würde die Israeliten der Willkür der Beamten preisgeben. Zu den vom Gesetzgeschaffenen Fesseln und Hinderniffen würde noch daS Urbelwollen der Beamten, Bedrückungen und Gewaltsamkeiten aller Art hinzukommen. Geistige und religiöse Fortbildung der Israeliten wird sogar gehemmt und zurückgeh >lten. So ist die böhere Schule zu Warschau seit mehreren Jahren geschlossen, die zu Wilna steht unter der Leitung eine» abtrünnigen Juden und der Unterricht wird alle Jahre niedriger gegriffen, obgleich in der Anstalt Rabbiner gebildet werden müssen. Daher sind auch die auS derselben beevorgehenden Rabbiner trotz der RegierungS Anstellung größtentheilS ohne Ansehen in den Gemeinden. Diese Betrachtungen sind es, welche Biele der Einwanderung in'S Innere abgeneigt machen, und sie glauben, man müsse den Israeliten-helfen, daS Land zu verläffen. Andere dagegen ziehen diese Verpflanzung in'S Innere vor, weil dieses Mittel praktstcher, leichter ausführbar, weit weniger kosilpielig sei. -Pie Formalität der Päffe könne abgeschafft, daS Recht des Klein-BesitzeS gewährt werden. Man fügt sogar hinzu, daß, w-nn die Einwirkung vcn Seiten der Regierung zuweilen unheilvoll erscheine, sie doch in anderen Fällen gute Folgen haben könne, haapt'ächlich bei den Elementarschulen, wo der Unterricht ein äußwst mangelhaitcr sei. Da das Comits zu Königsberg mit dem Studium dieser Fragen beauftrag» ist so wird jede Beschlußfassung biL zum Eintreffen des won demselben an die Alliance zu erstattenden Berichts verschoben. Der Central - Ausschuß votirl den Herren Crömieux, Goldsckmidt, Albert Cohn, Leven und Lehmann seinen wärmsten Dank für den E sec und die Hingebung, womit sic ihre Mission erfüllt haben Hr. Lehmann beantragt, daß die Alliance von den Geldern der Sammlung 1000 Frcs. an den Fürsten Krapotkin, Gouverneur von Grodno. zur Bertheilung unter die Israeliten, ab'ende. Ib't Summe wird bewilligt. Hr. Isidor Cahen theilt dem AuSschuffe mit. daß sich-in Rew-Dork und San FranciSko HültSauSschüffe zur Begünstigung der Auswanderung der russischen Israeliten nack Amerika gebildet baben. Hr. Manuel, berichtet über wlgendc Verhandlungen des Schul-Ausichuises in seinen Sitzungen dom 13. und 31. £ ft. und 7. Rov. 1; 86U: 1. Man beschließt die Errichtung einer Schule zu Beyrutti, um welche die (üeiiieiude unter Vermittlung des Hrn. Earl Retter nachgel'ucht. Hr. Weiskopf, Vorsteher der Scknle zu Damaskus, wird mit einen, von