Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 25 (22.6.1870)
- Date
- 1870-06-22
- Page
- Seite 202 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 202 — meinben, wo er glaubt, daß die Alliance noch Mit-! glieder finden könnte und bittet, sich im Namen der! Alliance in directe Verbindungen mit denselben setzen ■ zu dürfen. — Der Ausschuß ermächtigt ihn dazu.! 9. Der Local-AuSschuß zu Berlin theilt mit,! daß man nach der, zu Berlin unter dem Vorsitz deö! Hrn. Crömieux abgehaltenen General-Versammlung eine Subscription zu Gunsten der westrusiischen Juden eröffi»et, die 10,000 Francs eingebracht habe. 10. Hr. Or. Philippson aus Bonn sendet eine gedruckte Denkschrift über die Lage der Israeliten in Rußland ein. - 11. Die Ausflüsse in Verlad und Jassy «heilen ihre Besorgnisse über die Lage der rumänischen Juden mit - . Die Herren Goldschmidt, Leven und Lebmann erstatten Bericht -über die Reise der Deputation der Alliance nach Deutsckland und Rußland. Vor der in Berlin anbcraumten Generalversammlung batte am 11: Ok:ober. die Deputation des CentralauSichusieS eine Unterredung mit vernt Dr. Lazarus , dem Präsidenten deS Ausschusses zu Berlin. Man prüfte die auf die Tagesordnung de- Generalversammlung zu bringenden Fragen und bemerkte sihr bald, daß man nicht über Mittel und Wege zur Ausbreitung ver Alliance in Deutschland beratschlagen könne, sondern sich auf die Prü'ung der Lage der Israeliten in Rußland beschränken muffe. Die öffentliche Sitzung fand folgenden TageS, 12. Oktober, statt. Dit Herren Dr. Rülf von Memel, Silbermann ron Lyck, Feinberg und Karncwöki aus Königsberg, welche mit der Sache, die sie aus allen Gesichtspunkten geprüft, ftudirt. erörtert hatten, genau bekannt waren, fetzten die Ursachen deS Elends der russischen Israeliten, auseinander. Man bildete eine Commission von 15 Mitgliedern, welche beauftragt wurde die Arbeit der Versammlung in Betreff dieses Punktes rorzukereiten und vorzüglich :u untersuchen, ob man' zur Tbhülse dieser unglücklichen. Lage die Auswanderung in die Fremde oder die Einwanderung in daö Innere oder beide Projecte zu gleieber Zeit begünstigen solle. Die Commission hielt folgenden TageS ihre Sitzung und die Herren Rabbiner Dr. Landsberg au« Liegn'tz und vr. TreuenfelS aus Stettin faßten einen Bericht über diese Fragen ab. Dieser Bericht' enthielt eine vollständige Studie über die Hülfe, die man der israelitischen Bevölkerung leisten könne, sei eö, indem man im Lande selbst die AuSdehnuna der WohlihätigkeitSanstalten, der Elementar-, Gewerb- und Fachschulen fördere, und Ackerbau und Handwerk aller Art unterstütze; sei e«, indem man die Auswanderung eines TheileS der Bevölkerung in'S Innere oder nach außen, in die feinsten Gegenden 1 wie nach Amerika sowohl, als in die Nachbarländer begünstige. Donnerstag den 14. Oktober fand wieder eine große Versammlung im Local der .Gesellschaft der Freunde" statt. Herr Crbmieux und Herr Dr. Lazr ruS sprachen da über die Alliance, über die Ziele der Gesellschaft und über den besonderen Zweck der von der Deputation unternommenen Reise. Jbre Reden hatten den größten Erfolg und riefen begeisterten Beifall hervor. Nach ihnen laö Hr. Dr. Landsberg, Rabbiner in Liegnitz, seinen mit Hrn. Dr. TreuenfelS, Rabbiner zu Stettin, oerabfaßten ausgezeichneten Bericht vor und Herr Dr. Lazarus ersuchte die Anwesenden, alle-Bemerkungen und Einwürfe, die sie gegen diesen Bericht zu machen hätten, bei dem Schriftführer deS Loeal Ausschusses anzubringen. Unmittelbar nach der Versammlung wurde in Berlin zu Gunsten der russischen Israeliten eine Sammlung veranstaltet; sie fand die lebhafteste Theilnahme und erbrachte eine Summe von ll',00O Fr. Vor der Trennung beschloß man noch, daß der bereits ernannte Ausschuß von 15 Mitgliedern zu Königsberg, an der russischen Grenze, seinen Sitz haben, die Unterstützungen sammeln, die Nachrichten centralisiren, daö Studium der zur Unterstützung der Israeliten geeigneten Mittel fortzusetzen und binnen Kurzem einen Bericht an die Alliance israelite senden solle. Es wurde ibm auf den Fonds der russischen Sammluna ein Credit von 5000 Francs eröffnet. Der Zweck der Versammlung war erreicht; die Herren Leven und Lehmann allein setzten die Reiie! noch fcrt und entschlossen sich; die von der HungerSnoth so schwer geprüften Provinzen zu besuchen. Sie gingen in verschiedene Dörfer bei Memel, dann nach Kowi o, Wilna Grodno, Warschau; der Zustand der Straßen machte ihnen den Besuch deS platten Landes u> möglich Der Eindruck, den sie von ihrer Reise mitbrachten, ist ein äußerst trauriger. DaS Uebel, woran die Israeliten dieser Provinzen leiden, ist kein vorübergehendes, durch eine ungenügende Ernte herbelgeführteS; es ist ein chronisches Uebel, in welchem die HungerSnoth nur einen Zwischenfall, eine Episode bildet, und daS man durch heroische Mit el heilen muß. Der Ursachen deS Elends gibt es verschiedene. Die von der Geißel heimgesuchten Provinzen sind von einer sebr zahlreichen israelitischen Bevölkerung angefüllt. In Litthauen gibt e« ungefähr 600000 Juden, im eigentlichen Polen 250.000; allenthalben befinden sie sich in großer Ueberzahi. Zu Kowno leben unter 30,00 Einwohnern 22.000 Israeliten, anderwärts befinden sich unter 4000 Juden nicht «ehr als 30 Christen. In vielen Orten find die Beamten allein Christen, alle übrigen sind Juden. Ueberall ist diese