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Der israelitische Lehrer · 1870-06-01 · 22 (1.6.1870) · p. Seite 170

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
22 (1.6.1870)
Date
1870-06-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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— 170 Lehrer angewiesen, sein werde», die sich Herrita in de» i Gemeinden beenden Man bat auch von der Verwerflichkeit oes SraatSkirchentbums gesprochen; wir wissen nicht, und kennen durchaus nicht abieben. was dieses ntt c-iese'- Frage $u schaffen habe! —.Man dat ferner von der religiösen Freiheit und dem Rechte ver Eltern über die religiö'e Erziehnna der Kinder, gesprochen. Es liegt darin allerdings em Körnchen Wahrheit; nach den Anschauungen unserer Zeit muff es den Eltern unbenommen bleiben, die religiöse Bildung -brer Kinder 'elbstsländig zu bestimmen. Allein i*'t den» dieses Neckt fre. r Selbstbestimmung nicht auch d,ann noch geschü-st, we>>n sie Schulleitung, — Staat oder Gemeinde — verrflichtet ist. den jüdischen Kindcri' ebenso gut die Ge.egenbeit zu biercn, Unterricht :u erhalten, als den christlichen? Wir wissen gleichwohl nicht, ob wir wirklich den Eltern ein sie weit gehendes Deriügungörechtüber ihre Kinder zugesieben dürfen, diesen jedweden NeligionSoute-richt zu versagen! Aber, wenn dies auch wäre' Die Verpflichtung des Sckuflkörpe:-. Mi; oresor Unterricht im SchulorganiSinus grwib.r- und als vbsiza torisch Gültigkeit bähe, mvolvirt u-.ckl geradezu einen Zwang ' der Eltern und Kinder .üd 's kann aen Eltern auch dann immer noch unbenommen bleiben ihre Kinder dispsnsiren zu lassen. Sie können wohl/ aber "°e werr-n es u° ch r thun! Eltern werden die sittliche und relig'je Zukunft . ihrer .Kinder n'ckl verwahrlosen, auch wenn ne selbst,! gerade aus Mangel an gutem und geregeltem NeligionSh unterricht, dem IndifierentismuS und Materialismus verfallen sind. Der obligatcrische Beligionsunrerricht ist ein unabweisbares Bedürfnis-; sr iit ein Neckt, das wir im Namen der Gleichheit verlangen w iit eine Pflicht, die uns von der Pädagogik und der Neligion zugleich geboren wird Wie' wir die« Necht anstreben sollen, ist eine andere Frage, die wir auch einer anderen Besprechung Vorbehalten. Pie weibliche Erziehung im Zudenthum Von Dr. Ad ler in ^lmsborn. . - l. In. der zesigski Zeit, in welcher aber die Eman-- ciparion de« weiblichen G'fchlecktS so viel gesprochen und geschrieben wird, dürfte es sich vielleicht empsehlen, und die aeebrten Leser werden eS mir hoffentlich nicht übel nehmen, .wenn ich obiaeS Th°ma zum Geatustande meiner heutigen Besprechung wählt, und die Mädchenzirbnng, wie stk im Iudenthume gehandhabt wurde und noch fortgesetzt wird, vom pädagogischen Standpunkte aus beleuchte.' „Wie?" und' .Wozu?' da« weibliche Geschlecht erzog«» «erden soll, dazOber sind d« Ptddgvgen sowohl, als auch die Psvchvkogen noch nicbt einig und ich glaube, daß eS nicht gewagt erscheinen dürfte, die Behauptung aufzustellen, daß «ine Vereinigung in dieser Beziehung nie erzielt wird, weil-die Beantwortung der beiden fragen hauptsächlich davon abhängt, wie über die Bestimmung des Weibes im Allgemeinen und über die Gescklechtseizenthüinlicbkeilen im Besonderen gedacht wird. — Der Unterschied derGeschlechrer st ein psychologisches Problem, das, wie alle Urgcgensätze deS Lebens, nstinalS ganz gelöst wird. Aristoteles will eine Analogie zwischen Mann und Weib dadurch Herstellen, indem er da« Weib für einen unvollständigen Mann hält, welcher Ansicht manche Neuere tbeils nach anatomischen Untersuchungen, thril« aus philosophischen Gründen, beipflichteten. Man bielr;eden Embrvo ursprünglich siir weiblich. — Der Mann sei der vollkommen entwickelte, oaS Weib der iuf niederer Stufe der Entwickelung sichen gebliebene, oder der nicht hinlänglich entwickelte Mensch. — Plato faßte vas Verbältuiß von Mann und Weib von einem höheren Gesichtspunkte aus auf, er betrachtete die beiden als die ergänzenden Glieder der Menschheit, oder vielmehr oes Menschen. Auch die Bibel hat das gegenseitige Verbältniß so aufgesaßt. — (Schiller, da« Seelenleben des Menschen 1860, S. 92.) „Für den Menschen ist eS charakteristisch, daß für ihn dieser natürliche Unterschied eine geistige Gestalt annimmt, da^. er zu einem Gliede wird in dem freien sittlichen Organismus, und dieses ist uns dadurch möglich, daß die geschlechtlich bestimmten Individuen trotz ihres weseullicheu Gegensatzes die identische geistige Allgemeinbest in sich tragen, sich selbst bestimmende .persönliche Wesen sind." „Die Individuen sind für einander nicht blos Exemplare verschiedenen Geschlecht«, sondern Personen mit geistiger Ggentbümlichkeit, die einander als solche anerkennen, und die in ihrer gegenseitigen Beziehung ihre« persönlichen WertheS gewiß sind/ Es kann jedoch nicht in meiner Absicht liegen, ein Urtheil zwischen den divergirenden Meinungen zv I fällen, vielmehr muß ich mit Carus, (Psyche S. 256)! das Verhältniß der Geschlechter zu einander ein irrai tionaleö nennen, und gleich ihm darauf Hinweisen.; daß ein Geschlecht dem andern ein Geheimnis;, ein incommensurables bleibt. — Auch di« Bibel «ud der Talmud haben nach meinem ebenfalls nur befbräakten Wissen in dieser Angelegenheit kein Definitivum festgesetzt, weßhalb ich für dir Folge nur-von der Bestimmung des Weibe« sprechen werde und dabei gleichzeitig die Frage beantworten: „Wie"? sollen die Mädchen erzogen w.rden und WaS"? brauchen sie , denn eigentlich zu lernen. - (Fortsetzung folgt.)

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