Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 22 (1.6.1870)
- Date
- 1870-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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er AsmelitiseKe lehicr. . Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums unb insbesondere des israelitischen Lektor st andes. Organ sür den Derrin „Achawa.' M 22 Den 1 Juni 1870. -iiO. )atirgang. Wöchentlich 1 Slmntm i'i<ttelju!)tli(t«r Abonnenrntspreis 4V kr — 111/2 Eftr. Anzeigen zu I S'gr. dir PetitreUe. Bestellungen nrhmrn alle Postämter und Brichhandlungrn an. Der obligatorische Religions- , Unterricht (Schluß.) Haben wir oben bereite angrdeutet, wie die Zurücksetzung dev jüdischen Religionsunterrichts nachkheilig wirken kann auf dir religiöse Gesinnung der jüdischen Knaben, nie sie d>'ese gleichgültig, ja sogar feindselig werden läßt gegen Juden- und Judenihum, so haben wir hierdurch die Nachlbeile, die der Umstand, \ daß in den Realschulen gar kein oder nur ein nicht gleichberechtigter Religionsunterricht sür Ariden ertheilt wird, sür dav jüdischreligiöse Leben der Gegenwart mit sich bringt, hinreichend gekennzeichnet. Allein diese Folgen werden mrstärkt euch rech durch den Umstand, daß der größte Tbeii dev intelligenteren jüdischen Publikumv aus den Realschulen hervcrgeht. Die Statistik weist noch, daß in den Realschulen eine ganz unverhältnißmäßig große Anzahl von Israeliten ßch befinden; es liegt dies in den Verhältnissen Der Kaufmann holt in der Realschule seine Bildung und dem Kaufmannsstonde widmen sich zur Zeit wolil noch 25"/,, der männlichen jüdischen Bevölkerung in Deutsckilane. Ohne Religionsunterricht muß aber der Realunterricht, wie er in den meisten Schulen betrieben wird, allzu erkältend wirken auf Geist und Herz der Zöglinge; uud diese 25"/, der" jüdischen Gejemmtmesse, die durch ihre reale Bildung, dmch ihre Stellung und oft auch durch ihren Wohlstand einen hervorragenden Tbeil der Judrnheit bilden, sind aller jüdischen Erkenntniß bar! kannt und fremd blecken gegenüber der reichen Literatur und der Wissenschaft dev Judenthums. dev Stammes, dem sie angehörcn? Was soll daraus werden, wen» die ganze jüdische Intelligenz, alle diejenigen, welche an Bildung über die weniger gebildete Menge herverrageii, dem Judrnthume srenid und ferne, ja feindselig gegenüber stehen, weil sic cs nickt kennen, nur etwa nach seiner äußeren seitherigen Erscheinung beurj theile», weil sie nickt wissen, wclcke reiche und erhabene > Schätze die jüdische Literatur in sick birgt, die die Grundlage bildet aller Ideen von Sittlichkeit und Humanität, welche die Wohlfahrt der Menschheit begründen? Aus diesen Männern wählru He jüdischen Gemeinden später ihre Vorstände, die Mitglieder ihrer Administrationen! Ist cs ein Wunder, daß diese dann ohne jedweern Ernst in diese Aeinter eimreten, und die jüdische Gemeinde bloo als eine zu administrirende Maschine ohne Geist und Inhalt betrachten, deren Derwattung sie eben nur aus selbstsüchtigen Motiven, der zu befriedigenden Eitelkeit willen, übernommen haben; und daß diese Vorstände dann die wunderlichsten Mißgestaltungen auö den jüdischen Gemeindeinstilutionen macken, die sie ja eben nur vermalten und administriren, da f:e doch -fetten eine entschiedene, klare und wahre, auck! innerlich gebotene Stellung zu den Reliaioneparteirn dev Judenthums nehmen; —darf das Alles uns wundern? Man hat eingewcndet, daß es gefährlich sein dürste, dem Ministerium Mühler einen Einfluß auf den jüdischen Religionsunterricht zu gestatten. Wir halten diese Furcht für unbegründet. Wenn wir-auch nicht zweifeln, daß die Drthodox'e den Staatölenkern Auch die Gymnasien werdm wohl von den israelitischen Knaben sehr stark srequentirt. Ist es nicht eine Einseitigkeit ohne Gleichen, wenn die jüdischen Knaben und Jünglinge, die sich dem Studium, den Wissenschaften widmen wollen, die die genaueste Bekanntschaft mit dem römischen und griechischen 'Alterthum, seiner Literatur und Wissenschaft haben, nnbeangenehmcr ist als der Fortschritt; und wenn wir auch die geheimen sympathetische» Beziehungen der Orthodoxieen der verschiedenen Eulten zugestehen, so wissen wir doch auch, wie die Verhältnisse in den jüdischen Gemeinden gestaltet sind, mtd daß die klare Einsicht in die jüdischen religiösen Parteiverhältnisse den Außenstehenden unmöglich ist, daß auch die Anstalten auf die