Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 15 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 119 — »haben diese Töne nicht Etwa» Anheimelnde« für Euch, mein Bruder in Christo-? Ein verzehrender Blitz traf den vorlauten Sprecher au« dem Auge de- Gefragten; aber Dominian schien davon unberührt. „Ihr habt mich ja immer belehrt," sagte Pater Anton, „daß Ihr als Kind, von einer langen Krankheit genesen, Euch in dem Schutze der Klosters von R fandet und — daß Ihr Euer Vaterhaus nie kanntet; Eure Eltern haben Euch verlassen — au*-- gesetzt. Dar Kloster'hat Vater- und Multerstelle an Euck vertreten; ick habe Euck vom 10. Jahre an belehrt — seid „Ihr ein treuer Sohn der Kirche?" „Wie könnt Ibr auch so fragen? — ich tbne meine Schuldigkeit." . „Wie weit seid Ihr mit der abtrünnigen Klara — hat sie Euck die Geheimnisse ihrer jüdischen ,Freundin anvertraut? Will sie — in den Schoos der Kirche zurückkehren? „Sie behauptet, nie abtrünnig geworden zu fein. Sie hat keine Geheimnisse ihrer Freundin, die die brave, unschuldige Tochter einer braven Mutter sein soll...... Wieder traf ein Blitz aus dem Auge Anton'S den wie demüthig zur Erde schauenden Dominian. Mitden Jahnen knirschend, doch an sich haltend, sprach er: „Ihr wißt, war vergeht. Der Fürst begünstigt die Juden, die leider jetzt von einigen Ketzern als die Unterdrückten der Kirche behandelt, geschützt und gehätschelt werden zum großen Aerger aller frommen Christen. Ueberall crheben die sogenannten Dichter und Gelehrten, die Prediger einer verwerflichen Humanität ibr Haupt; sie fordern, o, der. Schmach, Gleichberechtigung für die Verfluchten, von Gott gezeichneten Mörder des Herrn. Da soll insbesondere ein großer Ketzer, ick glaube, sie nennen ihn Messing, ein Buch geschrieben baben, da« den Namen: Nathan der Weise trägt und das den Juden als einen Tugendspiegel, den christlichen Patriarchen als eigen rohen verwerflichen Menschen schildert; dieser Lessing soll sfgar einen gelehrten Juden zum Freunde haben; — Fluch über Alle! — Wie wollen in unscrm Kreise keine Abtrünnigen, keine Ketzer und keine Juden. Ihr wart dabei, als beschloflen wurde, die Juden von hier zu vertreiben, zum Schrecken für alle die sündigen feigen Seelen, die da glauben, die Macht der Kirche wäre geschwunden! Wir wollen unser Recht! Schlimm genug, daß die Fürsten selbst zu den Ketzern gehören, die die Macht der Kirche nicht mehr anerkennen und das Seelenheil ihrer Unterthanen gefährden. So werden wir uns selbst Recht verschaffen. Thut also Eure Schuldigkeit bei Klara. Wir müssen wissen, wer diese Frau Bella ist, die einen so großen Einfluß hat — wir müssen auch die anderen unschädlich machen, den Rabbi, die Vorstände, Alle!" s „Ich werde meine Schuldigkeit thun." „Gut dem, ( ich »erlasse mich auf Eure' Zusage. Derr Herr segne I Euch." : Anton wendete sich zum Geben. Als er schon an der Thüre war, kehrte er um, als habe EtwaS ' vergessen. Wieder schauten sich die Männer in's Auge! — es war ein eigenthümlicher Blick in beiden, der! reckte Klosterblick, so von unten ber, das Auge sieht und ist doch geschützt vor dem freien Blicke de» Andern. „WaS ich fast vergessen batte! Gestern soll eine Jüdin vor der Kirchcnthüre uuserm Gottesdienst beigewohnt und seltsamer Weise — von einem jungen Klosterbruder der Züchtigung entrissen worden sein. Haltet Ihr einen unserer Brüder einer solchen That fähig? O, daß unser Prior ein so schwacher, alter Mann ist, und meine Macht als Stellvertreter j ohne seine,Bewilligung nickt binreichl, eine Untersuchung ju' veranlassen. Waö denkt Ihr von dieser Sache?" , - Pater Dominian hieltden Blick seiner Vorgesetzten aus. Leise sagte er: „Ein Klosterbruder? ein Pater? Ich kenne keinen unter ihnen, der eitler solchen That fähig wäre." Pater Anton ging. Als evim Klosterzange war, blieb" er stehen. „Er war eS! War es blos eine augenblicktiche »Aufwallung des Bluter, oder war es mehr? — Wir müssen ei» strenges Auge auf ihn j haben. Er ist ein sehr eifriger Beichtvater. Sein | AeußereS verschafft ihm Einfluß auf die Gemülher! s Sollte er .....?" Finsterbrütend trat er den Rückweg in seine Zelle an. Dominian aber.ergriff, wieocr das Buch, das er beim Eintritte de- Paters znrückgclczt hatte. Er legte seine Hand auf dasselbe und blickte lange sinnend in die krausen Zeichen, die ihm daraus so wohlthuend ansprrchen; dann sagte er, wie beschwörend: ich werde Euch retten- Gott ist mit mir, ich fürchte nichts. ES dauerte diese Nacht lange, bis »Anton und Dominian Ruhe fanden. (Forts. folgt.). Anzeigen.! 3n Altena in Wekphalrn wird die Israelitische Lehrer- und Cantor-Stelle init einem jährlichen Salair von 300 Thalcrn am 1. Sept. , dieses Jahres vacant. Reflectanten wollen sich unter j; Beibringung ihrer Zeugniffe bei dem Unterzeichneten.! Vorstand melden. i Ferdinand Feidelberg.