Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 15 (13.4.1870)
- Date
- 1870-04-13
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 118 — Heber die Lage der biblischen ' Bethel und Ai. Hr. John FrrberS veröffentlicht im „Athenäum" 12.Februar im Wesentlichen folgendes, aus Edinburg, 31. Januar hatirtes Schreiben: „Die jährlich zunehmende Zahl von Reisenden »ach Palästina, sagt er, veranlaßt «ick, Ihre Aufmerksamkeit ans eine mit mehreren interessanten Punkten in der srübesten Geschichte der Israeliten in Perbindung stehende Loge zu lenken — die von Ai, der zweiten Stadt, welche Josua nach seinem Nebergang über den Jordaneinnabm." „Es sind'bereits . viele Jahre her, seit ich und mein Reisegenösse, der Red. Hr. Hurnard, in Norfolk, über die wahre Lage, wie' -ich glaube, Gewißheit erlangt haben. Por unserm Besuch des Platzes batten wir «Ile die Einzelheiten notirt, welche in der h. Schrift irr Bezug auf Betbrl i»>h Ai erwähnt werden, und; die Umftändlia keil und die 'Genauigkeit der Beschreibung sind so treffend, daß wir keine Schwierigkeit i hatten, aste einzelnen Hauptzüge, sobald wir an Ort und Stelle gelangt waren, zu erkennen. Aus der Erzählung,-welche in Josua VIII. von dem Hinterhalt gegeben wird, den er westlich von Ai legte, schloffen wir, daß dorr ein Thal gewesen sein müsse, das zwischen i Bethel und Ai Nach Norden uud Süden strich. Wie I aber sollte man dies in Einklang bringen mit der ' ersten in der Bibel,' GenenS XII. 8, gegebenen Notiz von den beiden Städten, daß es zwischen Bethel und Ai einen Berg gab, aus . welchem Abraham sein Zelt auffchlug und seinen ersten Altar errichtete? Als wir an die Stelle kamen, war die Schwierigkeit gelöst. Nach der Untersuchung der Ruinen Bethels nahmen wir unsern Weg über das Thal nack einem Kegelbrrg auf der gegenüber liegenden Seite, auf dem noch jetzt die Ruinen einer christlichen Kncke stehen, und bald kamen wir zu dem Schluffe: daß dies die Stelle des ersten Altars gewesen sein müsse, welchen Abrobam in dem Lande der Perbeißuna errichtete. —Der Platz außerhalb der Tbore von Bethel'.(damals LnS» wo Jakob die ganze-Nackt schlief, und am Morgen zur Erinnerung an das Gesicht der Himmelsleiter, das er im Schlafe gehabt batte, den Stein, auf welchem er gelegen, als Denkmal setzte— wo. seiner früheren Heiligkeit wegen. Jerrbeam seine Götzen-Kälber auf« stellen wollte, und wo endlich (da im Morgenlande die einmal beilig gewesenen Orte ibre Hsstigleit behalten) die Christen die Kirche erbauten, deren Ruinen, mit erhaben gearbei.rten Kreuzen auf zweien der Pfeiler, noch übrig sind. „Ein schmaler Bergrücken mit eineni Ziegenweg verbindet diesen Berg mit dem anstoßenden, von Bethel aus östlich sich hinziebenden. Die großen Geschiebe, auf die wir beim Betreten dieses Berges stießen, und ' die im Naturzustand herumlagrn, dämpften Anfangs; unsere Hoffnungen, die Lage zu finden, welche wir j aufsuchen wollten; allein, nachdem wir etwa 15 Mii nuten weiter gegangen, kanre'n wir ans die deutlichen 1 Spuren einer Stadt: Trümmer von Gebäuden, einen Brunnen, zahlreiche in festes Gestein eingehanene Eisternen. Stücke zerbrochener Töpserwaaren u. s. w. Ein Grnndzug der Schilderung im Buche Josua seblte uns indrß noch zur Vervollständigung de« Gemäldes. Das Tbal. in welches wir, von Betbel kommend, den Weg genommen hatten» war westlich von Ai; allein in Josua VII f., 11 ist angegeben: daß Josua mi: dkm Kriegovrlk, in der Nacht vor der Schlackt, „stck wendete gegenMittermacht vor Ai." Um die Nichtigkeit der Lage außer allen Streit zu stellen, fanden wir bei näherer Untersuchung, daß daö Thal, welches zwischen Bethel und Ai nördlich und südlich streicht, sich fast in rechten Winkeln gen Osten wendet, io daß es a»' die Mittcrnacktsseite von Ai koniint.,, (Ans Ausland" v. 18 Februar.» Feuilleton. Itr Wetter. Novelle von I. .'kl. . (Fortsetzung.) Wir haben Pater Anton verlassen, als er, nachdem er die Beichte EhristinaS gehört, noch spät in der Nackt in die Zelle deS jugendlichen Pater Dom'nian eintrat. - Es war, der Klosterregel .zuwider, noch Licht in dieser Helle Doniinians; Pater Anton schien daö nicht zu beachten. Sei» Falkenauge senkte sich aus bas Gesicht des jungen PaterS, das ibin so ruhig und klar vorkam, wie jederzeit. Er blickte auch au« die Hand des jungen Klosterbruders, die ein kleines Buck' mit anscheinender Nnbe auf das Büchergestell zurück legte — die einzige Zierde der nakten Zelle. Hierbei mußte fick Dominion mit dem Gesichte vom eintretenden Pater abwenden - hätte dieser den. Blick des Haffes bemerken können, der in diesem Auge glänzte, er würde gezittert haben. Aber Pater Dorn nian hatte, eine gute Schule der Heuchelei und Verstellung genossen. Als er sich nmwendete, war sein Auge klar, fast kindlich und in ehrfurchtsvollem Tone trat er auf Pater Anten zu und fragte: was verschafft mir noch so spät die Ehre deS Besuches meines frommen Bruders-— V Pater Anton blickte unter sich: „Ihr leset seil einiger Zeit oft und viel in der hebräischen Bibkl; daS ist nicht nach den Regeln unseres Ordens." — „O, Ihr, Bruder, habt mich ja diese Sprache grlebrt und diese Laute — sie ergreifen mein Her;, sie sind mir so verwandt, sie kommen mir vor wie bekannte Töne -aus dem Paterbauje, daS ich, nie gekannt! Ich weiß nicht, ist es Euch nicht auch sc.