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Der israelitische Lehrer · 1870-03-05 · 14 (5.3.1870) · p. Seite 106

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
14 (5.3.1870)
Date
1870-03-05
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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— 106 — hat. Tiefem lag wohl nichts ferner, als die Schrift und deren authentische Auslegung zu fälschen; ihm lag nach seiner eigesten Aussage, wonach er gekommen sei für die verlorenen Schafe in Israel und „nicht um die Schrift aufzubeben, sondern sie zu erfüllen unr jede- Tüpstein Und Strichlein zu erhalten," wohl nicht daran, das-Iudenthum zn degradiren. Man erttmii vielmehr an diesem Inhalt der Evangelien schon die oppositionelle R'cht ung der den« Zudentbum feindlicke:: Kirche, aber darf mit Recht auch hieraus auf di« späte Abfassung dieser selbst vermeintlich ursprünglichen Schriften des N. T. schließen. ' Die m Betrachtung zu ziehende Stelle befindet sich Matth, st, 27 und 28 und lautet: Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt worden : Tu sollst nicht ehebrechen, --Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieb:, fr daß er nach ibr lüstern wird, der hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen." Auch hier stoßen wir wieder nicht blos auf eine Verleugnung der traditionell-jüdischen-Schriftauslegung, sondern, wie bei dem Gebot der Femdesliebe, auf eine Verleugnung der Schriftworte selbst. TaS siebente Wort des DecalozS lautet; «zxzi x7 „Dl? sollst nicht ehebrechen." Richtig und der jüdischen Schristauslegung gemäß ist dies auf die ehebrecherische That gedeutet. Die ehebrecherische Lu st ist aber im letzten Ausspruch drS DecalcgS selbst schon als Sünde bezeichnet: iyi nrx -jonn xd „Du sollst nicht gelüsten iznch deines Nächsten Weib" d. h. sie nicbt lüstern ansebrn, keine lüsternen Gedanken nach ihr haben. .Die ganze Frage behandelt auch Mecbilta, der älteste und dem christlichen Leitalter angehörige Commer.tar des Exodus, zur Stelle: ~.nx *ipj;7 .rnw »jkjm was der Supercommentator erläutert: ycpc rrx i'-i by 4-2*j?i xm 7yis2 :r2»n2 *>2:2 xpn iss;-' »7 *-21 nrxr To-nr ’c 2"x"v"2 ... ■j,>r 2'r. -r.-rs ib*sx 3’Yi ’xn. „Nicht bloS die verwirklichendeThat sondern auch der lüstenie Gedanke deS Herzen« ist Sünde." Dem Talmud Schw. 47,0 bedarf es hierzu nickt einmal der Ergänzung von -.2.151 xd; er folgert diesen Grundsatz direkt aus ^xjn xt>, zunächst dem Sinne-, dann auch dem Worte nach, indem er nach talwuoischer Hermeneutik die doppelte Leseweise gelten iijjt:'-xjr xi und »wn x? „Du sollst die ehebrecherische That nicht ausführen, aber auch Allem au» dem Wege gehm, was zu ihr hinführt (mx -zpiy r|XJ21.) Die abweichende Lesart des Textes im Decalog de« ExoduS und des Deuteronomiums scheint unS übrigens Zeugniß zu geben, daß lange vor Entstehung deS Ebristenthum« dieselbeFrage diScutirt und in gleichem Sinne entschieden worden ist. Die ursprüngliche Lesart ist wohl die im Exodus: -,y~ n'2 5i'7; das Folgende: '>21 -zyi rrx n"b ist glossarischer Zusatz. Selbst Ibn ESra erklärt so die Varianten der beiden Decalogen deS Exodus und Deuteronomium» als Glosse« als amplifilirende nnd erplicatorische Zusätze, wenn er sie auch Moses zuscheibt. Im Decalog deS Deuteronomiums tritt geradezu schon die Absicht entgegen, den Ehebruch nicht blos der That, sondern auch dem Gedanken nach als Sünde und verboten zu erklären. Dort heißt es zuerst n?i i27n nrx -)jn und dann 01 i>'-> 51-2 11x551 x7i. Während im Exodus der Unterschied zwischen 121.1 und iix.151 Lust und Lüsternheit," „gelüsten (nach dem Eigenthume) und lüstern sein (nach dem Weibe)" nicht hervorgehoben wirb, ist im Deuteronomium da» Verbot von der Lüsternheit nach dem Weibe des Nächsten in Blick und Gedanken geradezu in den Vordergrund gestellt. 'Denn ohnd Zweifel drückt nx (i2x) die einfache Richtung des Willens au», am Wunsch, die „Lust, während 121 die gesteigerte Begierde, die heiße (21) Lust, die Lüsternheit bezeichnet. Auch die Alten erklärten 112-1 'ich x'22 .11x51 „Lust führt zu Lüsternheit." Wir erkennen übrigen« in dieser wie in anbttm Varianten des Decalog« im Deuteronomium eine Verkennung der ursprünglichen Anlage und de« Jdeengang« im Decalog, wie auch eine Spiegelung der späteren Zeitverhältnisse. Denn äußerlich besleißigt sich der Ausspruch' -zpi 5i'2 51"7 gerade so einer prägnanten nnd umfassenden Kürze, wie die vier vorhergehenden Verbote und die ganze zweite Tafel. Dem innern Gedanken nach aber sollen mit dem zehnten AuSspruche die Sünden der „Gesinnung und de» Herzen«^. verboten werden ,wie mit dem sechsten, sie- ' benten und achten die Sünden der „Hand und That" | und mir dem neunten diejenigen des „ Munde« und der! Rede." Da aber schon im Anfang diese Sünden einmal specincirt worden stnd durch das Verbot de«

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