Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 8 (23.2.1870)
- Date
- 1870-02-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er «Israelitische Jehrer. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Iudenthums und insbesondere des israelitischen^'ehre r st andes. Organ für den Verein „Achawa." M. 8. * Den 23. Februar 1871». 10. Jahrgang. wöchentlich 1 -lumm». Vierteljährlicher AbonnnneMSrreii 46 h. — ZI*,2 Sgr. Anzngrn ju 1 egt. Mt Peurzeilt. Lestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandluiwm an. Die erste Eigenschaft des Lehrers. Welches ist die erste (?igenitfcatt eir.is Könige?, hat man wohl gefragt, ale noch die Könige n dH in- | nerhalb der Menschheit, sondern als Goubegnadigte , und Gottvertretende vterhalb derselben standen. Man . nannte bald diese bald jene Eigenschaft: die Gerecktigtett, die Gnade, den Muth. Nachdem dao Gesetz auch'den . Königen gegenüber mehr zur Geliurg gekou men ist. ba: die Frage ihre Bedeutsaii kett verloren. Dennoch «ollen wir sie noch einmal answerfen und zwar in Bezug aus den Lehrer. Gr steht in der Schule wie der König einst dem Volke gegenüber, er ist seinen Schülern das lrlendige Gesetz; nicht ein geschriebener Buchstabe, sondern seine Persönlichkeit, seine augenblickliche « Entschließung ist Richtschnur für seine Schüler. Welche« ist also seine vornehmste Eigen'chas:? Zst es die Cerrcki iigkeit oder die Liebe oder der Muth? Gr n uß diese; Eigenschaften alle beten; ater sie bezeichn!:» noch ruckt das, waö sein Berus in eisenthümlichster Weise j erfordert: es sind das Eigenschaften, die auch Andere, , welche feine Lehrer sind, wenn auch nick: in demselben Maße, haben müssen, wenn sie ihres Amte« Pflichten im ganzen Umfange erfüllen wollen. Wir wollen dem Lehrer in seine Elaste folgen wir wollen seine Arbeit dort betrachten; wir wollen «j ihm zur Seite bleiben, wenn er aus derselben in; seinen Familienkreis zurücktritt; wir «ollen feine Sieli lung in der Gesellschaft in'S Auge fassen. Vielleicht | wird eS möglich sein, diejenige Eigenschaft ouszu- > finden, die sein Beruf ihm selbst onzieht, die seine * Lebensstellung ihm aufzwingt, deren Mangel ihn zum unglücklichsten Menschen macken würde. Vielleicht sehen wir, daß er ohne diese Eigenschaft zum Lehrer untauglich sein würde, in ihrem Besitze aber reichen Segen stiften und für sich .selbst herrliche Freuden ernten kann. > Wir treten also mit ihm früh Morgens in den j Kreis feiner Zöglinge. Er in voll-Hostnung, Kundert Mal bar er vor denselben Schülern gestanden. Die der Wächter, am wichtigen und gesahroollen 'Lösten den Tag ersebitt, wie er den Blick nach Osten wendet, ob nicht der erste TageSschimmer aufleuchten und seine Treue belohnen will, so blickt der Lehrer in die Augen der Schüler. Er hat eitrig und treu, nach > bestem Wissen, das geistige Leben zu wecken gesucht;^ er hat >"ch blmüh:, ein ^'ichl zu entzünden, und er hofft nun. in dem Hellen Blick, i« dem verständnißvcllen Auge sden Lohn seiner Arbeit wahrzunehmen. Auch täuscht er fick nicht bei dem. Einen und dem Andern; aber nur zu Viele zeigen durch Haltung und Blick, durch dieselbe Armuth an Wort und Begriff, daß er zu früh gehofft hat, daß die Dunkelheit der geisti» gen Nackt noch nicht geschwunden, daß das vcn ihm entzündete Lickt gleich wieder er'oscken ist. Das.'ist ihm nun schon oft begegnet. Sein ernstes Wirken und Schaffen, sein Mühen und Streben — es hat nicht den Er'olg, den er erhoffte, auf den zu hoffen er sich für berechtigt hielt. Nock mehr! die Kinder . betrübten ihn durch mancherlei Fehler und sittliche Gebrechen —da war die Trägheit und der Leichtsinn, die Lüge und die Rohheit — er hat ermahnt und belehrt. gestraft und behütet, und bat gemeint, diese Feinde und Hemmnisse des menschlichen WoblseinS mit der Wurzel aus dem Herzen gerissen zu haben, und heute wieder überwuchern sie bei Dem und bei Jenem daS Herz und haben den guten Samen, den er mit Liebe und Vertrauen ausstreute, gänzlich erstickt. So stibt er, m seinen beglückendsten Erwartungen getäuscht, vor diesen Kindern. Was soll er thun? Zst eS nicht Thoiheit, die vergebliche Arbeit wieder zu beginnen? Was hilft eS, wenn er heute rmeder mit vollem Herzen, mit ganzem Eifer, alles Uebrige vergessend, sich seinem Berufe hingiebt! Wartet nicht morgen seiner dieselbe Erfahrung? ES kommt ihm wohl dieser Gedanke; er schwankt wohl einmal; er möchte miz sorgloser Hand und leichtem Sinn sein Werk verrich