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Der israelitische Lehrer · 1870-02-09 · 6 (9.2.1870) · p. Seite 42

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
6 (9.2.1870)
Date
1870-02-09
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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Resultate gründlicherer, tieferer Fcrschunz von weiten der Theologen nickt vorenthalten werden. ES entsteht sonst eine. Ätüft zwischen jener und dieser, zwischen Geistlicken und Laien, ein Unterschied, der in der evangelischen Kirche keine Geltung haben soll. Dieselbe trägt, wo sie ihrem Ursprünge und dem protestantischen Urprincipe entspricht, überall die Signatur der Fortentwicklung an 'ich. Denn da? Princlp, aus dem ne ruht, .ist das der freiesten, Voraussetzung» - und fruchtlosesten Forschung im reinsten Strebest »zgch Wahrheit, d. h. nach dem höchsten Gute. Die Kirche hat daher weder in 'ihrer Lehre, noch in ihrem Cultus, noch in .ihrer Gestaltung überhaupt Anspruch auf Untrüglickkeit, Vollendung und Heiligkeit, sondern ihr Berus liegt in unaufhörlichem Suchen und Streben. e. Wir könnten hier poleminren gegen die Bekenner und Lehrer der protestantischen Kirche und denjenigen unter ihnen besondere, »v-lcke dem Protestantismus eben Ansichten' und Eigenschaften andickten, die ausgezeichnete Bekenner dieser Confession wobl besitzen mögen, die aber dem -Bekenntnisse selbst fehlen und ihm, insofern eS als positive, geordnete staatliche, und offizielle Religion betrachtet wird und werden will, naturgemäß abgeben müssen, weil die Begründer selbst anders schrieben, dachten und bandelten und die Begründungsschriften eben so wenig als das ans ihnen entwickelte Sck>risttbum dem entsprechen. Luther und Zwingli und auck Calvin haben wegen des Glaubens und um der-, religiösen Formen Willen miteinander gestritten, protestantische und reformirte Geistlichen haben sich ini ersten und zweiten -Jahrhundert nach der Reformation gehaßt, Mit Feuer uud Schwert bekämpft, ja selbst .dem Henkerbeile überliefert; die Geschickte von der .Kurpfalz insbesondere liefert schreckliche Beispiele davon. — Daß Luther selbst nicht ans der Höhe humaner Weltanschauung der Felztzeit stand, Mgt sein Haß gegen-die Juden, deren Leiden ihm nie'ein Wort des Mitleids abgewann.*» Das Wort der Schrift und der Bekenntnißschriften — sombolische Bücker, Konkordienartikel, Confession — galt und gilt als unumstößliche Richtschnur; man hat die Schrift protestantischerseits oft genug „den lutherischen Papst" genannt'. Der Name Diester weg siebt uns zu hoch, als daß wir das hier gejagte weiter ausführen und den - obigen Auslassungen entgegentreten. Wir werden schon bald genug ivieder an anderen Orten daraus.-zurückkommen. DaS, st»as jetzt jedock hier oben unter t». von der protestantischen .Kirche gesagt und behauptet wird, ist unwidersprechlick die Grundlage des Judenthums. .*) Dir »rruttjen ' auf Jahrgang lt>Ss ö. Z. Artikel ÄUHer und die Juden von Dr. Kothfchüd.; Mag die orthodoxe Richtung dies bestreiten — die Geschichte bezrnzt cS uitd die Männer der Gegeni wart, die Lehrer und Rabbiner, welche ebensowohl auf dem positivem Booen des Judentbums als der Jeit sieben und wirken »vollen, werden diese Sätze als Fundamcntalsätze des Judenthums anerkennen müsien, wenn sie sich nicht den Boden ihrer Wirksamkeit unter de» Füßen selbst wegzieben und — »vir mochten bien ein Wort der Drthodoiic anweitden. dein bodenlosen historischen Nihilismus < der Orlhodorie) verfallen »vollen. * Während »vir an diese»» Aussätze schreiben, ist! wobl von Seite der Orlhodoric eine so unerhörte Neuerung ins Judenthnm bineingetragen worden, wie eine solche kaum je die Ncologcn im orthodoxen Sinne gewagt oder versucht haben. Man »vill der Majorität der Gemeinde das Reckt versagen, in eigener Angelegenheit »iiitznsprrchen und versucht also zuin ersten- »nale den Rabbinen als außerhalb der Gemeinde stebcnd. als ordinirren Priester, als Geistlichen im christlichen Sinne, damit aber auch die Gesauimtheit der Rabbinen als —> die j»'ichiscke Kirche und Kirch engeiv a lt dem Laien gegriiübcrzustellen. Nie ist etivas derartiges oder Aebnlickes früher im Jndeiikbum angestrcbl »vorken. Lehrer gab es zu allen Jesten; die Rabbi»»en waren die hockgeach'ctrn Leh- . rer des Volkes, sie standen im höchsten Ansehen, und ie »»rtheilten wobl auch in religiöser Angelegenheit ans Grund der Rcligionsschristen oder nach eigener lleberzeugnng; da die Ansichten in und über Rcligionsschristen unk über die höhere Autorität der einen oder der ankern »ehr verschieden waren; >min er aber ohne Beeinträchtigung der Gemeindefreiheit, die als, unbestrittenes Princip historisch nachiveiSbar ist; sie eiltschieden zumeisk im n*3. i n E olleg ien nach S k i in in c n m e h r b c i t, »vohl als prvrtT — Sawverständige! aber nicht als Prieftxr, d. h. .Kraft höherer aus Gott cnstainmter Machtvollkommenheir. Die Priester — Kohannim — a»S dem Stainme Aaron waren »tichtS als die Äeairflragtc der Ge- »neinde zur Darbringung der Opfer — zu einer fesigeregelten, im Grunde eine Aeußcrlickkeit betreffenden - gottesdienstlichen Funktion, s o nst nichts, gar nichts. Selbst das Recht zu segnest »var nur eine äußerliche Funktion, wie jeder Sachverständige weiß Die Hände, die das Opfer gebracht, breiteten sich aus über das Volk, um den Segen zu erstehen, von Gott, dem allein Seg,»enden. Sie batten als Kohainim kein Lehramt, kein Reckt der Auslegung der Schrift — j natürlich konnten sie nebenbei auch Lehrer sein, aber j der einfachste Gelehrte aus niedriger Herkunft stand j vor dem unwissenden Hohenpriester, j Im Sinne des Judenthums — das die Geschichte! begriffen bar) sagen wir also: dem Volke dürfen

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