Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 10 (1870)
- Issue
- 3 (19.1.1870)
- Date
- 1870-01-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er Zsmeliliselre Kein er. ' Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehrerstandeö. Organ für den Verein „Achawa." M 3. ' Den 19. Januar 1870. 10. Jahrgang. Wöchentlich I Nummer Vierteljährlicher Abonnementsvrei« 40 kr. — 111/2 Sgr. Anzeigen, zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Die Weltanschauung der modernen Zeit. Unter diesem Titel enthält das erste Heft des neuen Jahrgangs der „Rheinischen Blätter sür Erziehung und Unterricht", welche von Adolf Diesterweg, gesegneten Andenkens, gegründet wurden, und nunmehr von Dr. Wickard Lange aus Hamburg fortgeführt werden, einen Artikel „von Adorf Diefterweg".» Wahrscheinlich ist derselbe aus dessen nachgelassenen Papieren, und so als das Erbe des großen, in unserem Herzen fortlebenden Meisters an und für sich schon von hervorragendem Interesse und Bedeutung. Wir wollen nebenbei nicht unterlassen, anzudeuten, daß Dr. W. Lange bestrebt ist, der Aufgabe, welche Diesterweg den rheinischen Blätten stellte, in wirksamer Weise zu genügen. Die Rheinischen Blätter waren von ihrem Gründer dazu bestimmt, an der Spitze der Entwicklung heS Unterrichts- und ErziehungSwesenS zu marschiren. Wenn nun auch Lange etwas behutsamer zu We>ke geht; wenn er mehr die praktischen Seiten des Erziehungs- und Schulwesens besbricht, so können wir doch nicht umhin, auch heute tnzuerkennen, daß diese Zeitschrift im Großen und Ganzen auf der Höhe ihrer Aufgabe geblieben ist. Lange selbst wird fteilich zugestehen müsien, daß eben jenes Erhabene, wir möchten fast sagen: Prophetische, was aus jeder Zeile der insbesondere raisonirenden Schriften Diesterwegs hervorleuchtete, waS uns bis auf's Innerste ergriff und festhielt: „jede Zeile ein Mann und ein Charakter, jedes Wort ein Faustschlag in daS Gesicht alles - Gem inen, Niederträchtigen, Finstern", unnachahmlich ist und bleiben wird. Diesterweg war eben eine unvergleichliche ganze Persönlichkeit, die durch ihr Wirken und Leben unsere Ehrfurcht sich in so hohem Grade errungen hatte, daß seine Worte eine ganz besondere Bedeutung, Kraft und einen Klang behalten, daß wir zu ihm, wie zu einer über das „waS uns alle bändigt, das Gemeine" erhabenen Gestalt emporblicken. Ist dem vorliegenden Aufsatze sind die Gegensätze der modernen und der alten Weltanschauung in Bezug auf Religion, Staat und Schule einander gegenüber gestellt, — gewiß eine höchst bedeutungsvolle Aufgabe, die auch uns zur Prüfung auffordert-; — freilich in unserer Weise, in Bezug auf die Religion Israels insbesondere, wobei dann auch der Unterschied zwischen Juden th um und Christenthum wieder hervortritt und besonders« zu beachten ist. Das bringt uns auf einen Gegenstand, den wir im vorigen Jahre in der „allgemeinen deutschen Lehrerzeitung" und auch in diesen Blättern aufgriffen, auf unseren Kampf mit W. Herold, über die Borwürfe, die derselbe dem Judenthum oder vielmehr dem MosaiSmus machte, über'die Prädicate. die er demselben beizulegen sich veranlaßt fand. ° Unsere, durch unseren Beruf und unseren Umzug in diesem Jahre in ganz außerordentlicher Weise in Anspruch genommen Zeit hat uns bis heilte nicht erlaubt, jenen Kampf in würdiger Weise wieder aufzunehmen. Wir hofften auch bisher vergeblich, eS würde einem der vielen theologisch und philologisch gebildeten jüdischen Lehrern Deutschlands, denen eine solche^Polemik näher liegt, gefallen, Herrn Herold ^u antworten. ES ist nichts geschehen. Nun, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. ES möge Herrn Herold indeffen gefallen, einstweilen den vorliegenden Artikel als eine Antwort zu betrachten, die auch nickt zu verachten ist. Er gibt Stoff — zum Nachdenken. £ ersten Artikel Diesterwegs stellt derselbe die Anschauungen der modernen Zeit — als deren Ausgangspunkt er daS letzte Drittel des 18. Jahrhunderts betrachtet — der alten, ab.er von vielen, fast von allen christlich-kirchlichen Behörden der Gegenwart zur Zeit noch festgehaltenen, Anschauung über Religion und Christenthum gegenüber. Wir haben nun gefunden, daß daS, waS hier als die