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Der israelitische Lehrer · 1870-01-12 · 2 (12.1.1870) · p. Seite 15

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
10 (1870)
Issue
2 (12.1.1870)
Date
1870-01-12
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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— 15 — beabsichtigt«!. Besuche seiner Familie' am Rhein die Reise nach Ruhrort zu verbinden, um unsere Konferenz, insbesondere die von unS gelieferte Konferenzarbeit zu vertreten, lehnte es aus dem Grunde ab, weil es ihm ja doch nicht möglich wäre, den dortigen Verhandlungen am ersten Konferenztage (22. Sept.) wegen des unmittelbar vorhergehenden Feiertags beizuwohnen. Zum Schlusie Ihres Artikels drohen Sie abermals, wenn ich nicht dübsch still schwiege, mich gebührend zurückzuweisen und — dorribiis äictu — die Wichtigkeit unserer Konf-renz einer Prüfung zu unterziehen. Nach obigen Enthüllungen dürfte man glauben, gebühre Jbnen -- bescheidenes .Stillschweigen. Allein Sie scheinen durchaus das letzte Wobt haben zu wollen. Seien Sie ganz unbesorgt; ich werde nicht mehr repliziren.*) _H Leeser Feuilleton. Der Wetter. Novelle von I. Kl. In den Straßen der alten deutschen Stadt Mittelburg herrschte ein vielbewegtes Leb n. Es war Abend worden am Samstage vordem christl. Osterfeste, die katholischen Bewohner rüsteten sich zu einer feierlichen Procesiion, die als ein Vorspiel dcS Festes selbst, in dieser streng katholischen Stadt von Alters her üblich war. Die jungen Bürger eilten, mit Wafffn und Wehr gerüstet, auf den freien Platz der Stadt, wo sie sich zu versammeln pflegten, um von hier aus zur Haupt-Kirche zu ziehen, und Spalier zu bilden für die Wallfahrer, die von dieser Kirche aus nach einem Kloster zogen, das am andern Ende der Stadt lag. Als es dunkelte, sah man an allen Fenstern Vorbereitungen tresien für eine festliche Illumination, welche sich in den mit vielen Ecken und Tbürmten, Balkons und Nischen gezierten Stadt sehr hübsch ausnahm und welche dieser nächtlichen Procession leuchten sollte auf ihrem frommen Wege, um derselben ein besonders feierliches Gepräge zu geben. Auch in den israelitischen Häusern durfte man hiermit nicht zurückbleiben, wollte man sich nicht einer großen Gefahr aussetzen. In der Osterzeit war der Fanatismus in dieser sonst friedlichen Stadt stets besonders rege. ' Ein dumpfer Geist herrschte immer in diesen Tagen, eine Wir hoffen, daß auch dieser Kampf sein Ende erreicht habm möchte. „Redaktion des Jsr. Lehrer." Spannung, die sich erst nach dem Osterfest« wieder legte. Bisher war jedoch der Fanatismus noch nie zum Ausbruche gekommen, und idas friedliche Verhältniß war nicht gestört worden. Die wenigen Israeliten verhielten sich ruhig, blieben in ihren Wohnungen, bis der geheim angestiftete dumpfe Groll sich wieder gelegte hatte, dessen Ursprung man in das Kloster verlegt, das in dieser österlichen Zeit' besonders fleißig von den frommen Beichtkindern besucht wurde. In diesem Jahre war die Angst der armen Israeliten heftiger als je. Man hatte gefährliche Reden gehört. Die Klosterbrüder waren auch in die jüdischen Häuser gedrungen, hatten die Beichtzettel abverlangt, die die christlichen Bewohner zur österliche» Zeit abliefern mußten, und ließen sich nur durch nahmhafte Geschenke abfiuden, die durch geheimnißoolle unverständliche Drohungen fast erzwungen wurden. Die Israeliten hatten sich darum auf >'Anrathen ihres Rabbiners ganz besonders bentüht, ihre Fenster recht freundlich zu beleuchten und liebeathmende Sinnsprüche anzubringen. Der alte Rabbiner batte erklärt, daß dies keine Sünde sei; es geschehe ja nicht zur Ehre des Gottes der Christen, des „Gekreuzigten", sondern _zur Ehre und zur Beruhigung der Bewohner der Stadt, der Mitbürger, um denselben auf ihrem frommen Gange Licht zu schaffen; eö geschehe zum Schutze für das eigne Haus und dem Wohle seiner Bewohner, für deren Schutz ja nach dem bekannte,. Ausspruche der Weisen vüles erlaubt sei, was bei anderer Gelegenheit verboten wäre. Wohl mochte es den armen Bewohnern der Juden gaffe, durch die der große Zug frommer Wallfahrer nie ohne irgend welchen kleinen Unfug zog, nicht froh ums Her; jrtu, als sie jetzt die Lichter anzündeten zu einer Feier, die immer nur Unangenehmes für sie zur Folge hatte, und die insbesondere in diesem Jahre so unheimlich zu werden drohte; aber fie befolgten mit ruhiger Ägebung die Anordnung des greisen Rabbiners, stille Gebete sendend zum Beschützer Israels, der nicht schläft und nicht schlummert: Frau Bella stand au einem der Fenster der Judengasse in einem durch einen Erker ausgezeichneten . Hause, das sie eben beleuchtet hatte, und schaute in die hellbeleuchtete Straße hinaus. <Sie sah nichts von den Lichtern, die anderwärts aufgezündet wurden; ihr Auge suchte bekümmert und ängstlich das bunte Gewühl von Menschen zu durchdringen, das sich, an ihrem Hause vorbei, gegen die Kirche zuwälzte. „Wo sie uur bleiben mag," sprach sie ängstlich für sich hin. „Ich hatte sie doch gebeten, recht bald wieder zw kommen. Mußte sie jetzt, gerade jetzt, die kranke Freundin besuchen.?"

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