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Der israelitische Lehrer · 1869-12-08 · 49 (8.12.1869) · p. Seite 507

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
49 (8.12.1869)
Date
1869-12-08
Page
Seite 507 (sequence 7)
Language
German
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bald ward aus dem Paulus ein SauluS.*) Auf diese Weise ging's lange fort. Später gesellten sich zur säubern Gesellschaft noch einige lungerige Gesell'n auS der benachbarten Stadt, wo man TagS vorher dem mißliebigen Beamten eine Katzenmusik gebracht und gelegentlich einem reichen Juden die Fenster eingeworfen hatte; und — die späte Nacht war Zeuge schmählicher Auftritte gegen die Judenhäuser in Lobheim, und in besonders zerstörender Weise gegen das Straußische Haus. Es war selbst eine Art Organisation in diesem Krawall, der von einem verkleideten Menschen offenbar geleitet und dirigirt wurde. Man sagte, eS fei der Stadtschreiber gewesen und die nahe Zukunft machte es sehr wahrscheinlich. So erscholl aus dem tobenden Haufen, der sich vor den Judenhäusern gesammelt hatte, und in dem sich gar mancher sonst unbescholtene Bürger aus Spektakelsucht oder blassem Neide befand, von e ner tiefen, offenbar verstellten Stimme: „Legt mir 'mal ein Straußenei in jenes Nest!" und rasch flog ein schwerer Stein in ein Fenster des Slraußischen oder eines andern Judenhauses. „Und nun," rief's wieder, „einen lustigen'Straußenwalzer drauf!" und im Nu flog ein Hagel von Steinen nach den Fenstern, die in hundert -Splittern schauerlich klingend zu Boden fielen. Anfangs hatte sich Strauß an's Fenster gestellt und wollte den Haufen begütigend anreden, da traf ein Stein nach seinem Kopf, daß das Blut berabrann. „Nu!" sagte sein Hausherr, der ihm zu Hilfe kam, bitter, „schreibt man doch jetzt 1848!" Endlich aber rafften sich besonders die jungen Israeliten auf, bewaffneten sich mit Werkzeuge, wie' sie solcher habhaft werden konnten, besonders als man hörte, es fei ein Angriff auf das Hinterhaus des Parnoß von dem fremden Pöbel beabsichtigt. Biele christliche Einwohner gesellten sich helfend zu den Juden und diese Hilfstruppen kamen noch gerade zur rechten Zeit, um den bereits begonnenen Sturm auf besagtes Hintergebäude abzutreiben und das fremde Gesindel, das sich einer Gegenwehr nicht versehen hatte, gänzlich aus der Stadt zu jagen. Im Hofe des Parnoß traf Strauß, der sich an die Spitze gestellt hatte, den Schabbeshans, der, wie er sagte, alles im Hinterhause in Verwahrung gebracht und abgeschlossen hatte. IV. Der Zauberspiegel. .Brich doch mit diesem Lumpen sogt ich, Er machte Dir einen Schelmenstreich; Wie kannst Du mit ihm lcden?s Ich mochte mich weiter nicht bemühen; Ich hob' chm verzieh'», Aber nicht vergeben. Göthe. *1 Zum Berständniß für iSr. Le'er: Aus dem Vcrtheidiger ein Verfolger. Nach den ne en Testament hieß der Apostel PauluS früher Saulus, als welcher er die Christen verfolgt hatte. Der anders Tag sah den Gräul der Verwüstung. Die Juden fanden sich zwar gekränkt, aber sie tankten Gott, mit zerbrochenen Scheiben davon gekommen zu sein. Die christlichen Einwohner in ihrer Mehrheit beklagten diese Auftritte und machten sich selbst! Borwürfe, ihnen nicht früher gesteuert zu haben. : Der Stadtschreiber ward todt in seinem Bette am andern Morgen gefunden. Man sagte, ein Schlag habe ihn in Folge großer Aufregung getroffen. Andere sagten, er habe siH, eine Untersuchung fürchtend, selbst vergiftet. Diese ward auch alsbald eingeleitet. De» Juden selbst war es nicht sehr um Bestrafung der Frevler zu lhun, in welcher ihnen nur auf's neue Feinde erwachsen wären. Dazumal fielen noch schlimmer« Frevel ungestrast vor. Die Obrigkeit hatte das Ansehen verloren und oft auch den Mnth, mit der Schärfe des Gesetzes einzuzreifen. Der «Glaser machte den Schaden wieder gut und die deSfallsige Kosten achteten die Juden nicht. Den Schreck und den Verdruß stahm man als Zugaben. Erst, als Alles wieder in's alte Geleis zurückgekommcn war, an einem der nächstfolgenden Tage; siel es dem Parnoß ein, nach dem Pokal für den Rabbiner zu sehen, der seinen Besuch zum Beruhigeu seiner Parochianen und zum Beschwichtigen der Gemü'her auf einem der nächsten Sabbate angesagt hatte. : Es fiel ihm zu seinem schrecken eiu, daß er ihn ist der Eile auf ein Behälterlein gestellt, sicher jedoch; ihn sogleich dort wieder zu finden. Wie erschrack er aber, als dies nicht der Fall war und der Becher sich, nirgends finden wollte. In das Hinterzimmer k im Niemand, als seine eigene Leute, aus deren Treue er Häuser zu bauen sich getraute. Er sann nach; eü wollte; sich keine Spur zeigen. Er öffnete die Thüre, um in seine Wohnung im Vorderhaus zu gehen und seine Frau und Kinder zu frage», ob sie nicht etwa den Pokal wo anderShin gestellt? Da ging geraoe SchabbeSbanS an ihm vorüber; er schlug die Augen unter und huschte grüßend vorbei. Schon einige Tage wollte Sternheimer bemerkt haben, daß jener nicht mehr beiter, daß er verlegen beim Anblicken werde und allemal den Blick zu Boden senkte. Er sann und sann darüber nach. Da siel ihm ein, daß ihm Strauß gesagt, wie er SchabbeshanS in jener Nacht im Hofe allein betroffen, und wie ihm dies verdächtig vorgekommen ffei. Auch Anderen, besonders Altinger, war dies nicht just vorgekommen, wie er sich ausdrückte. Dies alle» zusammengenommen, reifte der Verdacht in ihm, daß SchabbeShanS der DiSb des Pokals sei und daß er in seiner Einfalt sich damit zu bereichern, glaubte und daher, die allgemeine Verwirrung benützend, und, alle G^nge und Schlösser im Hause kennend, in dem nächtlichen Wirrwarr sich des Bechers, ungesehen von Allen, bemächtigt habe. Je mehr er darüber nachdachte, desto

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