Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 46 (17.11.1869)
- Date
- 1869-11-17
- Page
- Seite 478 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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478 und aufopfernden ' Wirksamkeit abgeneigte Mit-! glieder des im Ganzen so hochwürdigen und bedeu- . tungSvollen RabbinerstandeS gibt, ba^ eine große , Zahl -fauler, achselträgerischer, selbstsüchtiger Gesellen > auch unter den Rabbinen Alles gehen läßt, wie eS eben geht; und wir müssen immer wieder unsere bekannte Ansicht aussprechen: wenn es an guten Lehrern! mangelt, so ist es die Aufgabe der Rabbinen, sich den! genügenden Einfluß zu. verschaffen, um als höher und! besser situirte Lehrer des Volks in den großen Ge-! meinden dahin zu wirken^ daß endlich etwas Genü- ' endes für die bessere Stellung und Ausbildung der 1 ehrer geschehe. DaS aber vermögen wir als Ueber-! zeugung zu behaupten': Der erhabene Beruf des Leh- 1 rerS wirkt auf die Besseren, auf die von Gott Berufenen, auf die gebornen Lehrer so versittlichend daß sie den I rechten Weg suchen und finden. Wir fühlen u..d wissen e« unk es.wird eine.Zeit kommen, w» man es anerkennen wird: die Lehrer bes Volkes sind es, die das Judenthum aus seiner,geaenwärkizen trostlosen Lage herauSbrinzen, die es retten werden. Hier angekommen,, wenden wir uns endlich zu dem Referate des Herrn Or. Herxheimer. Wir sind mit dem, waS oerselbe über die Wichtigkeit des Religionsunterrichtes sagt, jeldstverständig vollständig einverstanden, mit der. naturgemäßen Erweiterung die sich aus unserem Späteren ergeben wird. Wer sollte auch leugnen wollen, daß der Religionsunterricht wichtig, nothwendig, grundlegend für die gelammte Geistes¬ und Herzensbildung ist? grundlegend „für daS ganze religiöse und sittliche Leben im Allgemeinen, wie für die Erhaltung und Erkräftigung des- Zudentbums insbesondere"? Wir können nicht umhin, einige der so sehr beherzigenSwerthen und wahren Worte aus jenem Meferate über die Wichtigkeit des Religionsunterrichts hier wiederzüzeben: „Wenn unsere Alten sagen : „Man darf die Kin der nicht aus der Schule zurückhaltend selbst nicht, um das Heiligthum aufbauen zu helfen"*) wenn sie also den religiösen Jugendunterricht höher stellten als den beschleunigten Aufbau des Tempels, weil im Grunde der Zweck des Tempels verloren ginge, wenn die Jugend religiös unwissend und ungebildet aufwächst und rhre Vernachlässigung für ganze Generationen von den nachtheiligsten Folgen.sein würde: so gilt oas ebenso auch jetztnoch in Bezug auf den aufzubauenden Cultus. Denn was nützt in der Tbat alle Läuterung und Veredlung des Gottesdienstes, dieses Ausflusses des religiöse» Gefühls, wenn letzteres, die Quelle selbst, getrübt, versiegt wäre? Es ist vergeblich, Wässer in den Brunnen zu tragen; es iu zu spät, durch den äußern Lultus den innern, güttesfürchtigen und jüdischst pnr: <-kn'z;c npo*n [•Sinn (*r> (Sabb. 120). religiösen Sinn wach zu rufen, wenn Vieser nicht schon in dem jugendlichen Gemüthe geweckt und entwickelt worden, wenn der ganze innere M'nsch von Kindheit an dem lebendigen Gedanken deS Bundes mit Gott und deS Zusammenhanges mit dem Glauben der Väter und der Brüder fremd geblieben, unter der gewaltigen Macht des materiellen Lebens und der sonstigen, dem Glauben und dem Judenthum feindlich entgegenwirkenden Einflüsse demselben allmäblig sich gänzlich entrückt unk mit wahrer Antipathie sich dagegen erfüllt. Was hilft da das Gebet in der Landessprache, wo — daS Herz nicht beten kann? was vie-Abkürzung des Gottesdienstes und der Thora-Vorlesung, wenn den Leuten auch ein Minimum noch zu viel? WaS nützt selbst einbegeisterte Predigt, wenn ihr die Zuhörer fehlen? — Oder sollen di: cultuellen Verbesserungen belebend und besr.ichtend wirken auf jene ununterrichtete. im bloßen Gewohnheitswerk versteinerte sogenannte Orthodoxie? Run, den rührendsten Orgeltönen verstopft sie ihr Ohr, dem deutschen Lied und Gebet im hebräischen Gettcshause verschließt sie ihr Herz. Umsonst spricht die Predigt zu dem Felsen, daß er Wasser hergebe. Und eine Kanzelrede, welche , den Stabilen belehren will, daß die Erde nicht ewig still stehe und also auch das Judenthum auf ihr sich fortbewcze — gilt ihm als Verrath an dem väterlichen Glauben, als Religionslosigkeit. Wie konnte es aber dahin kommen, daß nach beiden Seiten hin die CultusVerbesserung keine Befriedigung, keine Einigung schafft im Schoße des Volkes, besten ureigene Glaubenseinheit es doch eben auf dem Boden der Gottesverehrung selbst, mehr als jede andere Religionsgemeinschaft einig und einheitlich Zusammenhalten mußte? — Wir wissen dafür keine zutreffendere Antwort, als das Wort jenes Rabbi im Talmud (das.): „Jerusalems Zerstörung hat keine andere Ursache, als daß man sich nicht gehörig um den Unterricht der Kinder bekümmerte." - Von der Schule also vor Allem, „von dem Zion muß auögeheu die Thora auf dem Fundamente religiöser Schulbildung kann und muß Innigkeit und Einigkeit im Gottesdienst und Juventbum auf- und ausgebaut werden — im Sinne jenes Prophetenwortes: (Jes. 54) '1,2h -ps?2 1 „wenn alle deine Kinder unterbietet sind in der Got-; teölehre, dann viel Heil und Frieden".! Diese hervorragende Ausgabe der Schule tritt um j so unabweislicher in den Vordergrund der lehramtlichen Wirksamkeit der Rabbiner unserer Zeit, wie in den Kreis der gemeindeamtlichen Fürsorge, je mehr das sonstige religiöse Wissen und Forschen aus Israel schwindet und Beten, fromme Hebung und da« ganze religiöse Element auch der häuslichen Erziehung von