Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 46 (17.11.1869)
- Date
- 1869-11-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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irr Jsrarlitisrhr Irln rr. Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen L e h r e r st a n d e S. Organ für den Bcrrin „Achawa. " 46. Den 17. November 1869. t). Jahrgang. Wöchentlich 1 Rümmer Vierteljährlicher Abonnnnentsrrcis 40 kr. — 111/2 £qt. Anzeigen zu I Lgr. die Prtilzeile Best klungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Unser Religionsunterricht, mir besonderer Berücksichtigung des von Herrn > ßr. Herxheinler, Landes - Rabbiner aus Bern- ' Burg, der ersten dcutsch-isracl. Synode rorgelcgren Referats. l Tie „Verbaudlungen der ersten israel. Svncde"! sind im Drucke erschien«n und werden dadurch, so j h c fsen wir, mehr als bisher,;u eingehenden DiScusfirnen, zu weiterem Fcrtsckreiteii, zur größeren Durckdringung der dort in Leipzig angeregten fragen Ver- 1 anlassung bieten, Es sind Lebensfragen des Jndenlhuins, > die dort in Angriff genommen wurden und iheilweise j zur Verhandlung kamen. Warum sollten wir nun , nicht diejenigen Gegenstände, die insbesondere den \ Kreis betühren, den wir bearbeite», einer besondere» Besprechung unterziehen? Wir glauben damit, einer j künftigen Synode vorzuarbciten und auch an und für > sich unserer Sache zu dienen. Uns liegt die Schule, der Religionsunterricht, insbesondere nahe. Sonderbar! Von den in Leipzig anwesenden, im Lehrawte ausschließlich thätigen Männern, hat sich kein einziger an den bezüglichen Debatten bctheiligt, und wurde auch zu den Kcnnnissionen kein Lehrer zugezogen. Wärum daS? Wir wollen ur.S darüber jetzt nicht aussprechen. Aber wir wollen uns für die Zukunst nicht einer äbnlichen Versäumniß schuldig machen. Wir wollen jetzt schon und immer j fleißig auf der Warte sein — micys« ’rncffo by —! um auf die Entwicklung dieser Frage den unS zukom- J menden Einfluß uns nach Möglichkeit zu wahren. , Von einem Freunde, der noch nach der Synodalversammlung in Leipzig mit einigen theologischen Mitgliedern derselben verkehrte, wurde uns mitgetheilt, cs habe ein solches die Aeußerung sich erlaubt: Die Lehrer sind die Handlanger der Rabbiner! Wir wiffen nicbt, ob sich der betreffende ,.Geistliche" auch deS Wörtchens „nur" bediente. Zn der Sache ] selbst hat das wohl keine Bedeutung; aber es kennj zeichnet bis zur Evidenz den Standpunkt einzelner Rabbinen aus einer Periode, deren Vertreter jetzt schon bejahrte Männer sind, für die wir wohl als Männer des Fortschritts, als consegneitte Vertreter der Resormrichtung im Zudenthum die größte Achtung haben, welchen wir aber mit der ganzen Kraft unsere» jüdischen Bewußtseins entgegenwirken müßten, wenn fie jür ihre Anschauungen auch in dieser Sache Boden gewinnen könnten im Zudenthum, wenn der lautere Geist des Zudenthums nicht schon selbst gegen derlei unlautere Pastorale Anmaßung den entschiedensten Pyolest erheben würde. Rein, es gibt im Judenthum keine Priester und keine Laien im christlich-kirchlichen Sinne, und darum sind wir Lehrer in unserem Berufe frei, selbstständig, nur dem Geiste des JudenthumS, Gott, unseren tpcnieindcn und unserem Gewissen verantwortlich — keiner kirchlichen Macht, keiner pfäffischen Autorität untertban. Wie, wir sollten Handlanger deS Rabbiners sein?! WaS ist ein Handlanger? Ein geistloses Werkzeug, nickt viel mehr oder weniger als eine todte Maschine, nur geeignet und vermögend, dem höheren geistigen Peiler nnterwürsig das Material zu reichen, auS welchem er, nach feiner Ueberzeugung, hier den Bau des neuen Zudenthums aufrichtet. Sind wir das, Eollegen? Wenn wir das sein sollten, dann laßt uns „das Handwerk" niederlegen, in dem dann kein Geist, an dem kein Segen wäre. Wir wissen wohlwas die Herren zu ihrer Bertheidigung antworten werden. Sie werden sagen: nur wenige — jedenfalls nickt viele und durchaus unter allen Umständen nicht alle in Amt und Funktion stehenden Lehrer find zu einem freien, selbstständigen Wirken auf dens erhabenen Gebiete des Religionsunterrichts befähigt. Wir geben das zu, müssen eö leider bejahen. Wir wollen auch nicht mit gleicher Münze zahlen; wir köinnten sonst wohl sagen, daß es in jedem Stande und aus allen Berufsgebieten unfähige und unwürdige Glieder gibt; daß es leider! eine große Zahl gleichgültiger, jeder höheren, anstrengenden