Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 39 (29.9.1869)
- Date
- 1869-09-29
- Page
- Seite 426 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Wasser gründen tief. Ein JahreSberickt oder Aehnliches ist uns bis jetzt noch nickt zu Gesiebt gekommen, wie eS naturgemäß zu erwarten wäre. Aber man hört, aus ziemlich glaubhafter Quelle, daß der Hungertypbus zeitweilig der Anstalt eine Visite höchst trauriger Art mache;" es sollen, wie Herr H. in D. mir versicherte, einige junge Leute der Krankheit zum Opfer gefallen sein. Auch sollen, wie in der päpstlichen Legion, Desertionen stattfinden. Einige haben Reißaus genommen. Uebt denn die strenge Orthodoxe, die dort gepflegt wird, .nicht m ehr Anziebungskraft auf die jugendlichen Herzen aus? sonderbar! . Erklärlich, ist es; die jungen Leute verspüren Appetit nach leiblicher Nabrung und auch wahrscheinlich nach geistiger! Herr College und Freund H. auo D. hielt am 8. Juli eine Eollecte rür die Marks -Heindorffscke Stiftung ab — nur bei den isr. Bewohner. Er erzielte eine erkleckliche Summe; denn'man zeigte allseitig rege!beilnahme für die Anstalt. Bei dieser Gelegcnbeit bemerkte Herr A. G. W.: Hier haben Sie 15 Sgr.; ich trage alljährlich 3Thlr. zu dem Düsseldorfer Seminar bei. Wenn die Anstalt in Münster ü I» Ikosenvulcl .arbeitet, dann werde ich auch hierzu mehr geben!" Scllre es nickt, gescl äyte College«, sich empfehlen, für die Noibleidenden im Düsseldorfer Seminar, eine Sammlung in unfern Gemeinden zu veranstalten? bock fassen wir Mutb! Herr R. in O. wird schon für die Seinen sorgen; denn sein Nakne prangt sc bäusig auf Gabenverzeichnissen, als da sind „Nothleidenre in Wesir ußland". „erblindete Lehre Woifsdorst"?c. Wir rufen ihm zu: -."nb ü-z Hirschberg in Schlesien» 15. September. Der Vorstand und dir Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde haben beute die Ausicrderung des jüdisch-theologischen Vereins in Breslau, die Petition um Einführung des obligatorischen (jüdischen» NeligionSunterrichts in den böhcren Schulen zu unterzeichnen, mit einem energischen Protest beantwortet, welcher, mit den Worten schließt: »Wir hosien, Ihr Versuch, die. Staatsgewalt anzurufen, um in unsere Religionsfreiheit, in die Selbstständigkeit der Gemeinden einzugreisen, wird dcr erste und zugleich der letzte sein". Aehnliche Ablehnungen sind noch aus vielen anderen Gemeinden eingetroffen. Wien. Der Reichskanzler Graf Beust hat vor seiner Abrei'e nach Reichrnhall dem Fürsten Karl I. noch einen längeren Besuch gemacht. Er legte ein gute« Wort für die von den rumänischen Ministern und Präiecten verfolgten Israeliten ein. Der Minister Cogalnitscheano hat vor Kurzem ein Edict erlaffen, -! worin nach russischer Manier die Jnternirung „sämmtlicher Vagabunden" in den sumpfigen Niederungen zwischen der Donau und dem schwarzen Meer angeordnet wird. Es ist außer allem Zweifel, daß unter diesen „Vagabunden" die Israeliten zu verstehen sind, welchen durchfrühere Edicte d e Ansä siamackung in den rumänischen Dörfern verboten wurde. Jetzt sollen sie in dem rumänischen Cayenne „colorrisirt", d. h. langsam auSgercttet werden. Vorgestern hat sich der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Wien zu dem Fürsten Karl 1. begeben, um eine menschlichere Behandlung der Glaubensgenossen zu erbitten. Wien, 11. Sept. Die „Politik" berichtet folgenden kaum glaublichen Fall von hirnverbranntem Fanatismus. Der deutsch-historische Verein von Böhmen hielt kürzlich in Trautenau seine zweite Wanderversammlung. Es war nach dem Festbankett, und wie die« immer der Fall zu fein pflegt, man blieb noch beim Weine; noch inlmer wurde toastirt, berufen oder unberufen, es sprach ein Jeder, der nur sprechen wollte. Nun liest eS sich ^>uck ein Jude au« dem nahegelegenen Städtchen Cipel einfallen, die Rednertribüne zu besteigeil. Kaum war dieses geschehen, als sofort ein Murren und Brummen dm Saal erfüllte und Stimmen sick vernebnien ließen mit den liebenswürdigen aufmuniernden Worten: „Herunter mit dem jüdischen Aas", oder: „Nieder mit denr Judmhund" u. bergt. Bestürzt stieg der junge Mann von der Nednerbühne herab, ohne auch nur ein, die Gesellschaft irgendwie beleidigendes Wort gesprochen zu haben, und nun fand ein Act der Robhcit und Brutalität statt, wie er nicht unter dem niedrigsten Pöbel, geschweige denn der „gebildeten, intelligenten, deutschen Bevölkerung" Trautenaus staltsinden sollte. Nachdem nämlich der erwähnte junge Man» die Tribüne verließ, sielen die meisten der Anwesenden über ibn her,, hieben mit Fäusten auf ihn ein, ja ein Beamter vergaß sich so weit, eine volle Weinflasche dem Unglücklichen an den Kopf zu schleudern, so daß das Blut herabströmte und ärztliche Hülfe in Anspruch gerufen werden mußte, um nur ein gänzliche« Verbluten zu verhindern. Und keiner, ja keiner dieser Herren, die sich in ihrem verblendeten Eigerdünkel intelligente Menschen zu nennen wogen,'-kem Mitglied der hochgelehrten Gesellschaft, die noch fast in pleno versammelt war, versuchte eS, diesim roben Treiben Einhalt zu thun. In NeweKork ccusirt ein Stück Mittelalter in der folgenden weitverbreiteten. Cchreckensgeschichte: Ein Schlächter sckickte sich eben an, ein>n Ochsen zu schlachten, der aber zum Erstaunen und Schrecken Aller ausrief, (der Ockö rief, wohl gemerkt:) „Schlachte mich schnell und koscher". Der Schlächter lief davon, und es gab eine große Verwirrung. Es wurde