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Der israelitische Lehrer · 1869-09-15 · 37 (15.9.1869) · p. Seite 408

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
37 (15.9.1869)
Date
1869-09-15
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
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— 408 schuß wird in seiner nächsten Sitzung aus diesen Gegenstand zurückkommeu, Für gleichlautenden Auszug. Der Vorsitzende: Ter '2dmmiitircr: Ad. Cremieux. Jf. Leveu. (Schlick folgt.) * W» chenbericht. Jnqelheim i- Sept. Nachdem in Preußen — wo, ist uns unbekannt — eine Petition für den obligatorischen Religionsunterricht jüdischer Kinder vorbereitet wird — wahrscheinlich für Scküler höherer Lehrcm- . stallen ' - sprachen sich mehrere Blätter: „ Zukunft" und „Frankfurter Journal" gegen dieses Vorgehen aus, das sie in Rücksicht auf das jetzige preußische Regiernnzsivstem mit den liberalen Tendenzen unserer Zeit, die oje,freie Kirche im freien Staat verlangen, unvereinbar betrachten^ In Folge dessen erschien nun ein weiterer Artikel in' diesem Belr.-ss im „Frankfurter Journal", den wir hier -wörtlich mitthcilen, weil wir demnächst und betulicher über diesen Gegenstand zu erklären boist-n. wenn nipt, wie wir erwarten, eine preußische, Stimme sich in dieser allerdings hoel)wichtigen Angebtgcnbeit, wo ras , dopvstr geboren ist, sich vernehmen lassen wird. Das Frankfurter Iou.uak schreibt: Mir Bezug auf unsere urulichen Bemerkungen über die Petition der -Israeliten wegen Einführung 'des cbligaloris.^'en .N.'iigieiisnnterricbts gebt uns voit.boch-! achtbarer Seite nachstehende Erk.ärung zu: ' „Die 'neueste dikummer Ihrer Zeitung bringt die Nackrichr, „daß' iue im ganzen p'anoe colporiirre Petition an den Cnttüsniinister um Einführung des obligatorischen Reliziclrsunterricl'is für israelitische Schüler au den höheren Lehranstalten peinliches Aufsehen erwecke", und t.h:-'t zugleich die abweichenden Unbcile der „Zukunst" undder „Kreiirzciumz" mit, die jedoch darin Übereinkommen, daß >ic gegen beu-Iichalr der Petition sind. Schon, dieser Umstand weist 'darauf hin, daß der Gegeüsta» d seine zwei Seiten hat, von denen aus er betrachtet werden ' muß, wenn ein gerechtes Urtheil. ge>allt werden soll. Zuvörderst bedarf eS ein?r genaueren Feststellung der Tbatsachc. Gilde Juni tagten'zwei verschiedene jüdische Versammlungen. Die eine (ist Breslau) setzte iick zusammen aus Lehrern und'Zöglingen des jüdisch theologischen Seminars zu Breslau, deUdn - sichnoch einige gleichgesinnte Rabbiner auschlcsieriz sie wollte einen gewissen conservativen Standpunkt einnehmen. Bon ihr ging der Beschluß zu einer, an den Cultusministed (eventuell an die Kammern)- zu lichtenden Petitjon aus um Einführung eines obligatorischen jüdische» Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten. Die Fassung j dieses Verlangens wie seme „am conservative Bej gründung" rechtfertigt das Urtheil der „Zukunst". —! Eine zweite Versammlung jedoch tagte in Leipzig, welche die fortschreitende Richtung vertrat. Sie „be- ' grüßte die Strömung unserer - Zeit, welche nach der allgemeinen Herstellung confessicnslcser Schulen sstebt, mit Freuden", verlangte aber dennoch unter den Verhältnissen, wie sie noch gegenwärtig obwalten, „daß in den höheren Lehranstalten, welche gemeinsam für alle Eonfessionen sind, auch das Iudenthum seine Gleichberechtigung erhalte". Sie verlangt demnach blcs, daß das Iudenthum nickt immerfort ignorirt werde, während die anderen Eonsessionen ihre ofstcielle - Vertretung finden. Und dieses Verlangen dürfte, gerade weil es der „Krcnzzeitung" widerwärtig ist, vollkommen berechtigt fein und auch den Anspruch erheben, von dem „Liberalismus" nicht kurzer Hand abgewiesen zu werten." So die Erklärung unseres geschätzte» Iranksuater Milbürgcro, .reiche ihrem wesentlichen -Inhalte"nach mit einer „Berichtigung" übereinstimmt, die vr. Graetz aus Breslau iu der heutigen Rümmer der „Zukunft" erläßt. Wir bedauern, beiden Schriftstücken den Eharakler einer .Berichtigung" nickt zugesteben zu können, wie andrfcie „ Zukunft" dies heule richtig hervorhebt. 'Wir Baten in unseren ncultchen Bemerkungen.Front gemacht gegen den Begriff der confcssioncllen Schule überhaupt und die. obige Erklärung kann unser Urtheil über die Petition nickt erschüttern. Wenn die Leipziger Beisammlung Ibre „ fortjchrittliche" Richstmz durch lheorcrische Anerkennmig des Princips der consesjionsloscn (sagen wir lieber rcligionolojen > Schule docunwulireu will, so seist sie du:ch den praktische» Schrir: dieser Petition sich in direkten Wiveripruch mit ihrem Principe. Die religionslose Schule wollen, heißt tabin wirken, daß der Religionsunterricht, wo er besteht, abgeschasst, und wo er nicht besteht, nicht eingeführt werte. Unsere israelitischen.Mitbürger sind in der beneidenswerthen Lage, nch in dieser Hinsicht im Genüsse einer Reform zu befinden, welche wir erst - vorläufig erfolglos — erstreben. Was die ganze Frage mit der Gleichberechtigung zu rhun hat, ist uns nicht e-.sindlich. Die Gleichberechtigungkann koch nur als maßgebender Factor diene», wo es si b um freiheitliche Fragen handelt; die Gleichberechligung auf dom Boden des Bornrtheils wollen, ist doch gewiß nicht „fortschrittlich". Wer — um ein Beispiel auf, anderem Gebiete zu wählen — die Gewerbefreiheit im Princip will, darf sie in der Praxis, wo sie besteht, nicht deshalb aufhebcn wollen, weil in diesem over jenem Zweige noch eine Beschränkung derselben eristirt. Was die „ofstcielle Vertretung" anlangt, io ist uns daö völlig unverständlich. Wir meinen, das Judenthum hätte alle Ursache, zufrieden zu sein, wenn es >

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