Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 32 (11.8.1869)
- Date
- 1869-08-11
- Page
- Seite 371 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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371 Dich heute mit Deinem Kameraden Mosche zu unserem christlichen Zeitvertreib in Gesellschaft baumeln lasten?" Gin wieherndes Gelichter folgte der Rede des Betrunkenen. ,Mag für ri che Menschen Zeitvertreib sein, Andere baumeln zu lassen — ich lin als Zeuge geladen in dieser traurigen Geschichte — darum laßt mich in I neben ", ^Ha, haha! Lüge! Ein Jude Zeuge in einer Sache gegen einen Juden, dal ist Larifari cnntr» «iietioa«. Damachst Du einem Rechtskundigen, wie ich bin, nicht weiß-," sagte ein Anderer, uMer der Benennung Prozeßhannes bekannt, der van seinen sehr reichen Eltern zum Studiren bestimmt, nachdem er einige Jahre wirklich auf der hohen Schule zugebracht, wegen schlechter Streich« mit Schimpf und Schande von der Universität gejagt wuro c und nun das reiche Erbgut bald durch Sauferei und Prozesse ve geudet hatte; aber doch gern frembk ingenbe Ausdrücke wählt«, auch wenn sie noch io unsinnig waren. .Ein Jude sollte heute gar nicht in den Gerichtssaal, wo so viele chrliche Ehristens« elen, die genre zuhören möchten, außen bleiben müssen. Ein Ilde sollte überhaupt'nie vor Gericht stehen dürfen." ^Und dies Aorrecht Euch allein überlassen, der Ihr ja mit dem Prozeßführen uni« dem GerichtSsaäl so vertraut seid," sagte einer der anderen Zuh irer lachmd zum Prozeßhannes. ES hätte zu Streit geführt, wenn nicht Mosche eben zwischen zwei Gensd'armei i vorbei und zur Gerichtsstätte gebracht worden wäre, so daß!ald die ganze Gesellschaft folgte, und die Geschwonien, a!S st ■ sich versammelten, den Saal bereit» übe-füllt fanden. lFortsetzung folgt.) Htilferuf des Comite in Memel für die Hungernden w West-Russluinl. Wahrheit, kein Gedicht, von lexaiultu' Klsä«st;r. n Rußlands Westesgreuze. ln weiten Ezarcnreick. a sldwingt der Tod die Teufe, rastirr die Hungerscuck' j^ie gier'ge Wölfe falle» uf Sckafe u »bewehrt, chläqt Hungertod die drallen anne Menschcnbccrd'. >. 'io liegt auf Sterbeklssen n Schaulcu die Urabn, ersagt sich jeden Bisten. Weist ihn den Enkeln an. Soust reich, in beffern Zeiten^ Macht Armutb sie verschämt, Denn Hunger nickt mid Leiden Hat ibrm Mutb gelähmt. Weist ab die milde Gabe, Sie berge einen Sckatz, Den sic verwahret habe An einem sickern Platz, i Der Tod macht frei von Sorgen, Sie stirbt den Hungertod. Der Schatz, den sie verborgen. Er war ein — schimmlig Bro§. II. Purwina beißt der Flecke» Bei Sckaulen einer Stadt. Wo Kinder flehend recken Die Hände, dungeröinatt: Rack» Brod sie kläglich schreien Tie Mutter tödtlich krank. Wer will dem Huiiger leihen'? — Der Tod gibt schleckten Dank. Ein Knäblein bringt das Messer Der Kranken Irin vors Bett: „Ack, Mutter, mir wär'S bester. Wenn -ich ein Krümchen bätt'!" —, „Mein Kind, vom Hungerschmerze Relnn' ick die schwere Roth."" Treibt sich den Stahl in'ß -Herze — Das Mutterherz war todl. NI. Zu Tesche» irrt von Sinne» Ein Weib von Tlnir zu Thür, Will Mitleid sich gewinnen: „Reicht eine (Rabe mir!" ., „Helf Gott!"" das war die Gabe. „„Helf Gott!"" das war die Sveizd'. Der Hunger raubt die Habe, Macht kurzes Testament. ' „Jbr glaubt uicht »iciue» Klagen." Rust sie im wilden Wabu: „Acht Tage nichts im Magen. Sebt meine Wangen an!" Sie greift nach einer Scheere, Scklitzt auf de» welken Leib. Beweist, daß keine Mabre Zum Bettelstab sie treib': Au Deutschlands Ostesgrcnze. Im weiten Ezarenreich, Da schwingt.der Tod die Senfe, Graffirt die Hungerseuch'. Mackt aus die uiilden Hände. Denn wahr ist mein Gedickt, Bersagt die Liebesspendc Dem ferneu Bruder nicht. . l