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Der israelitische Lehrer · 1869-06-23 · 25 (23.6.1869) · p. Seite 316

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
25 (23.6.1869)
Date
1869-06-23
Page
Seite 316 (sequence 8)
Language
German
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316 * Ce. Excellenz .der Herr Minister mich ermächtigt, in seinem Erle.s'e' rem 3. l. M. Z. 8 3U5 in diesem Sinne Sie und Ihre Kellegen hiervon zu Ihrer Beruhignn.z zu benachrichiigen unk die weitern Anordnuugen abzuw.rNew. «''roßwardein, am b>. April 1869." Ich. Heinr. .>tuu:mer, m. p. k. Rach und Srudienoberdlrekicr. Feuilleton. Der T eh m u g g l e r. Erzählung neu. JUingcn'tar.. . tYortüt-iing.) 3d> in.tK l'iiv, derer iw in meiner eigenen Lebensgesckickle foeifabre auf eine Tbalfacke aus kein Jugendleben Goldes zurückkomknen, obwotu kie'e eigentlich zwilchen uns selbst nie berühr! wurde. Sie ist so traurig diese Tbalsacke — und dock tictrt sie für mein eigenes späteres Schicksal einiges-i.'ickt. Ick muß weil auSbolen. Uniere lüdisttw' «Hemeinde war eine kleine, unbedeutende. LflinatS banen wir taber leine Lehrer. Zuweilen kamen arme wandernde Pole»,' die aus. einige Zeit „gedingt' wurden. um nart, kurzem Aufenthalt ihren Stock wieder zu ergreifen; wenn sie nämtick die Wanderlust nickt niebr bezwingen kcniilen. kam auck einmal ein junger Pole in's Torf, mil egiem kleinen st naben an der Hand- Er . soll ein überaus fiominer Mann gewe'chi sein, der Rabbi Pinckas, ein tüchtiger; Talinudgelehner und — dem Ehassidisi'uus zngerban- Man erzäblre sich Wunderdinge von ihm — ick selbst l-abe.keuie gesehen; jer soll aber sicher mit den Ständern -in des Synagoge Ti cussionen geführt, Feuer durch feine Be'pR'chung gelöscht, Wunden geheilr^und Blut augenblicklich g'eststil haben. Freilich, für den Unterricht laugie er btnnxenig, und aus meiner Scknlzeit sind mir von ihm nur die/ Schimpfnamen und Scheltworte im ldedäcktniß geblieben./Tesioniehr wurde er, seiner angepriesen^» Fröliiigken willen, von den Olemcindegliedern — insbesondere auch oon den Frauen -und Mäbcken rerebrt. Golde's Muirer war ein armes Matchen, sie stand allem und verlassen: ibreEliern waren längst iodl undsie'oll ein hübsches, braves luid stilles Mädchen gewesen sein. Sie war Magd bei dem Porsteber der Gemeinde. Was Wunder, daß sie den Heiralbsamrag des geselerlen „Gelehrten' als Glück betrachtete.; sie baile.eineu frommen Mann und — einen Beschützer und Ernährer. 'Eine batte sie nickt genug beacklet, den st naben Bär — Bernhard. — Ter war aus der Wankersckajt seines Baters groß geworden, ein rober, unbändiger stnabeV seine Mutter — so sagte Reb Pinchas — sei bei seiner Geburt gestorben.' Nicht lange noch war die neue Ebe geschloffen, als Berrihard die ganze Haushaltung lyrannisirle. Ter fromme- Rabbi PinckaS kümmerte sich weder um seinen Sobn, nock um sein Hauswesen. Er „lernte." Sonderbar, eine gewiffe Sckeu hielt Golte's Mutter zurück, den in feinen Studien'vertieften Wunderrabbi aus die schleckten Streiche seines Sobnes aufmerksam zu machen. Als Golde geboren wurde, da faßte der wilde stunde eine solche Abneigung gegen fein Sckwesterchen, daß es MAbe kostete, ibn von Gewalt gegen das unschuldige stinv zurück-giballen, i Ten Pater kümuwrte weder der stnade — noch das Mädchen. 1 Nickt einmal für die Erziehung und Bildung des roben Bär, wie er ihn nannte/ wie sich der stnade aber von Niemand anders nenmn ließ, sorgte er; der blieb ganz sich selbst überlasse« und trieb sich mit Pagern und Holzhacken: im Walde herum. Ick kann mich noch des Aufsehens erinnern, da« es verursachte, als der"Juuge eines Sabbats mit zur Treibjagd ging und gerade zur Zeit. als die Leute: des Srtes zum Miuckagebel *' in die Synagoge wollte», sreck und.stolz mir einer Trackl Hasen vom Walde bcrei'nkai». Ter Pater kam dazu — er wurde blaß, aber er sprach kein Wo«. Was da und weiter' im Hause des Rabbi zwischen ibin und GolLe's Mutter vorging, weiß Niemand zu sagen. Aber gewiß ist, daß Bär wohl vom ankern Tage an das „Ebeder" ** zum Schrecken aller anderen .stinter besuckle, aber wenig dabei lernte. Nur zu losen und nichtsnutzigen Streichen aller Art war er stets bereit/ staum, daß er mühselig zum Barmizwa *** ' vorbereitet würde. Im Haufe des Rabbi herrschte Entzweiung. Für die kleine Golde und ihre Mutter war, Bernhard eine wahrer Plagegeist; der Barer stayd stets aus Seiw des stnaden, wenn er überhauvl sich irgendwie in seinen «^rübeleun i störe» ließ. Tabei herrschte bittere Armulb im Haufe. Tie Alien sagen: eine brave Frau muß eine große Schüi'zc haben, um viel zudecken zu können, was im'Hanfs, vorgebl. > So niu Goldeis Mutier ein Biedenveib im edelsten Sinne des Wortes. Nie bat Jemand eine, st läge gegen ihren Mann und ibr Stiefkind vernommen. Sie arbeitete — und die gegen die Ledrer der' alten Zeit freigebige Gemeinde ließ die Notli nicht zu sehr nackt erscheinen. Inder <Gemeinde gast Reb Pinchas trotz der schleckten Erzlebung seines.stnaden, trotz gleichgültiger Behandlung feiner Frau und seines umchuldigen stindeö, trotz Mißhandlung der Scbulkinderl/nÄi schleckten Unterrtchls ob seiner großen Geledrsamwu/Äumer noch als der fromme Rabbi. Nur eines mißM»nd schwächte die Achtung. Bon Hellen Wunder kräfien baue man lange nichts vernommen, destomehr von einem flüsteren 'Leiste,.Lein sich der Rabbi mehr und mehr lsingab — dem Branntwein; und gräßlichste Herabwürdigung der Ellernpstichl! Bernhard bette den Branntwein — und trank selbst um. Er war noch nickt 15 Fahre alb!" 'Fortsetzung folgt.) *) Nachmittagsgottesdirnst. **) Lehrzimmer. ***) Konfirmation der «naben «ki ersren Sabbat nach zuruckgelegtcm 13. Jahre. Verantwortliche Redaction und Verlag von Joseph «Ungenstein, Für den Buchhandel in Lori Mission bei Cs!« Seiner in Lciszig. -f— whrer zu Qlernheim in Rheinhesien. Gottsleden's Buchdnickne, >n Mainz, r 1

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