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Der israelitische Lehrer · 1869-04-07 · 14 (7.4.1869) · p. Seite 224

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
14 (7.4.1869)
Date
1869-04-07
Page
Seite 224 (sequence 16)
Language
German
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224 1 mänien >mter dem jetzt glücklich beseitigten Ministerium Bratiano der Welt ein schmerzliches Schauspiel gegeben: Europa gerieth in Bewegung und die-Judenfrage wird , im Interesse der Bildung und Humanität entschieden werden. : Versen Sie einen Blick jenseits der Pyrenäen. Dort herrschte,. vor drei Monaten noch, der volle Haß der Glaubenswntb; Spanien, das Land der Inquisition, der Justizmorde und der Scheiterhaufen, gebeugt unter ei»em schändlichen Joche, schien nur noch ein Schatten, war nur noch das Gespenst jenes Großstaates, .woeinst Künste, Wissenschaften, große Entdeckungen sich so. prachtvoll entwickelten. In den Tagen des Wahnsinns hatte der dem Wege der Civilisatron entfremdete Katholizismus Juden und Musel- > männer mit Tod und Verbannung verfolgt; keine j andere Religion ward zugclassen, die Uebung oder! Bekennung siner andern Confessio» mit den strengsten Strafen geahndet.^ Da bricht die Revolution aus, wie rübrig gedankenvoll und — Glaubensfreiheit ist der erste Ruf der sich erkennenden Bevölkerung! Leider! ist' seitdem spanisches Blut geflossen, von -spanischen 'Händen vergossen, oas bejammernswertbeste aller Schauspiele, der Bürgerkrieg, hat-einige freiheitsliebende Städte besteckt. Mochte die bevorstehende. Bereinigung der Corlvs den innern Frieden sichern, indem sie der neuen Gesellschaft, die sie begründen werden, den vollen, ungeschmälerten Genuß aller Freiheiten zur. Grundlage geben! (Beifall). Ja, die Religionsfreiheit wirb überall verkündet, ist überall siegreich, und inmitten dieser so viel verheißenden Bewegung ist uns der Gedanke gekommen, im heiligen Lande eine Ackerbauschule für die Kinder der Israeliten zu errichten. Hört Ihr, Ihr Juden des Abendlands? In diesem Lande, dem wir entstanden, in.-dem^einst gesegneten Lande, das noch jetzt von einer Anzahl der Nachkömmlinge Jakobs bewohnt wird-, auf diesen, Punkte, wohin so oft unsere Blicke und unsere Erinnerungen sich wenden, dort wollen wir eine Schule für Acker- und Gartenbau gründen. Wie beweinten ne einst Jerusalem, unsre Borfahreck, perbannt an.die Ströme, welche Babylon bespülen! ", Mit welcher Freude, welchem Entzücken sahen sie zu jeder Zeit die von der Gottheit so geliebten Fluren ' wieder! Noch heut zu Tage sieht man dort die Juden jeden Freitag an den Trümmern des Tempels beten unv sie mit'ihren Tbränen benetzen. Wohl denn, auf dem . Boden von Jaffa, dort wo der Boden zwar .harte Arbeit fordert, aber fruchtbar an Erzeugnissen ist und dem,, der sie mit Sorgfalt bebaut, reichliche Ernten verspricht, dort, im gelobten Lande, 'wird unsere Anstalt sich erheben, und unsre heutigen Juden ’ werden den Eifer wiedersinden, mit dem ihre Ahnen den Ackerbau einst betrieben. Das jüdische Volk, ein Ackerbau treibendes und Hirtenvolk, sah in Gott selbst den Freund und Schutzherrn von Grund und Boden. »Ich gebe ihn Dir, hatte der Ewige gesagt, aber ich behalte. daS. Obereigenthum davon." Und wirklich konnte Niemand eine Liegen'chaft auf immer veräußern.' Am fünfzigsten, im Jubeljahre, kam Grund und Boden wieder in den Besitz dessen, der ihn verkauft hatte. Das Land war schön und fruchtbar, sowohl der Berg, auf welchem die Rebe terassenförmig anslieg, als auch der Ebfne reiche Fluren, Quellen, woraus Milch und Honig flössen. Und noch ist er schön und ftuchtbar, der Boden Jaffas und gibt zehnfach zurück, was er empfängt. UeberdieS werden beut zn Tage alle seine Produkte leichten Absatz nach Egypten finden. Diese Entfernung, welche einst Jakobs Enkel mit Moses durch die Wüste in 40 Jahren durchwanderten, wird jetzt in wenigen Stunden znrückgelegt. Der Dampfer, welcher im Hafen zu Jaffa die am Morgen verschiffte Ernte aufnimmt, liefert sie am Abend' selbigen Tages zu Suez, in JsmaUa ab. Acht Stundew Wegs trennen Egypten von Palästina. Mit welcher Freude werden unsere Zöglinge arbeiten, wie wird die Liebe zum Ackerbau sich verbreiten! Noch einige Jahre und die jüdische Bevölkerung wird nach dem hcilgen Lande strömen. Die Entfernung ijt kurz zwischen Jaffa und Jerusalem. Ja, das neue Jerusalem wird erscheinen! .Wohl wird eö Anfangs nur einkleines Heiligkhum sein, aber man wird Freitags nicht mehr weinen und seufzen an dem Steine, der von Solomons Bau geblieben, Gebet und Hoffnung werden sich zum Himmel erheben l.Leisall). Später wird, wie im alten Zion, ein Tempel, des Allerhöchsten wsirdig, unsre Nachkömmlinge zu den heiligen Festen anlocken; ja, sie werden jenen schönen Tag wieder ersehen, an deu ter große Dichter uns erinnert: Sobald die heilige Posaune dieses Tages Rückkehr kündigte, Da drängten sich de» heit'gen Volkes unermeßliche Schaaren > Hm zu des HeiliglhuiUS bekränzte Hallen; Und Alle zum Altäre, wohlgeordnet hrngekührt. In ihren Händen der Fluren reife Früchte tragend, Brachten die Erstlinge dem Herren des Weltalls dar. (Ein unermeßlicher Beifall unterbricht hier Hrn. Crsmieur. Nachdem die Ruhe sich wiederhergestellt, fährt er fort:) Huldigung und Dank unsrem College», Herrn Netter, der diesen schönen Plan entworfen und sich seiner Vollfübrung mit so edlem Eifer hingibt. Möge er hiermit unsre brüderlichen Glückwünsche empsallgen. (Beifall.) lFortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction und Verlag von Joseph Kling enstein, Lehrer zu Odernheim in Rheinhcssen. Für den Buchhandel in Commission bei Oskar Ldiner in Leipzig. — I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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