Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 14 (7.4.1869)
- Date
- 1869-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Her Israelitische Kehrer Wochenschrift für die allgemeinem-Anaelcgcnl.citcn des Judenthums u n d i n s b e s o n d e r e des israelitischen L e l r e r st a n d e S. % Organ für den Verein „Achawa. " Jfä U. Den 7. April 186!). '!). Jahrgang. Wöchentlich I Riimmer Dierteljährlichcr Abonmmcntsvreis 40 kr. t l>/, S»r. Anzeigen zn r Sgr. die Petirzeile. Bestellungen nehmen alle Poftiimter unv Bml)hanvlungen an. " Empfindsame Briefe .aus Neupreufien <«Hannover.> Von M. Reinverg. Lehrer zu tzoya. l. . Wie die Lehreroerhällnisse bei uns liegen? £5 und wie sie sich in Folge der Neugestaltung verändert Haben? Wie Ivir uns dazu verhalten? Ja, das sind Fragen, so naheliegend und inhaltsckwer, das; wir uns über dessen Beantwortung nun nachgerade klar sein und nicht mehr genöthigt sein sollten, die sich runzelnde Stirn deßhalb in Falten zu ziehen. Daß im Allgemeinen die Verhältnisse in. der p r e u s; i sch e n' P r o v i n z Hannover sich anders ge j stallet haben und gestalten, als.im selb st st ä n d i g e n Königreiche, liegt im DrganismuS deS" neuen Staatskörpers, in der Natur der Sache überhaupt. Große Maschinen regieren sich anders, als kleine und erfordern eine andere Handhabung, selbst wenn die hergebrachten Ueberlieferungen und Vorgefundenen Institutionen zunächst nock die alten bleiben. Der.anno 1866 gegen uns geführte große Ruck hat eben den ganzen D)rganismus des hannoverschen Staates in ■ seinen Grundfesten erschüttert, wenn nicht gar ganz aus seinen Fugen gerissen und theils bewegt sich dieses > nur noch schwankend und leisetönend fort sich! immer mehr und mehr der alten Ruhe und Gemächlichkeit wieder näoernd -- theils sucht man immer , noch vergebens nach dem verlorenen Gleichgewicht und! wirft sich polternd und lärmend im neuen unbeauemcn 1 Rette umher. Dem eiitsprechend sind die Physiognomien. Hier Menschen und Parteien mit-seligen, veri klärten, hoffenden Mienen und dem noch immer zu- I versichtlichen Glaube», daß nochmal Alles wieder hergestellt werde, die alten Maschinenführer wieder ans j Ruder treten und die alten Melodien wieder ertönen werden; dort solche, die mit dem Welfenthum gar ihr Fünkchen Verstand ganz verloren und die nach Straußen- 'art ihr.Köpfchen nicht eher wieder aus dem Wüstensande Herverstecken, als bjs ein Puff, ein Ruck, ein Pfeil von außen sie daran erinnert, daß man in dieschem irdischen IammertHale eine Unannehmlichkeit nickt" dadurch überwindet, daß man fliehend oder träumend die Augen vor ihr verschließt, sondern indem man sie wachend zu übenvinden sucht! Und es sieht gar lustig aus, dieses Gebahren der Parteien, wie der Eine sich an ein Etwas klammert, das längst abgcthan ist auf NimmerwicderkeHr, und ein Anderer, dem Chamäleon gleich, von ^Zeit zu Zeit die Farbe wechselt und d^r dritte plötzlich unwirrsck aus seinem Schlafe aussährt und jetzt gezwungen thut, was er früher freiwillig sich weigerte. — Aber kein praktischer, nichc durch kleine und alte Basen beeinflußter Mensch wird Straußeupolitik trechen; er stellt sich auf dem Boden des Thatsächliche.i, sucht sich zu oricntiren, rechnet mit deni Gegebenen und - läßt die Todten ruhen! . Wir traten bisher, nachdem wir drei Fahre im Inlande (Königreich Hannöver) an einer öffentlichen Schule gewirkt, stillschweigend aus dein Provisorium heraus und eChielten landdrosteilich did definitive Anstellung. Das ist auch, jetzt noch so und, wird voraussichtlich äußerlich .feilte Arnderung erfahren. Aber wie lange wird es "ins noch nützen? In dem Maße wie früher schon jetzt nicht mehr. Durch Freizügigkeit und Gewerbefreiheit wird das Verkehrs- und Gemeindeleben kleiner Ofte eine, ins Mart schr eidende Umgestaltung 'erfahren, je nach ihrer Lagc sie be- oder entvölkern. Leute mit UnternehmungSgffst, die schon lange über ihren kleinen engbegreN^ten Wirkungskreis hinauSdachten und strebten, Capitalistcn, Handels- und Gewerbetreibende, Industrielle aller Br nicken, mögen sie sich nun Fabrikanten, Handwerker?der Kaufleute nennen, verlassen jetzt zu Paaren und D atzenden ihren alten Wohnsitz und. begeben sich an Onte, die durch Lage und Größe ihren geschäftlichen Umernehmungen und Getrieben mehr Chancen bieten, die durch Eisenbahn¬ oder Wasserstraßen mit der großen Welt in Verbin- \ r