Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 10 (10.3.1869)
- Date
- 1869-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthunis und insbesondere des israelitischen L e h r e r st a n ö e s. Lrgan für den Verein „Achawa.' JI2 10. Den 1« März 1869. 9. Jahrgang. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher AbonneiyentsvreiS. 40 lr. — 11 Va Sqr. An,eigen zu 1 Sgr. die Pctitzeile. Beftillungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. l Zeichen der Zeit. I. Die Ernennung des Herrn Dr. Cncutiaus Breslau, Verfasser des Artikels „Ueber Leitung eines jüdischen Neligionslehrer-Seminars" in dieser Zeitschrift, zum Seniinardirektor an der Marks Haindorsf'schen Stiftung in Münster und die Entlassung der dort seither sungirenden Seniinarlchrcr hat unö eine grosse Masse von Eorresponde^zen zugesührt, so zwar, das; wir nicht im Stande siich, sic sämmtlich zu vcrössentlichen. Alle zeugen vost der tiefen Bewegung, welche diese Thatsachen in westphälischen Lehrerkrrisen Heroen einer zewissen stürmischen Unbebag- Spannung der Geinütber bei unseren vorgerufen, lickkeit und Collegen aus jener Provinz. Wir wollen dieser Aufreguirg den gebührenden Ausdruck geben. Wenn wir diese Aoikommnisse hier vom allgemeine», pädagogiscken Standpunkte aus zur Sprache bringe», so wird man Idies wobl nirgends auffallend finden. Es find dies Angelegenheiten von tiefer, allgemeiner und weittragfnder Bedeutung nicht allein für Wcstphalen und Üicheinprcvinz, sondern für die ganze jüdisch-deutsche ^Wclt, insbesondere für die Lehrerwelt. Die Thatsacken an und für sich .verschwinden vor dem Priiicipe oder der Principlosigkeit, die darin liegt; sie sistd ein trauriges Zeichen' der Zeit. Zm Namen des gesamintcn deutschisraelitischen Lehrer st andes p r o t e st i r e n wir feierlichst gegen di.e C o n s e q u e n z e n, die man aus diesen Thatsachen ziehen könnte; wir werden diesen Protest motiviren. Wenn wir diese Frage vom allgemeinen Standpunkte aus unserer Betrachtung unterziehen, so reden wir unparteiisch — Keinem zu lieb und Keinem zu leid! Wir können es freilich nicht vermeiden, Persönlichkeiten zu nennen und ihre Handlungsweise und Einsicht zu kritisiren. , Aber wir wollen uns sannt ' weder freunde noch Feinde machen. Wir dienen der .Sacke, dem allgemeinen Interesse des IudenrhumS, des jüdischen Lehrerstandes und der Sckule. Es kann Jemand ein vorzüglicher Gelehrter und ein braver, verehrungswürdiger Mann sein, zwei Morenus, ein Doctordiplom und noch mehr bäben —und taugt doch nicht zum V cl.kslehrer, zum Elementarlehrer — und noch weit weniger also zum Seminardirektor. Weiter. Folgerungen ergeben sich von selbst. Wir schreiten zur Sachet Welchen Beruf, weiche Aufgabe hat ein jüdisches Lehrerseminar? Brauchten wir als Lehrer blos Kenner talinuhiscker Schriften, des Schulchan Arnch, der Misch u'fi; des Raschbam, Naschi und Namdam u. s. f. - -! wir ehren dieses Wissen und wollen es von den Nabbinen eifrigst gepflegt r.. gefördert' wissen —, so wäre ein Lehrerseminar ein unnöthiger LuruS. Wir würden unsere armen Jünglinge nach den IeschibaS ■ in Prestbnrg, Eifenstadt, Steinamanger, S. A. Ujhely und — Mainz senden und die verdorbenen, zum Rabbincrberuse untüchtig gewordenen Backurim kämen < als unglückliche Menschen, gut genug zu ReligionSlehrern. zurück. Sie würden durchaus tüchtige Subjekte für eine Stellung, wie man ns im Auge haben must, wenn eine, durch ein besonderes Ehrenamt taktisch an der Spitze des Schulwesen« einer grosten und intelligenten Provinz stehende Behörde den in der Lehrerbildungsanstalt, also in einer höheren Stellung wirkenden Lehrern die Thüre weist, die verdienten Männer, die ihre besten Jahre dieser Anstalt gewiomet haben,' aus dem Tempel binausjagt- Aber, wir, Männer der Jetztzeit, Lehrer der Gegenwart, haben eine andere Anschauung von unserem heiligen und erhabenen Berus; wir wollen nicht die Parias der Gesellschaft sein und bleiben au Geist und Stellung. Wir wisien, was wir wollen, was wir fordern müssen zum Heile deö Ganzen, als unser unveräusterliches. Neckt.