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Der israelitische Lehrer · 1869-02-17 · 7 (17.2.1869) · p. Seite 55

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
9 (1869)
Issue
7 (17.2.1869)
Date
1869-02-17
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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erbarmte sich des Kinde«, pflegte e« und hat eS nunmehr zur weiteren Erziehung seinen Glaubensgenossen übergeben wollen. -Der Rabbiner übernahm natürlich da« Kind und hat die menschenfreundliche That der, nicht von religiösem Fanatismus geleiteten, braven Leute gelohnt. (Hamagid.) Paris» 15. Januar. In Folge eines Briefe« d«4 LeralcomitAs der Alliance isra&ute universelle in Tunis an die Vertreter der Mächte haben sich diese wegen deS Mordes eine« Juden — der 17. in einer Reihe von Mordthaten, die in diesem Jahre dort an Israeliten geschehen uizd ungestraft geblieben — an den Bey von Tunis gewendet und um Genngchuung wie Bestrafung der Mörder gebeten. (Näheres in unserm nächsten Blatte.) Paris. Die spanische Regierung hat die Erbauung einer Synagoge in Madrid genehmigt, die demnächst in Angriff genommen wird" London. ,29. Jan. Hr. Hartog, ein Israelit, soll von der Universität Cambridge unter Anwendung einer bisher nicht gebräuchlichen, daS christliche Bekenntniß nicht voraussetzenden, Formel den Titel eine» baccalaureua artium erhalten. Dieser Eall ist insofern von großer Wichtigkeit, als Herr artog die erste Censur in der Mathematik erhalten hat (die officielle Bezeichnung des Glücklichen, dem diese Censur zu Theil wird, ist Senior Wrangler), und nach seiner Ernennung zumstraooalaursus artium der erste Israelit wäre, welcher das mit dieser ersten Censur verbundene hohe Stipendium erhielte. T y « o d e. I. Im Interesse der heiligen und gemeinsamen Sache veröffentlichen wir auch in unserem Blatte nachfolgende Einladung, um sie auch unsererseits in solche Kreise bringen zu helfen, wohin sie vielleicht direkt nicht gelangt ist. Weitere Besprechungen dieser Angelegenheit bleiben Vorbehalten. Redaktion. Wohllöblichrr Vorstand! Mit dem Ende das vorigen Jahrhunderts traten bie europäischen Juden in das allgemeine Culturleien | 2 ein, indem allmälig alle Schranken des gewerblichen [ Lebens, des geselligen Verkehrs, der allgemeinen und wissenschaftlichen Bildung und endlich des öffentlichen Dienstes niedersanken. Unter der Einwirkung dieser völlig umgestaltete» Verhältnisse erwachte auch in unserer Mitte ein neues frisches Leben auf dem Gebiete der Religion, in deffen Folg« in dem Bereiche des I. Glauben« verschiedene Anschauungen und im wirkli- * chen Leben vielfache Conflikte entstanden. Bei aller 8 unerschütterlichen Glaubenstreue der Juden, welche heute, wie in der ganzen Vergangenheit, alle Opfer im Thun und Dulden zu bringen bereit ist, entstand in den Individuen wie in den Gemeinden eine wachsende Zerfahrenheit, ein« fast uyabsebbare Mannigfaltigkeit. Die Individuen legten sich dir religiöse Praxis, ein Jeder nach seiner Weise zurecht, und diesem Beispiele folgten die Gemeinden in ihren cultuellen Instituten. Aus diesen Conflikten gebaren sich aber auch Parteiungen, welche innere Spaltungen hervorriefen, und an vielen Orten heftige Kämpfe .weckten, wodurch die Lage des Judenthums noch verworrener und bedrohlicher wurde. Eine Religion der Minderheit, .eine Religion zerstreuter, kleiner Bruchtheile kann einer größeren Gefahr nicht auSgesrtzt sein, als innerlich gespalten, zerfallen, schwankend, und von heftige» Parteistreitigkeiten erschüttert zu werden. Leicht begreift man aber, daß man aus diesen Wirrsalrn nur durch die Gemeinsamkeit, durch die Vereinigung herauszukommen vermöge. Eine wirkliche Besserung und Hebung der Zustände ist nur durch die Verbindung Vieler zu Stande zu bringen, und diese allein kann eine billige und angemessene Autorität erlangen. In diesem Sinne tagten, wie darüber der in der Beilage zur A. Zeitung de« .Judenthums Nr. 4 gegebene Bericht weitere Kunde gibt, am 11., 12. und 13. August v. I. zu Cassel 24 Rabbinen aus allen Theilen' Deutschlands und der Schweiz. Dieselben ernannten, daß für die gegenwärtigen Zustände im Judenthum das nachhaltigste Heilmittel in der Schöpfung einer Bereinigung der wohlgesinntesten und tüchtigsten Kräfte bestehe, daß aber eine solche nicht)» dem Zusammentritt und den Beschlüssen einer kleineren oder größeren Zahl von Rabbinen gefunden werden könne, sondern durch den Hinzutritt von des JudenthumeS kündigen Gelehrten und vor Allem von Vertretern der Gemeinden selbst gebildet werden müsse. Die Versammlung zu Cassel beschloß daher einstimmig: 1) eine Synodalversammlung aus Rabbinen, jüdischen Gelehrten und Vertretern der Gemeinden, welche diese letzteren zu diesem Zwecke entsenden, zu berufen, und mit dieser Berufung die Unterzeichneten zu beauftraget^ 2) Commissionen zu erwählen, welche auö den \ verschiedenen Gebieten des Judenthums für die Synodalversammlung Anträge formuliren und in Denkschriften auseinander setzen und begründen sollen. Es ist einsichtlich, daß SeitmS der Rabbinerversammlung nichts weiter als diese Zusammensetzung aus solchen Männern, welche den theologischen LebenSberuf, die theologische Wissenschaft und die Gemeinden vertreten, beschlossen werden durfte, der ersten Synodalversammlung hingegen alle näheren Bestimmungen über ihre künftige Gestaltung, Geschäftsoro- . nnng, Abftimmungsmodu« u s. w. in völliger Frei-

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