Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 7 (17.2.1869)
- Date
- 1869-02-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenschrift für die allgemeinen Angelegenheiten des Judenthums und insbesondere des israelitischen Lehr er st ander. Organ für den Verein „Achawa.' __' '' jfä 7. - ' Den 17. Februar 1869.; _ - 9. Jahrgang. Wöchentlich 1 »Ummer vierteljährlicher Abonnement SpreiS 40 ft. 11% Sgr. An,eigen ,* 1 Sgr. di« Petitzeile, Bestrllun,« ' nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Reformatorifche Reden. 1. Holtesdienliliche Deform im Brthause der „IVsrtenä-llnion" zu Frankfurt a. M. Vortrajf über die neue Ehnagogen-Ordnung, gehalten Samstag den 9. Januar 1869, von vr Leopold Stein, Prediger daselbst. . (Schluß) Eine höchst wichtige Reform haben wir begründet und in der, neuen Synagogen-Ordnung befestigt, in der Art und Weise der Tora-Vorlesung. Diese heiligste Handlung, der allsabbathliche Bortrag der mosaischen Bücher, unseres größten Heiligthums und theuren ErbeS auö der Vorzeit, womit unter ESra die Begründung des Synagogen-GottesdiensteS ihren Anfang genommen, verdient in unserem CultuS die erste Stelle, und doch ist sie es, welche bis auf unsere Zeit die Würde des Gottesdienstes, wegen der damit verbundenen Mißbräuche und störenden Formen, am meisten beeinträchtigt hat. Die langathmigen Abschnitte, das Hin- und Herlaufen der zur Tora Gerufenen und am Meisten der Mangel an Verständniß des Vorgelesenen haben den Bortrag dessen, was der Geist unseres Geistes werden sollte, zum geistlosesten Werke gemacht,,welches den unbeschäftigten Synagogenbesuchern zu jeder Unordnung und Ruhestörung fortwährend Veranlassung bot. Niemand wird wohl die Abstellung der Tora-Vorlesnng in der Ursprache beantragen; auch eine Auswahl der anziehendsten Stellen aus den mosaischen Büchern scheint uns noch nicht an der Zeit — abgesehen davon, daß, wie unsere verehrlichetl Zuhörer sich überzeugt haben, auch den scheinbar!für uns beziehungslosen Abschnitten jener göttliche Geist, der allen Theilen der Tora innewohnt, zu entschöpfen und für unS lebendig und wirksam zu machen sek. — Das also, wa« wir hier für die Würde des großen Gegenstandes und zur Rettung der guten Ordnung thun können, ist einzig und allein die Kürzung des Vortrags durch den dreijährigen Eyclus, wozu wir — mit Ausnahme von Neujahr und Versöhnungstag, wo das religiöse Herkommen besondere Schonung verlangt — für Sabbath und Festtage die vollständige Ab stell» ngdeS Aufrufen» hinzugefügt haben.. Es ist dies eine, Reform, die wir nicht mit dem Talmud, aber wohl mit der Bibel in der Hand vollbracht. Ich habe in der heiligen Schrift nirgends gelesen, weder bei Moses noch bei Esra, daß man einen Abjcknitt der heiligen Tora, unter völliger Zerstörung alles Zusammenhanges, in sieben kleinere Theile zerstückt und zerrissen, mährend man darüber 14 oder gar 16 Segenssprüche, immer dieselben, gesprochen habe. Wie der große deutsche Dichter *) sagt, das größte aller Wunder sei, daß unS die täglichen Wunder nicht mehr als solche erscheinen, so ist es leider der größte Mißbrauch, daß uns die täglich geübten Mißbräuche durch ihre Wiederholung nicht mehr als solche verkommen. Ich muß es daher sagm, daß diese Reform mir als die beste erscheint, die wir eingeführt, eine Einrichtung, welche zugleich durch' die Vereinsackung und Kürzung der hebräischen Vorlesung, die schönste Gelegenheit bietet, um die sich dazu eignenden Stellen auS der geöffneten Tora, nach Art des alten Meturzeman — daS war der von der Gemeinde bestellte Dragoman oder Ueberfetzer — der versammelten Gemeinde deutsch kund zu geben — gewiß ein wahrhaft religiöses und frommes Werk, daS sicherlich bald vielseitige Nachahmung finden wird. — Zugleich haben wir auch hier dem religiösen Bedürfniß Aiechnung getragen, daß wenn Jemand, bei fteudiger oder schmerzlicher Veranlassung, von dem Drange beseelt sein wird, seine Empfindungen vor versammelter Gemeinde und ost'ener Tora auszusprechen, eS dem ersten Vorsteher gestattet sei, demselben'slatt des DvrbeterS die EegenSfprüche zur Tora übertragen zu können. *) Messing in „Nathan der Weise.-