Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 5 (3.2.1869)
- Date
- 1869-02-03
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aeuicceton. « Jüdische Lebensbilder. von Louij Lehmann. Der Segen am Sabbatb. (Fortsetzung.) Die ersten Wochentage waren vergangen; da« Grollen der Frau hatte sich gelegt und wieder einem freundlicheren Entgegenkommen Platz gemacht. Dora Outmann war im Grunde eine herzlich gute Frau, M»d ihr schnelles Aufbrausen machte baldigst ge» wöhnlich einer angeborenen Neigung zur Versöhn- Uchkeit Platz. Gewiß hätte sie e« gern geseben, wenn ihr Mann, „so gut wie die frömmsten Leute" Aufträge sich am Sabbat hätte geben lassen, aber chaß er es nicht that, hatte doch bei ruhigerer Ueberlegung ihre Achtung vor demselben gesteigert. — Er, der wahrhaft fromme Mann suchte sie auch nach Me vor so zuvorkommend zu behandeln, als sei gar «icht« geschehen, was ihn in seiner liebenden Gesinnung beirren könnte. Er war sogar diese Woch: noch üebevoller als gewöhnlich, - weil er bei sich fühlte, daß feine Frau irre gemacht von den anderen Gesetzübertretern sich nicht so leicht zu seinem Standtpunkle erheben könnte.' — Der gestörte häusliche Friede war bald wieder bergestellt. Jacob G. stammte aus einer in hoher Achtung Gehenden Familie. Der Daier war Schreiber der israelitischen Gemeinde und ein gelehrter Mann, der «och besonders wegen seines Schachspiels uno seiner »ehlinal« bekundeten dichterischen Anlage auch bei gebildeten Christen und sogar bei Hof bekannt und beliebt war und die Mutter eine kluge, ruhige, höchst Ordnungsliebende Frau aus guter Familie. Die Einkünfte de« Vater« waren sehr gering, so daß Jacob »lS treuer Sohn seiner würdigen Eltern frühzeitig einen kleinen Handel mitbetreiben mußte, namentlich «l« der Vater an einem Fußübel und die Mutter rpäter an einem bösartigen Handgeschwulst zu kränkeln anfingen, was auch den Tod Beiderfrüher herbeiführte. Jacob hatte noch einen um 3 Jahre älteren Bruder, der in der nahen großen Stadt als Handlungsgehülfe einen kleinen Gehalt bezog, den er, bei den größten Entsagungen, seinen Eltern und Geschwistern in der Heimath zukommen ließ, und zwei Schwestern, wovon! die eine an einen thalmudkundigen, .ehrenhaften Geschäftsmann in dem nahen Rödelbach .verehelicht war, der, als diese gestorben, die würdige Schwester als zweite Gatsin ehelichte. Die Jugendzeit, die für viele Andere eine unvergeßliche Zeit froher Genüsse, de« Glück« und der Liebe ist, sie war für Jacob nur eine Zeit der Sorge, des Kummers und der Entbehrungen. Ein solche« Jugendleben machte denselben ernst und zurückgezogen, Erhebung und Trost fand er nur im Studium der Religionsschriften und in aufrichtiger, nicht frömmelnder Bethätigung ihrer Vorschriften. <S» verflosien viele Jahre, bi« der in seiner Heimalh>einsam und verkästen dastehende mit einer ihm bekannten sehr braven Familie in nähere Verbindung trat und die 21jährige Tochter derselben, ein blühende« und fleißige« Mädchen, al« Frau begehrte. Die Aufrichsigkeit seiner Zuneigung, die Ehrenhaftigkeit seine« Charakters, sein trotz kleiner Einkünfte stetanständige« Auftreten im Leben siegten über so manche Bedenken und über die anfängliche Abneigung de« jungen Mädchen« gegen einen um 14 Jahre älteren ernsten und unschönen Mann; da« frische lebensftohe Mädchen nahm cndlich die ihm dargebotene Hand an. Sie führten ein ruhige« und im Ganzen zufriedenes Leben, da« durch den frommen Sinn de« Gatten eine höhere Weihe und Innigkeit erhielt. Als nach einem Jahre die Gattin von einem Knaben entbunden wurde, der jedoch im zweiten Jahre, kurz vor der Geburt eine« zweiten Knaben^ an einer Kinderkrankheit starb, und dem dann auch später da« andere Kind im Tode nachfolgte, übertrugen die Eltern ihre ganze Liebe und ängstliche Sorgfalt dem dritten Knaben, der im si. Jahre der Ehe geboren wurde. Bernhard, — so hieß der Knabe — wurde mit um so größerer Aengstlichkeit behüte! und erzogen, weil er durch ein schon früh bemerkte« öftere« Hüsteln den ängstlichen Eltern ebenfalls tiefe Besorgnisse einflößte. Es waren einige Tage nach den Anfangs geschilderten Ereignisse verflossen, wieder war einige Unruhe in dem sonst so stillen Familienkreise zu bemerken. Gutmann war soeben von einem Schreiner-! meister benachrichtigt worden, daß dessen Gesell«, der *- eine ziemliche Summe für einen Anzug schuldete, gekündigt habe und heimlich fortgehen «olle. Ciutmann eilte sogleich hin, sprach aber seiner Frau beim Weggehen erst M«h «in. „Weist Du nicht, wie gut e« mir ging, als alle Welt bei dem hier wohnhaften reichen Engländer O. Abzüge gemacht bekam, während ich unter Anerkennung meiner redlichen Bedienung meine nicht kleine Rechnung voll ausbezahlt erhielt? — Es wird auch diese« Mal gut gehen, so Gott will!" Der gottgläubige Mann erschrack nicht; er that seine Schuldigkeit in dem frommen Bewußtsein, daß de» Menschen Schicksal von Gott geleitet und behütet werde. — « Währenddessen stand die Frau daheim, vor Ungeduld zitteprd.die Mittheisilngen ihres Manne« erwartend, weil der drohende Verlust sie beunruhigte. Sie stand da am Tische mit Arbeit beschäftigt, am Boden saß der kleine Bernhard mit seinem Spielzeug sich unterhaltend, aber > die Gedanken der Mntter waren bei ihrem Manne —