Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 9 (1869)
- Issue
- 1 (6.1.1869)
- Date
- 1869-01-06
- Page
- Seite 7 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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7 1 der neuen Zeit auch neue Anforderungen ftcttji Wir haben nunmehr vorzüglich Geistessaaten auszustreuen. G. Pflegt hier seinen und unfern Lieblingsgeda.tken: die Gründung einer jüdischen Hochschule entweder in Frankfurt für sich allem bestehend, oder in Verbindung mit einer deutschen Universität errichtet. G. regt hierfür eine R.'s Stiftung an Möchte sein Wort, -von dem er sagt, daß es nicht ohne Eindruck auf bie, Zuhörer geblieben, bei diesen wie bei den Lesern auf fruchtbaren Boden fallen! Wir bedürfen einer solchen Anstalt in unserer Zeit aus doppelten Gründen; zunächst weil die alten Hochschulen tingegangen sind und zweitens; weil die neuerdings errichteten theils ungenügend sind,« theils einer einseitigen Richtung folgen Es ist nöthlg und bohe Zeit, daß wir diesen Haupt-Unterbau des JndenthumS stützen, um es vor geistiger Verdunkelung und Versumpfung zu bewahren. In der Zeit politischer und socialer Bedrückung haben die Väter das Judenihum in religiöser wie wissenschaftlicher Hinsicht hoch gehalten; wollen die Kinder in der Zeit politischer Freiheit und socialer Gleichstellung "es wissenschaftlich und religiös untergehen lassen? Der Redner glaubt insonders, das Interesse Frankfurts für diese Idee erwecken zu müssen, das von jeher wohlthätjg für und anregend auf die Gesammtheit gewirkthat. Auih eine politische Mahnung wird hieran für bie' neue Regierung F.'s gekämpft, welche diese Eigenthümlichkeil jener Stadt beachten und benutzen, ihre Kraft nicht einschränken, sondern zum Heile der Gesammthtit pflegen und entfalten möge. R.^ , AeuilLeton. Der jüdische Congrest in Ungarn. Eine eulturbistorische Studie. Von A. Aoseumeyer, Oberlehrer in S. a Ujhely. I. Der jüdische Eongreß, der gegenwärtig in Pest tagt, -ist ein Kind, welches der magyarischen Bewegung des Jahres 1861 sein Entstehen verdankt, eine Bewegung, die dmnals im national magyarisch - jüdischen Sinne durch das ausgeklärte ungarische Israel ging und mit der Gründung eines ungarisch-jüdischen Journat^Hs „Mapyar Isrielita“ seines Anfang nabm. Damals war cs Hr. vr. Ign. Hirfcbler, welcher in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Pesther Cultus-Gemtinde, das lebhafteste Interesse für seine Glaubensbrüder an den Tag legte und wiederholt in Regierungskreisen den Versuch machte ein autonomes ungarisches Israel zu schaffen. Doch die Zeit war den nationalen Bestrebungen nicht ganz günstig und, mit so vielen wackeren Kämpen für Freiheit, trat auch "der Bester Cultusvorsteher vr. Hirsch! er ins i Privatleben; dem damaligen Redacteur des Mapyar Isriielita wurden Preßprozesst gemacht und das Blatt von den!Bebörden.suspendirt, ja eS wurde nach einem Memorandum, welches der ,,Ben Chananja," revigirr vom gelehrten Oberrabbi Leopold Lkw, brachte, so gefahndet, als gelte es, gefährliche politische Akten zu erbascken. Es kam das Jahr 1867. Ungarn wurde mit einem verantwortlichen ungarischen Ministerium beglückt uns die Emancipation der Israeliten von den Vertretern der Ration ausgesprochen. Das Ministerium batte ein Her; für die unterdrückten israelitischen Brüder mitgebracht, und ich brauche wobl nur den Warnen Eötvös zu nennen, um bei meinen deutschen Freunden Sympathie für eine Regierung zu wecken,'die zu den liberalsten Europas gehört. Eötvös berief aus den verschiedenen Gegenden des Landes Vertrauensmänner, um mit ihnen über die Eröffnung des.EongresseS zu berathe» und von ihnen ein Wahlstätnt znm Eongreß und einen Schulentwurf ausarbeiten zu lassen. Es ist natürlich, daß fick, damals ein EktvöS das Iudentbum von der schönsten Seite dackte und kaum abnte, daß sich Ehaffidim, Orthodoxe und Reologen (sog. Fortschrittspartei so feindlich gegenüber, stehen doch sagen wir standen, nachdem die' Männer bereits in Pest ragen und die Minorität ^Orthodoxe) in einer solchen Zahl erschienen ist, daß die Majorität Fortschrittspartei'! ihren Einfluß im Lande nimmer unterschätzen wird, noch kann. Dock gestalten Sie mir, hochgeehrter Herr College, daß ick, bevor ich Sie und Ihre geschätzten Leser in die Versammlung führe, einen Blick werfe in die Wahlbewegung zum Eongreffe, in die verschiedenen Lager auf dem Lande, in die Versammlung der Rabbiner, die soeben in Pest tagte, auch schaue in die geheimen Labyrinthe so mancher Vereine, haben sie nun Raiyen ober nicht. Ta siebst du eine Gruppe mit rvtb - weißen - grünen Federn, sie eilen mit Sang und Klang durch die Straßen der Stadt, in die.Wohnung eines Parteiführers, der sie in magyarischer Sprache für die Sacke des Fortschrittes aneifert: dort bat fick eine Gruppe niedergelaffen, welche in Ieremiaden den Benall des Iudeutkums beklagt und mit Tbränen in den Äugen im jüdisch-deutschen Dialekt erzählt, wie die 2ach5der Reologen mit Riesenschritten sorlschreite und wie es mit der Gotteslehre bald aus sein werde. Dort steht ein Mann mit ellenlangen Händen und kurzen Beinkleidern, in einen Kaftan gehüllt, mit langen Pcies und polnischem Eostüme; es ist ein Ebaffid, der die Hand eines vr. erfaßt und verspricht, mit den Fortschrittsmännern zu stimmen, nur möge man sie von der-Skola Volkssck»lc> verschonen, die ibnen dock unjüvisch, .'ein Gräuel. Endlich hat die Stunde zum Wahlkampfe geschlagen, die Wabl beginnt. Es ist der Kampf des jungen Israel mit dem alten, aber noch immer lebenskräftigen, des Magyaren mit dem deutsch-ungarischen Elemente im un-