Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 51 (16.12.1868)
- Date
- 1868-12-16
- Page
- Seite 311 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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311? würde. Aus der Vorrede ersehen wir, daß W 30. October v. I. die Anstalt ihre 25jährige Gründungs- Feier im engsten Kreise des VereinS-AuSschust'eS, durch Gesang der Zöglinge, in einem Vortrag des Vorstandes in bescheidener Weise beging, In dieser Rede hob der Redner besonders die Verdienste des Hausvaters und Hauptlehrers Liebmann, der an dem Tage, an welchem die Anstalt vor 25 Jahren eröffnet wurde, auch sein Amt in derselben angetreten hat, sehranerkennend hervor. Demselben wurde die vom Könige verliehene goldene Civilverdienst-Medaille Änd zugleich Namens und aus Mitteln des Vereins eine ansehnliche Ehrengabe von« Vorstande freudigst überreicht. In der Anstalt wurden bis dahin 181 Kinder verpflegt und befinden sich in derselben noch 20. Die Vermögens-Bilance ergibt die schöne Summe, einschließlich des Hauses und dessen Ginrichtung, das mit ] 6800 fl. angegeben ist, von 73860 fl. 32*/» kr. Das Vermögen hat im abgelaufenen Jahre zugenommen um 4372 fl. 36 kr. Mit dieser Anstalt ist auch eine Fortbildungsschule verbunden, die ihren besonderen Fonds hat und gehört demselben von dem angegebenen Vermögen 3690 ft. 20 kr. Zum Vergleiche mit anderen Waisenhäusern hebe ich folgende Eigenschaften und Einrichtungen der „WilhelmSpftege" hervor, die ich sowohl auS eigener Anschauung und gründlichen Besprechungen^ mit dem würdigen Vorsteher Herrn vr Lev», als auch aus mehreren mir regelmäßig zugcschickten Jahresberichten genau kenne. 1) DaS Haus und dessen ganze Einrichtung sind in jeder Beziehung dem Zwecke entsprechend, aber alles ist einfach, fern von jedem Lurus! DaS ganze HauS und dessen Einrichtung sind bürgerlich. Der Garten, in welchem die Kinder in den Mußestunden arbeiten, ist groß, aber ein einfacher Gemüse- und Dbstgarten und in jeder Beziehung -praktisch angelegt. Kein besonderer Bersaal, soviel ich mich erinnern kann, ziert dieses HauS, was ich als keinen Mangel, sondern mehr als einen Vorzug desselben betrachte, da au den Wochentagen die Kinder ihre Gebete in Gemeinschaft mit dem Lehrer im Spielsaale und am Sabbath und Feiertage mit der Gemeinde im Gotteshause verrichten. Einen besonderen Gottesdienst auch^ an den letzteren Tagen im HZaiscnhause halte ich für höchst ungeeignet und nachtheilig, da hierdurch die Kinder noch mehr abgeschlossen und von der Welt getrennt und ivie Gefangene behandelt werden, wenigstens sich als solche betrachten müssen, und weil der öffentliche Gottesdienst ein besserer, erbauender und erhebender in der Regel ist, als ein solcher privater. Dazu kommt noch der Nachtheil eines solchen sogenannten Gottesdienstes für die, nicht großen Gemeinden, weil sie hierdurch beeinträchtigt werden können. . 2) Die Funktionen eines Hausvaters und Hauptlehrers sind e i n e m M a n n e, wie hier dem sehr tüchtigen Herrn Liebmann seit 25 Jahren schon übertragen. Dies ist auch ein Hauptvorzug dieser Anstalt, wie' der glänzende Erfolg beweist. Dieser Lehrer ist daher auch gut besoldet und kann seine ^Pflichten in ausdauernder Liebes ohne Sorgen, erfüllen. Dem Hrn. Liebmann steht jauch seine gute und vorzügliche Haus^ frau als ächte Gefährtin zur Seite. An sich isi es schon ein großer Vorzug, daß ein Haus-Vater und nicht eine HauS-M u t t e r die Anstalt versorgt, besonders in solchen,wo Knaben und Mädchen in Gemeinschaft ausgenommen und die Geschlechter nicht wie in Amsterdam in besonderen Häusern verpflegt werden. 3) Dem Hausvater werden keine bestimmten Kostgelder für jedes! Kind gegeben, sondern die zur Oeconomie gehörenden Gegenstände werden vom Vorstände auS der Kaffe gestellt, so daß ersterer hierüber ein Buch zu führen hat. 'Dieses ist wieder Lin großer Vorzug dieser Anstalt vor anderen, wo ein bestimmtes Kostgeld dem HauSvater oder der Mutter gezahlt wird. Denn dies ist hoch immer ein Pensionatsverhältitzß, und jeder Kostgeber muß doch zählen und messen, daß er hierbei seine Rechnung findet und wenigstens keinen Verlust erleidet. Hietauf ist . gewiß der Spruch des Talmud: ,Am Gezählt n und Gemessenen ist kein Segen," achznwenden. Ich hätte noch einen anderen Punkl, Stiftungen und JahreSzeitest betreffend, aufzu^ählen, waS.ich jedoch vorläufig zu unterlassen für besser halte. Vielleicht'werde ich noch Gelgenheit haben, diesen -sehr wichtigen Gegenstand zu besprechen. Krhn. Anzeigen. Beim Unterzeichneten ist in Commission erschienen und durch alle Buchhandlungeu zu beziehen: Die traditionellen 8/n3gogen-6k83ng8 herausgegcden von N. £>. Katz uub L. Walvbott. I. Heft. Preis 3/4 Rthlr. Dieses Werk dürste manchem der jünger» Herren Lehrer willkommen sein. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. *