Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 45 (4.11.1868)
- Date
- 1868-11-04
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431928--2166-4898549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 263 muthigung zu neuen Vergehungen geworden ist. Man hat unS der Rechte beraubt, welche wir besaßen, jetzt haben wir nicht mehr die Sicherheit für unsere Person, und wir sind das Spiel der verwerflichsten Leidenschaften. Seitdem die öffentliche Macht dahin gelangt ist, die Juden als-außerhalb des gemeinsamen Rechts stehend zu betrachten, findet die Volksmasse, ohnehin dazu geneigt, daß ihr gegen diese Alles erlaubt sei. Möchte doch die Regierung Ew. Durchl. Hoheit im Geiste der Billigkeit und des Fortschritts diejenigen Maßregeln ergreifen, welche zum Schutz der Personen und des Vermögens von rechtschaffenen und dem Lande eingeborenen Einwohnern nothwrndig find; möchte man uns wieder in unser zuständiges Recht eintreten lassen und Vorurtheile zerstreuen durck Beispiele von Oben und bessere Tage vorbereitcn für die Ration und für uns. Es ist unmöglich in diesem Zustande vollständiger Unsicherheit zu verbleiben, da wir. der Willkür und für uns und unsere Familien ganz der Verzweiflung preisgcgcben sind. Wir bitten den ewigen Gott, Ew. Hoheit in Seinen Schutz zu nehmen und Ihnen die besten Entschließungen einzugeben. Möge Ew. Hoheit den Ausdruck der tiefsten Ergebenheit genehmigen, womit wir die Ehre haben, als die unterthänigsten und gehorsamsten Diener Ew. Hobeit zu verbarren Daö Oomitö der Alliance israt’lite universelle in Bucharest. Paris, 20. Octbr. Die spanisch-portugiesischen Juden haben den Widerruf des Ediktes von 1402, durch welches sie verbannt wurden, beantragt; man glaubt bier, daß diesem Antrag werde ftattgegebcn zverden. Paris. Ter „Figaro" vom 27. Scpt. zieht auch die Feier deö jüdischen „VersöhnungStages" in seinen sarkastischen Spott. Er erzählt von der Menge gut gekleideter Spaziergänger auf den Boulevards mit blassen Gesichtern, denen der Hunger aus den Augen gesehen babe, unk denen man versucht gewesen sei, ein Stück Brod oder Almosen anzubieten — trotz ihrer reichen Kteidnng, als man erfahren habx, daß es Israeliten seien, welcbc ihren „Versöhnungstag" feiern und sich an demselben ein 36(?)-stündiges Fasten auferlegen, tim dadurch wieder auf Ein Jahr der Verantwortlichkeit aller Sünden ledig zu sein. — Der Ehest Redacteur dieses Blattes ist, wie wir bereits mittheilten, Hr. A. Wolf, ein Deutscher und — Jude. Sollte man rinter solchen Umständen in diesem Blatte eine derartige Unkenntniß über die Bedeutung der Jom-Kippur-Feier und eine solche Verspottung des höchsten und heiligsten Tages im Jahre 1 zu finden glauben? Aber freilich — die Art der Feier muß viel zu wünschen lassen, wenn eine große Menge der Andachtsuchenden das Gotteshaus flieht und — spazieren geht. ■ Paris Der berühmte. Gelehrte Hr. M. F. von Säulen, Senator und Mitglied der Akaoemie hat ein neues Wer? veröffentlicht: Chrönolvgische Studien über ESra uind Nehemia, Paris, N. Levy. Sobald Wirtin den Besitz des Werkes gekommen fein werden, beabsichtigen wir, unseren Lesern genauere MittheilunLen über dessen Inhalt und' Wertb zu machen. Metz. Bei der fürchterlichen Explosion In der hiesigen Fabrik der Ehassepot-Patronen bat der jüdi scbe Vorstand sofort den Venvundeten 'aller Eonfessionen daS jisraclitische Hospital geöffnet. Wir finden dies sehr recht und natürlich, aber doch erwäbnenSwerthf I . BrilVn. Die bekannte hiesige M. Friedländcr'sche Offizin gibt sich, wie uns mitgetbeilt wird, zum Druck, — wir wissen nicht, ob auch zum lag — von Misnons Schriften zur Bekebrung der Juden her. Ist dies eine charaktervolle Vertretung des Jndcnthnms, wozu jeder Jude verpflichtet ist? - Liegt hierin nicht, so fragen wir, ohne casuislische Deuteler zu sein, eine Profanisirunz der Typen, welche auch zum Druck heiliger — jüdischer Bücher benutzt werden? ‘ . London Es ist nöthig, Notiz davo» zu neh mev, daß auch in unserem Lande die liberale Partei gegen konservative — jüdische ParlamentS-Eandidaten mit judenfeindlichen Aifichen kämpft, worin di: Wähler daran erinnert werden, daß ^Juden — Jesus gekreuzigt haben und ibn noch fortwährend verleugnen , ibre christlichen Mitmenschen betrügen und ihnen ein 'Pfund Fleisch unter dein Herzen wcgschneiden. Und Christen — wollten einen Juden in das Parlalnent wählen? Jaget die Jliden doch fort!" Die Sache ist besonders interessant, wenn man er- ' fährt, daß der Gegencandidat auch ein Jude, aber — ein Liberaler, ist. Die beiden Partei-Blätter Standard und Daily-Rews sprechen sich übrigens mit gleicher Indignation über ein solches Verfahren aus. Ncw-^ork Von der Agitation der amerikanischen Gemeinde für Einführung .einer strengeren Sabbatscier werden Sie gehört baden. Von besonderem . Interesse ist eö, zu erfahren, daß an der Spitze derselben die hiesige Gemeiude „Adath Jeschurun" steht, deren Rabbiner 0r. Einhorn ist. Eine entschiedene Reform-Gemeinde agitirdisfür eine strenge Sahbatseier, fiir cst.e der Hauptstützen des Judenthums l -Wird die stets schmähende Orthodoxie dies begreifen oder gar — verkennen? New-Aork Die amerikanischen Mischen Zeitschriften enthalten jetzt stets Mittheilungen über den Bau neuer Synagogen. Insbesondere bervorragend ist der mit einem Kosten-Aufwand von mehr als 600,000 Dollars erbaute neue Tempel der Emanuel-