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Der israelitische Lehrer · 1868-10-28 · 44 (28.10.1868) · p. Seite 256

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
44 (28.10.1868)
Date
1868-10-28
Page
Seite 256 (sequence 8)
Language
German
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Allee, was er denkt und thut, einen greifbaren Zweck haben. Der jüdische Vater im Ghetto richtet an seinen durch die Lectüre Schiller'S zum Idealismus hinneigenden Sohn nicht selten die Ermahnung: das ist kein Tachlis ‘ (Zweck). Der Jude ist deducttv, er hat nicht die nöthige Ruhe für die inductive Methode und gleicht hierin mehr dem Franzosen als dem Engländer, mehr dem Weibe al« dem Manne. Der jüdische Stamm bat überhaupt viel Weibliches an sich, er repräsentirt die Weiblichkeit unter den Völkern. Daraus entspringen manche Vorzüge, wie;. B. die Begeisterung, aber auch manche Schattenseiten. Der Jude wallt rasch aus, kann'heftig und leidenschaftlich werden, ist rur Rachsucht geneigt, bebarrt unbeugsam aus seiner vorgefaßten Meinung, sträubt sich zu widerrufen urtd die Wahrheit zu bekennen, ist unversöhnlich gegen Seinesgleichen. -Nachgiebig anderen Völkern gegenüber,!bleibt er oft starr und unbeugsam, wenn er seinen eigenen Stammgenossen verzeihen oder einen Jrrihum eingesleben soll: nur wenn die Gesammtheit angegriffen und vow Korurlheileii getroffen wird, regt sich das Mitgefühl des: einzelnen Juden — ganz wie beim Weibe , das ja auch eine Herabsetzung des weiblichen Geschlechtes nicht gleichgiltig anhört, selbst wenn eS als Individuum ausgenommen wird. Ferner ist der Jude frühreif, reich an Impromptus, schlagfertig in der Debatte \ rasch verdammend im Urtheil und hat etwa mit Ausnahme von Spinoza's unsterblichen Tharen keine geniale Leistung in der Wissenschaft aufzuweisen; endlich liebt er wie daS Weib den Luxus und grelle Farben. Aus -der Subjektivität des jüdischen Stammes folgt auch, sein Optimismus. Schon in der Genesis wird uns. erzählt: Gott sah Alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war gut. Die Bibel verheißt keine anderen als irdische Belohnungen, die Propheten mit ihren Hoffnung erweckenden Reden sind Optimisten vom reinsten Wasser. Das Buch Hiob scheint eine pessimistische Weltanschauung auszudrücken, ist aber nur eine scheinbare.Ausnahme, denn der Pessimismus Hiob's ist kein wahrer, er ist kein Schmerz über das Elend und die Leiden der Welt, sondern die Klage über persönliches Leiden. Das allgemeine Elend der Welt würde ihn wenig kümmern, wenn er nur selber nichts zu erdulden-hätte; eher spiegelt sich noch^ im Buche der Prediger (Loelesiasticus » ein gewisser Pessimismus. .> So ist beim der jüdische Stamm aus lauter Eonrrasten zusammengesetzt, welche durch ein inneres Band mit einander verknüpft sind und ineinander übergehen. Der ParticularismuS, die Verstandesschärfe, die Stabilität und die Subjektivität einerseits, der Universalismus, der Enthusiasmus, die Fortschrittsfähigkeit und die objecttve Hingebung anderseits sind blos die Strömungen einer- und derselben Urquelle, die Variationen eines und desselben Urgrundes, die Wirkungen einer und derselben Kraft. Es fragt sich nun, wie es komme, daß ein'Stamm solche Gegensätze in sich vereinige? Die Lösung dieses Räthsels liegt nach Jellinek darin, daß die Juden keine reinen Semiten sind, sondern daß dieselben ans einer Mischung semitischer, japhetischer und chaniitsicher Ur-Elemente kstrvorgegangen seien. So hätten wir denn in dem jüdischen Stamm eine Vereinigung der semitischen, der kaukasischen und ocr Ncgerrace, und die >n Folge dessen in ihm liegenden Ebaratter-Eigentbümlichkeiten werden in Conlrasten sichtbar, und je nach der geschichtlichen Entwicklung e>neS Tbeils dieses Stammes, je nach den Völkern, in derqn Milte er lebt, je nach den historischen Mächten, deren' Herrschaft er sich nicht entziehen kann, wird die eine rder die andere Seite schärfer und bestimmter hervcrtreten. In diesem Sinne nennt der Verfasser die Juden — die Europäer des Morgenlandes. Eduard Kulke. Anzeigen. 3i! der israelitischen Gemeinde zu Ober-Ingelheim ist bis 1. Januar näcbsthin die Stelle eines Neligionslebrers und Vorsängers, womit ein jährlicher Gehalt von 400 fl. nebst freier Webnung verbunden ist, an einen ledigen Mann zu vergeben. Etwaige Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bis längstens 1. November d. I. an uns wenden. Ober-Ingelheim bei Mainz, im Oct. 1868. . Der Vorstand der isr. Gemeinde: David Oppenheimer. Fueniic. Die israelitische Religionslehrerstelle in Ebers- Heim bei Mainz ist vacant und alsbald dringend zu besetzen. Dieselbe trägt einen jährlichen Gehalt von ft. 280 nebst freier Wohnung. Auch kann auf Verlangen das Amt des Schächters mit verbunden werden und dadurch das Einkommen entsprechend' sich erhöhen. Frankirte Anmeldungen mit Zeugnissen versehen, werden in Bälde erwartet vom Korpglldk dkl lLkllklitischkll HkliglMlsgklllkilldk Ebersheim bei Mainz: JLeop. Simon. Derantzo örtlich« Siedaction und Verlag von Jpfeph Kl ingenstein, Lehrer zu Odernheim in Rheinhrsien. J»r den Buchhandel in Co»milfion bei Likar Leincr in Leipzig. — I. Gottslcbcn» Buchdrucker« in Mainz. MV" Hiena Beilage: Verlag von Engen Eimer in Ravensburg. "MM

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