Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 43 (21.10.1868)
- Date
- 1868-10-21
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431924--2149-4898534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
248 Sprachwissenschaften") deducirt. aus den staken Gaumen- und Kehllauten des Hebräischen eine innwliche Bewegung der Subjektivität, das Streben, das Subsect, da« Ich zur Geltung zu bringen. Luzzato findet bei seinen Stammesgenossen einen auffalleuten Mangel an Svstemcitik und führt als Beweis sie gänzlich systemlose Composition der Bibel imd des Talmud an. Ter französische reformirte Prediger Sourin wieder ist entzückt von der jüdischen Woslthätigkeit und stellt diese Wohltbätigkeit ohne Rücksicht aus das Glaubensbekenntnis; seinen christlicken Zuhörern als Muster hin. Der alte Göttinger Professor Michaelis, der sein Lebenlang mit der hebräiscken Sprache, mit der Bibel und der spätern jüdischen Literatur sich beschäftigt, verbrachte schlaflose Näckte über die Frage, ob die Juden für den Militärdienst tauglich sein würden. Ebenso discutirte Hartmaun aus Rostock mit der sräatsmännifchen Weisheit ein'S Mecklenburgers die Frage, ob die Juden fähig seien, in die groste mecklenburgische Armee einzutreten. Ter Kunsthistoriker Schn aase wirst den alten •; ebräe n Mangel an Werken der bildenden Kunst vor; er erklärt diesen Mangel: er nennr ihre Phantasie zu bewegt, die Bewegung zu heilig,, zu stark, zu kühn, um die ruhige Ausführung des plastischen Bildes zu gestatten. Nach Dlsbausen und Hitzig gebührt die Eh:e einer der wichtigsten und einflußreichsten Erfindung« n deö Menschengeistes — der Erfindung des Alphabe ö — nicht den.Phönicierir, sondern den Hebräern. Alexander v. Humboldt'sagl von der hebräisch« n Poesie, daß sie trotz ihrer Größe, selbst im Schwünge der höchsten Begeisterung, fast nie maßlos werde, wie die indische Dichtung. Der Italiener Elia del Medic o findet als eine besondere Art des jüdischen Volkes, daß die meisten Juden, wenn sie auch nur die g:- ringsien - Kenntnisse besitzen, in ihrer Anmaßung ‘ ö weit gehen, die ersten Männer der Wissenschaft anz,:- greifen, sie meistern und belehren zu wollen. Kiesse - bach in seiner Darstellung des Welthandels bezeichn t den Juden als den Hamster des ökonomischen G - triebcs und»spricht sich mit'großer Anerkennung übcr die Bedeutung der-Juden für den Welthandel aus. Nicht minder wird diese Bedeutung von Lecky („Gischichte der Aufklärung"'» anerkannt, welcher das con - merzielle Genie der jüdischen Verbannten für eines der Elemente in der Entwicklung von Livorno, Pisi und Ancona-erklärt. . Draper widmet dem Einflus, welchen die Juden bei Einführung der arabische! Eultur nach -Europa übten, einige Blätter seiner Eivilisations-Geschichte. - Sieht man diese/verschiedenartigen Urtheile, welche ohne große Nkühe'in viel reicherer Anzahl beigeschafil VerantwonlicheJÄtWctitm und Verlag von Jose Für den Buchhandel in Commission bei Lökar Lein | werden könnten, etwas näher an, so wird man die! Beobachtung macken, daß nicht selten entschiedene Gegensätze darin zu Tage treten, und die Beant- . wortung der Eingangs erwähnten Fragen müßte dem- > gemäß dahin lauten, 'der jüdische Stamm bestehe! seinem Charakter nach aus lauter Gegensätzen, es > finden sich in ihm die merkwürdigsten Eontraste vereinigt.! Die Antwort ist auch bereits in diesem Sinne erfolgt, und zwar ist diese Anschauung in durchgreifen- : der und geistreicher Weise ausgesübrt in einer vor! Kurzem erschienenen ethnographischen Studie: „Der . jüdische Stamm", von Dr. Adolph Jclkinek, dem! hochgeehrten Prediger der Wiener israelitischen Eul- : tusgcmeinde*». Wenn bei der Schöpfung des Menschen — sagt der Verfasser — auch der Berliner Philosoph Hegel zu Rathe gezogen worden wäre und dieser die Bitte an den Schöpfer gerichtet hätte: „Herr, schaffe eine Menschenart, welche meine dialektische Methode mit den drei concentrischen Kreisen der These, Antithese! und Synthese verkörpert, so würde ihm Gott erwidert haben: Hier, mein Philosoph, hast du den jüdischen! Stamin. 'Siehe, aus Gegensätzen habe ich sein in- ' nerstes Wesen zusammengesügt. sie' bilden das Ge- > heimniß seiner specifischen Natur." (Schluß folgt.) *) Studien und Skizzen. Erster Theil: Der jül dische Stamm. Wien. Hcrzteld und Bauer. Vncan&. l Die israelitische Religionslehrerstelle in Ebersheim bei Mainz ist vacant und alsbald dringend! zu besetzen. Dieselbe trägt einen jährlichen Gehalt von fl. 2Nl> nebst freier Wohnung. Auch kazin auf Verlangen das Amt des Schächters mit verbunden werden und dadurch das Einkommen entsprechend sich! erhöhen. Frankirte'Anmeldungen mit Zeugnissen ver- ' sehen, werden in Bälde erwartet vom_! gorlianöf Dfr isratfitifrtjfn tzkligilillsgkmkinkik Ebersheim bei Mainz: F tzop. Simon. Danksagung. ' Zu meinem am 5 d. Mgefeierten 25jährigen Jubiläum sind mir so zahlreiche Beweise der herzlichsten Theilnahme von; meiner Gemeinde, von meinen Collegen, Freunden und Schülern geworden, daß ich den Einzelnen nicht zu erwidern-vermag und daher Allen, die zur Verherrlichung dieser für mich so wichtigen Feier beigetragen haben, öffentlich meinen innigsten Tank hiermit abstatte. Erwitte, 6. Skt. 1868. Lehrer R. »’olfsdorf. ffh Kl ingcnstein, Lehrer zu Ldernheim in Rheinhcffen. 'i in Leipzig. — I. Gottslcben's Buchdruckern in Mainz.