Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 43 (21.10.1868)
- Date
- 1868-10-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Der IKiMliliselie Aelirer. Zeitschrift für die gestimmten Interessen des Iudenthmn^ und insbesondere drs israelitischen V e b r e r ft an b c c. Organ für Jen Verein „Achawa.' M 43. Den 21. Oktober 1868. Wöchentlich 1 Nummer Vierteljährlicher Lbonnnnentspreis 4» Ir — 11»;> Lgr. Anzeigen zu 1 Lgr. die nehmen alle Postämlcr und Buchhandlungen an. 8. Jahrgang. ielirzeile. Bestellungen Der Lebrer ausierbalb feines Schnlzimmers. Ein Beitrag zur Gesetiicktoseiuer Einseiligkeil und llnbel'olfenl'eit. Von A!, Weinberg, Lelirer zu Hona. Motto: Weg mit der <Helehrsay,keit. di« Mutterwitz erstickt. Euripid«4. „Nur keine Einseitigkeit, denn nicht für die Schule sondern für das Leben soll die euch übergebene Schaar heran- und herausgebildet werden," ist einer von den gut und ernstgemeinten, durch unrichtigen Gebrauch und Mißbrauch zur Phrase herabgesunkenen Winken der Erziehungölehre, die jeder Schulaspirant vielfach in den pädagogischen Stnuden gehört haben wird, und doch ist oft gerade der Lehrer der einseitigste Mann in, Orte, der namentlich Sußerbalb deS Schulzimmers diesem Winke schnurstracks zuwidcrlebt. Was heißt aber einseitig sein und bandeln? Nichts anderes^ denn als Schreiner die Welt für eine große Hobelbank ansehen, bei der Niemand wichtiger ustd unentbehrlicher ist als — er, der Schreiner, da (ja ohne ibn die ganze Maschine in Stillstand gerathen müßte. Und welche Moral zieht er daraus? Sich um nichts kümmern als um den Hobel, wie im Layde der Zwiebeln nichts Werth hat und Beachtung findet als — Lauch. Einseitige Zustizräthe sind'Zustizräthe, welche die Welt für eine Kanzleistuhe halten, die nicht in Ordnung ist, wenn sie nicht von ihrer Feder dirigirt wird. Und einseitige Lehrer sind Lehrer, welche die Welt-sich um den Schullisch drehen lassen ynd Alles bekops-. schütteln, was ihren Doktrinen zuwidjerläuft; welche die Blätter nach Linus. geformt wissen wollen und dabei vergessen, daß selbst Linus fteine Regeln von den Blättern abstrahirt hat. Solche Buchstabenmenschen, deren Ansichten sich nie über den nächsten Laternenpfabl erheben, welche die Welt für dunkel und zugenagelt halten, wenn das in ihrem Laternchen glimmende Lichtsüntchcn verglommen, die nur aus »r Sckcllc! bcimisch sind, auf welcher sic. ihr.vegetirendes Dasein triften, die Pfahl-, nie Weltbürger sind unk werten, werten nck nie in Weltenlauf und Mcnsck cinreibcu zurecktzusindcn wissen, nie zu Woblbehage i »nt -innerer j-tufricdenheil gelangen. Denn wer beule neck solche Maßstäbe anlegt, der ist der echte .-zunstineiner. dem . der Zopf so reckt weit nach hstite i hängt, der erklärte Feind'jeder Ncnernng, über den des.Rad des genindcn Fortschritts mit feiner schneidigen Kante hiuwcggcbeu wird, ibn zerdrückend und zermalmend. , Lehrer der Menschheit! solcke Menschen solli ihr nicht erziehen, solche Menschen sollt ihr nickt — sein, und das lebte nickt, damit ihr das erste vermeidet! Deck wieviel, wie erstaunlich viel wird in der Wirklichkeit gegen diesen Grunosalz gesündigt. Wie einseitige, eckige, kantige Gestalten finden sich nicht gerade im Lehrer.- stände! Es scheint fast, als ob solcke Pflanzen vorzugsweise auf dem B^den unseres Standes gedeibcu, und wohl mancher der Herren E tllegen wird Gelegenheit gefunden haben, solche Menschen keimen zu lernen, die dann auf ibn den Eindruck machten, als ob sie mit zwei linken Händen labcrirtnr und operirtcu. Run weiß ich freilich wohl daß nickt absonderlich viel Klugheit dazu gehört, die Blößen einer Sacke zu entdecken, ja daß es sogar nicht einmal immer räkb lieh und.wohlgethan ist, sie zu! enthüllen und aufzu decken, aber es ist auch weder! heilsam noch nützlich," wirkliche Schäden mit dem Booen der Skandescitelkeit entsprossenen Feigenblättern bedecken, alte, morsche' Zustände stets übertünchen zu wollen. Steigen wir lieber hinab zu den Quellen der Einseitigkeit, der Eckigkeit und Unkeholfenheit un» suchen wir, nachdem wir die Wunde freigelegt, die Heilmittel ausfindig zu machen. — [ Gehen wir den Einseitigketisfaseni des angehenden Lehrers nach, so findet sich vielfach, daß sie bis in die Kinderstube des Elternhauses zurückgehen, von den in die Lehrerbildungsanß alt mitgenommen, und