Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 35 (26.8.1868)
- Date
- 1868-08-26
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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174 — ihrer Macht und Würde selbst belei'igten, und die Gemeinden zu indi"erent seien, um an den Bersamm- 4 hingen sich zu beteiligen.* Aub beantragte, keine Rabbiner-Versammlung. übe/Haupt keine Versammlung zu bestimmten Zwecken, sondern einen Verein für allgemein jüdssche Interessen zu begründen, waS bekämpft wurde Fried mann wollte die von Geiger beantragten periodischen Versammlungen nur auS Delegirten der Gemeinden bestehend willen, voraussetzend, daß jede Gemeinde auch ihren Rabbiner wählen würde, und behauptend, daß, wo dies nicht geschehe, der Rabbiner mich ohne Einfluß sei. Diese Behauptung fand heftigen Widerspruch. Rothschild bekämpfte die den Rabbinern von Pbilippson vindieirte Macht und Würde, behauptete, daß, wenn auch, wie bereits vielfach ausgesprochen war, den Rabbinern keine hierarchischen Bestrebungen eigen leien und sein konnten, 'die Furcht davor dennoch vorhanden sei, erklärte, dgß die Gemeinden ängstlich über die Bewahrung ihrer. Autonomie wachten, hob hervor, daß den Beschlüssen der Rabbiner nur durch die Gemeinden praktische Folge gegeben werken könne, und man deßhalb-diese, wie zum „Mit-thateu", so auch zum „Mit rathen" berufen solle, und beantragte, die Beru'ung der demnächstigen Synodal-Versammlung von den Gemeinden selbst ausgehen zu lassen und sich zu dem Bebufe durch das Präsidium an eine der Haupt-Reform-Gemeinden zu wenden", während inzwischen eine Commission, aüS der Mitte der Versammlung gewählt, mit dem Rechte der Cooptation aus Laien (Sachverständiaen und Gemeinde-Vertretern) die CultuSirage vorberathrn möge. Die Bezeichnung Reform-Gemeinde wurde anfänglich von Einigen beanstandet,' ebenso wurde befürchtet, daß entweder-keine Gemeinde die Sache in die Hand nehmen, oder doch lässig betreiben werde, womit der Plan der Versammlung leicht vereitelt werden könne. Rothschild erwidere,. daß mit .Reform" keine Sektirung bezeichnet werde , da selbst die sogenannte Orthodoxie bereits den Boden der Reform betreten habe. Daß die Gemeinden nicht so gleichgültig gegen die tagende Räbbiner»Dersammlung seien, beweisen die verschiedenen Adressen, wie auch speciell der Auftrag, welcher ihm von seiner Gemeinde geworden sei, der Versammlung anzuwobnen. Uebrigens bestehe-er nicht auf dem Ausdruck Reform und gebe der Versammlung anheim, die Sache nicht vollständig auS Händen zu geben, bis sie in den Händen der Gemeinden sicher ruh«. Philipp fön glaubte, daß Svnodal-Bersammlungen erst durch Provinsial-Synoden vorbereitet werden müßten, worauf Aub verschlug, beide neb,en einander bestehen zu lassen, sowohl um Synoden durch Provinzial- Versammlungen vorzubereiten, wie die Beschlüsse jen'r in diesen und durch diese praktisch zu verwerthen Es wurde beschlossen, periodisch wiederkebrende General-Versammlungen zu veranlassen, aus Rabbinern, Gelehrten und Delegirten der Gemeinden bestehend; neben dielen Lokal-, Kreis- und Provinzial-Synoden gleicher, Zusammensetzung stattfinden zu lassen, und mit der Ausführung dieses Beschlusses daö Präsidium gu betrauen. Diese Beratbungen hatten den ersten Tag und einen Tbeil des zweiten ausgefüllt, und man war bis jetzt doch nur zu diesem Resultate durch das Compromiß gekommen, die Cultusfrage auch schon in dieser Versammlung und nicht erst durch eine spätere Commission vorzuberathen. Gar viele hielten die Berufung einer Synode für keinen ausreichenden Gewinn dieser Versammlung und glaubten noch andere Resultate mit nach Hause nehmen zu müssen Liturgische Vorlagen und Anträge waren von Philippson, Rothschild, und Geiger ausgegangen. Philippson hielt die liturgischen Fragen für so spruchreif, daß die Discussion entbehrt werden könne, jedoch wurde die letztere, wenn auch in beschränktem Maaße, beliebt, und zwar der Art, daß außer dem Antragsteller nur je ein Redner gegen und für sprechen solle. Gerade diese Beschränkung machte indeß die Debatte stürmisch, indem oft mehrere Redner zugleich das Wort verlangten, um einander dabei den Rang abzulaufen. Die Schuld lag also in den Verhältnissen, wenn Philippson dadurch in seinem-Vortrage gestört wurde. Dennoch ließ er sich zu dem anmaßungsvollen Ausrufe hinreißen: Der Versammlung fehle Takt und Anstand! Es ertönten wiederholte und stürmische Rufe : zur Ordnung! denen indeß der nachsichtsvolle Präsident Folge zu geben Anstand nahm. Der weiteren Verfolgung dieses unangenehmen Zwischenfalls kam Philippson durch Zurücknahme seines voreiligen und beleidigenden Ausdrucks zuvor. Ein Mangel in der Geschäftsführung war es übrigens, (denn eine Geschäftsordnung war nicht entworfen) daß die Redner den lauten Vortrag ihres Collegen stets laut unterbrachen, um das Wort für sich zu verlangen, statt dies still, etwa durch Erhebung der Hand, zu thun. Hierbei war es unmöglich, den parlamentarischen Takt zu bewahren. Der erste Punkt der Beratbung betraf die Tora- Vorlesung. Kürzung und Verständniß wurde allgemein gefordert. Ueber die Mittel mar man verschiedener Ansicht. Levi blieb bei seinem einjährigen Cyclus. Aub schlug die in Berlin eingeführte Bertheilung der Sidra für Sabbat-My.rgen und Nachmittag vor, Andere wollten bei der Bertheilung auch Montag und Donnerstag mit bedacht haben. Rothschild stellte diesen Vorschlägen das Bedürfniß der kleineren Gemeinden entgegen, wo außer Sabbat-Vormittag kein regelmäßiger Gottesdienst stattfindet; er bemerkte, daß diese zu berücksichtigen, er darum besonders nach einem Auf-