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Der israelitische Lehrer · 1868-08-19 · 34 (19.8.1868) · p. Seite 171

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
34 (19.8.1868)
Date
1868-08-19
Page
Seite 171 (sequence 7)
Language
German
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171 — ses unser tiefbewegte Dankgefühl Ihnen, hochgeehrter Herr Generalkonsul, gelegentlich Ihrer Anwesenheit in Wien hiermit auszusprechen, gereicht uns zu ganz besonderer Befriedigung und ergreifen wir den Anlaß zum Ausdrucke unserer unbegränzten Hochachtung." Wien, 5. Aug. Daö Musikcorps der Tyroler Schützen brachte dem aus Bregenz in Vorarlbergs gebürtigten hochbejahrten Cantor der Wiener JSraeliten- Gemeinde, Hrn. Sulzer, ein prächtiges Ständchen, zum Beweise, daß die fanatische Judenhetze der ultramontanen Agitatoren im Lande der „Glaubenseinhcit" bei dem intelligenten Theile der Bevölkerung Tvrols keinen Anklang findet. Der überraschte israelitische Cantor wurde durch diese Kundgebung bis zu Thränen gerührt; er dankte mit einem Hoch auf die Verfassung, welche die Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse verkündet, und auf das Volk Tyrol und Vorarlberg. Eine große Volksmenge, welche die Musik herbeigezvHen, stimmte jubelnd den Hochrufen bei. Paris. Die Friedhofsfrage bewegt auch die hiesige Judenschaft. Es gilt auf dem öffentlichen städtischen Begräbnißplatze den armen Juden ein ungestörtes, nicht wieder zu öffnendes und anderweitig zu benutzendes Grab zu sichern, wozu circa 25 bis 30,000 Frs. erforderlich sind. DaS Consistvrium nimmt hierfür die WohlthätigkeitSkaffen des ganzen Departements in Anspruch. — Der Arzt Legoyt, Chef der statistischen Abtheilung im Ministerium deS Ackerbaues und des Handels in Paris, spricht in seiner neuesten Schrift den Juden eine größere Acclimatisationsfähigkeit in den verschiedenen Ländern und Welttheilen zu, als anderen Völkern, — und was noch interessanter ist, auch eine geistige Bevorzugung durch einen vortheilhafteren Schädelbau. Die Unterschiede in den Verhältnissen des Schädelbaus und der Gehirnmaffe bei den Juden und Änderen Völkern werden genau und nach Maßbestimmungen angegeben. Die Archives folgern daraus, daß bei einer solchen Bevorzugung durch die göttliche Gnade den Juden auch eine höhere Verpflichtung zu geistigen und idealen Bestrebungen obliege. Paris. Wir erfahren durch die Archive» isr. aus Rußland Neues über die Begebenheit von Saratow, wo Juden unter der Anklage von der Benutzung des Christenblutes gestanden hattm. Die unschuldig Verurtheilten sind nach einander in den Gefängniffen oder Steppen Sibiriens gestorben und vergessen. Nur Einer hat sie dort bis jetzt überlebt und ist durch die Verwendung einer Menschen- und besonders mdenfreundlichen französischen Prinzessin und die / Vermittelung der russischen Gesandtschaft begnadigt worden: Seine Leiden haben ihn indessen des Augenlichts beraubt. Der Unglückliche hörte, aber sah seine Fesseln nicht fallen. Paris. Der Meister vom Stuhl Mr. Viennet ist gestorben. Statt seiner ist der Banquier Allegri und als Stellvertreterder hochverehrte*) Cremieux gewählt worden. So wird die französische Loge zur Zeit durch zwei Juden vertreten. Man hofft, daß nunmehr auch Seitens der französischen Loge, gleich der englischen, dem noch in manchen deutschen Logen herrschenden und durch AuSschließungv>er Juden sich-geltend machenden Geist der Intoleranz entgegen gearbeitet werden wird. R. Triest. Auf Grund der neuen österreichischen internationalen Gesetzgebung hat auch hier eine Rückkehr zur angesttmmrtm Religion Seitens früher mit Gewalt getaufter Juden stattgefunden. In Smyrna übt seit letzterer Zeit der reiche Theil der jüdischen Gemeinde eineu unerhörten Druck auf den ärmeren, insonders auck durch die hohe Besteuerung des Koscher-Fleisches. Die Behörde steht den Drängern zur Seitei der Rabbiner, welcher den Bedrängten beistand, ist/verdrängt und durch eine gefügerische Persönlichkeitsersetzt worden. Die Archive» und die fremden Eonsulate^jindMrmittelnd eingetreten. Warschau, 1. August. Aufsehen macht daS strenge Auftreten der Polizei seit einigen Tagen gegen viele jüdisch« Einwohner hier, die ihre Kinder von christlichen Ammen nähren lassen. Ein aus dem Mittelalter datirendes Verbot,' das ganz aus der Praxis gekommen war, steht diesem entgegen und man begreift nicht, warum gerade die jetzige Negierung hier, welche doch wegen der katholischen Geistlichkeit eine anticlericäle Tendenz verfolgt, eine veraltete clericale Vorschrift hervorgesucht hat. Unter den Israeliten, die mit Erecution belegt und zur Entfernung der christlichen Ammen gedrängt werden, befinden sich auch einige, norddeutsche (preußische) Bürger, resp. die mit Pässen hier wohnen. Inwieweit Letztere von dem mächtigen Einflüsse des norddeutschen Bundesstaats „Abhülfe der gerechten Klagen" zu erwarten haben, dürfte nach früheren Vorgängen Keinem zweifelhaft sein, der da weiß, daß Warschau näher an Berlin als an Jeddo liegt und der Rechtsschutz norddeutscher „Unterthanen" gegen Vergewaltigung sich bisher gerade „im fernsten AuSlande" bewährt hat. Petersburg, 2. Aug. Ein ostpreußisches Blatt bringt einen neuen Schmerzensschrei von hier über die Mißhandlung der biesigen armen Judenbevölkerung, die der furchtbare Hunger aus dem Westen des Landes nach der kaiserlichen Hauptstadt getrieben und die man schaarenweise, weil nur mit gewöhnlichen Pässen versehen, an Händen und Füßen gekettet, in Gesellschaft von Räubern und Mördern öffentlich durch die Straßen schleppt, um sie dann auf den Schub — den russischen Etap — zu setzen. Was ist gegen diese Schmach und Grausamkeit der *) Präsident (Cr.) und Bicepräsident (LI.) der Alliance. Red.

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