Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 32 (5.8.1868)
- Date
- 1868-08-05
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 allseistige Verwirklichung dieses Abbildes, keinesweges aber eine nur in unwesentlichen Momenten und darum lediglich als Carricatur sich ausprägende Nachahmung des göttlichen Wesens, legt eS, auf das bleibende Sein, nicht auf dm flüchtigen. Schein, auf dm edlen Kern, nicht ans die geringfügige Schaale hervorragenden Werth, erklärt es alles Weltliche, so es nicht durch Geistesmid Herzensbildung (Torah)- und löblichen Lebenswandel «Maa'ßim tobini) geadelt wird, für Tand und ^Flitter (Spr. d. Bät. 6, 10), ja, will es auch von Klugheit und Weisheit, welche nicht in Scheu vor üblen und Eifer in guten Thaten sich kundgibt, nichts wissen, da ihr die Dauer und Bestand verheißende kräftige Wurzel fehle (das. 3. 11, 12,-22.). Gleich dem Seelsorger der Erwachsenen hat daher auch dev Lehrer der Zugend, nach dem Psalmworte (16, 8.): „Ich Halte mir den Ewigen beständig vor Augen", das Ewige, .Unvergängliche an seinen Zöglingen stets im Auge zu halten, was diesen, sei es auch nur in entfernterer, indirecter Hinsicht, von Nutzen sein kann, zu hegen und zu fördern, wäörhm aber ganz entlegen, oder ihm gar hinderlich und schädlich werdm möchte, sorgsam zu meiden und sernzuhalten. Daß unter solch' ideeller Auffassung und Betreibung des Lehrberufs die praktische Vorbildung sür's Leben Einbuße erleiden dürfte, ist eineStheils nicht zu befürchten, weil ja diesem sein voller Antheil gewahrt bleiben, alles für dastelbe Ersprießliche ernst, klar und eindringlich, jedoch freilich' immer mit dem, auch für die Weltklu.zheit heilsamen Seitmblick gelehrt werden soll, daß, wir dem Verstände und Gedächtnisie, also auch der Vernunft, dem Herzen und Gewissen sein guteö Recm werde; - anderntheilö gebührt doch dem letzteren, crtt „göttlichem Hauch von Oben," vom jüdischen, d. h. höheren menschlichen Standpunkte aus unbedingt der Vorrang vor erstcrem, und läge in dessen Vernachlässigung, wie ihr der materielle Sinn jeder und besonders unserer Zeit so. bereitwillig fröhnt, sicherlich für die wahre Menschcnbildung eine weit größere Gefahr als gegMtheils. in ihrer vorzüglichen unv eifrigen Berücksichtigung. Phantasterei und Schwärmerei sollen uns deßhalb,- wie das Zudenlhum außer in. von Außen eingeschmuggelten Entartungen, sich nie damit befreunden mochte, allezeit fern und fremd bleiben , ebensoweit aber wollew wir jene kalte 'Nüchternheit und trockene Pedanterie von uns.weisen, die mit der Elle so zu sagen almißt und nach dem Gewichte berechnet, wie viel -kliügenden und glitzernden Gewinn der Schulunterricht in der Folge. abwerfen werde. Wie wahr und treffend sagt S. Stern in seinem Schwanengesange (die häusliche Erziehung, 1867) S. 134 i. hierüber: „Wir, begegnen vielen jungen Männern, die überhaupt nie zu Zürglinzen werden. weil sie" niemals zu dem Schwünge dieses Lebensalters gelangen. Sie haben dm Sinn für die edleren Gefühle^und die höheren Aufgaben des Lebens verloren durch die Nüchternheit der materiellen Bestrebungen, zu denen sie allzufrüh angespannt wurden, durch einseitige Ausbildung ihres Verstandes für die Verfolgung"' nützlicher Zwecke, die der felbstverleugnendm Erfassung eines Ideals keinen Raum geben, oder, was nicht minder oft der Fall und häufig mit jener Lebensrichtung verbunden ist, durch Ertödtung' aller edleren Strebungen in der Hingabe an verfrühten Genuß. — Verfrühung der nüchternen Praxis des Lebens ist ebenso verderblich wie Verfrühung des Genusses. Zene läßt es gar nicht zur Blüthe des Lebens kommen, diese läßt sie verkümmern, ehe sie sich zu entfalten vermag." Nun wahrlich! so wenig wir der Unmäßigkeit und der Gewöhnung an sie Vorschub leisten mögen, ebensowenig ziemt es uns auch, Blasirtheit des Geistes, Kälte des Herzens und sittliche Schwäche des Willens durch einseilige Verstandesbildung für die vergänglichm stwecke des Lebens anznbahnen und zu begünstigen. Frankfurt a. O. Dr. M. St. Mitteilungen (Bulletin) tvv Alliance Israelite Universelle. I. Semester IS»!*. AuSzng aus den Sitzungsprotokollcn des Central-Ausschusses (Ooinite central). S i düng v o in 2. 3 an na r isiw. Unter Vorsitz des II o llii A. «1. C 1 *'■> m i o ii x.. litt Mitglieder werden angemelder und in die Gefellid>on anfgenominen. Hr. Eduard Dacosta-Mesguitlvs auSRio-de- Ianeiro gibt Rechenschaft von der Lage der Israeliten in dieser Stadl, die nngefäbr Seelen zählen. Da der An. 5 der Verfassung die katholische Religion als Staats- Religion erklärt, und die übrigen Religionsgesellschasren le» cultes dissidents nur unter der Bedingung duldet, daß sie sich durch keinerlei öffentliches äußeres Zeichen kund geben, so in es den Israeliten verboten, eine Synagoge.;» erbauen und einen besonder» stirckhos;u haben, was die israelitischen Familien bindert, sich definitiv im Lande niederzulassen. Herr Tacosta-Mesguinos glaubt, man müsse die ttammer um ein Gesetz bitten, welches die öffentliche Uebung des israel. Gottesdienstes gestattet unv bittet das Eoinit'-, den Lokal-Ausschuß der' ..Allianci“ in diesem Sinne vorgeben zu lassen. Eine ähnliche Reelamation sei von den