Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 32 (5.8.1868)
- Date
- 1868-08-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 81% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431902--2037-4898431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jsratlitiüctic Lehrer. Zeitschrift für die gesammten Interessen des ^udenthnms u n d i n s b c s o n d e r e - d e s israelitischen V e h r e r st a n d e s. Organ für den Verein „Achawa." Jfä 32. Den 5. Augtlst W6H. 8. Ichrganq. Wöchentlich 1 Kummer Vierlclj.ihrlicher Abouneincntsprcis 40 ft. — 11'. 2gr. Zlnzeiqen;u 1 2i-,r. ei< Uungcn »ehnin: alle Postämter und Buäihanvlungen an. ' „ 3dntl( und Leben, oder: die Pädagogik aas idcalrm Ktandpunkle. „Man lernt nie aussagt ein deutsches. „im Lebren lernen wir," ein lateinisches Sprichwort. „Biel," bekannte bescheidener LLcise ein indischer Lehrer, „babc ich meinem Lehrmeister zu danken, mehr als ibnen iudeß meinen Stutieiigenossen, am allermeisten aber meinen Schülern." „Dieses Leben ist einem Vcrsaale dcS künftigen zu vergleichdn," lehrte ein anderer jütischer Weiser, „rüste dick denn im Porsaale wcbl and. auf daß du zum Gastmahle *) zugclasscn werdest." Mebmen wir hierzu «eck die Scutcuzeu der b. S., in denen die ZSraeliten „E'otteS Kinder" genannt werden, sc gebt aus all' diesen Aussprüchen im Munde des Volke- und der Eutte-männer die Ansicht dervor, daß unser irdische- Dasein von Anfang bio (Aide eine Schule, eine ErziebungS-Anstalt sei, worin alle Men-, schenkinder in dieser oder jener Beziehung mehr oder weniger begabte Zöglinge sind, der erhabene Wclten- und Menschen-Vatcr, unser Lcbrcr und Erziel'er auf all' den kiel verschlungenen Pfade» ist, die er uns hienieden gehen läßt. Zst nuu, wie wohl jeyt allgemein anerkannt, VervollkommnungSfähigkeit dad cbarakteristische'Kennzeichen des menschlichen Wesen-, wodurck eS vor allen übrigen ausgezeichnet, die über die ihnen ein für alle Mal angewiesene Stufe niemals hinauskommen, so ist folgerichtig Pcrrollkommnung bis zur höchstniöglichen Vollkommenheit seine Lebensaufgabe, und alles, was der Mensch tbut und läßt, duldet und leidet, hat darum — näckst dem objecliven Wcrtbe für die Außenwelt, in deren großen Lcean alle Ströme der, Thäligkeit Einzelner ihre Wasser ergießen müssen — noch wesentlich die subjective Be- *) „I’raflin,* gewöhnlich „Palast" übcrietzt, wird sowohl dem Sinne als der Herkunft (Tridimum) nach richtiger in obiger Weise wicdergegeben. Ziehung auf den Vollbringenden selbst, insoiern ^r dadurch iutellecinell. moralisch oder religiös eine Stufe böbcr cmpcrgestieaei: oder im «siegentheil einen Schritt weiter-uack der Tiefe damit gclhan. Die Schule, in welcher die Zugend unterwiesen wird, ist .darum nur als eine Vorschule für tie eigentliche „Sckulc des Le bcirs" auzusebcii, und als Aufgabe jener tue möglichste, Kräftigung des 6'eistes, E'emüibes und Wollenzu betrachten, damit in meier ein stetiger ,Fortschritt zum Besseren geiicheil. ..'er Weg nach der Höbe." wie Salomo» < Spr.!'>, V.'4t sagt, unermüdlich erstiegen, der nach der Niederung und Erniedrigung aber für inmter abgeichnitten werde. Von diciem GefichtSpunkic aus, den die Religion laut predigt, und die Verminst bestimmt vorzeichnc:, das practisch: Leben bingegen, von den Regungen der Leirenschast und den, Sophismen des Verstandes verleitet, auf Schritt und Tritt zu verlängncu liebt, ist die schule zwar berufen, das Kind mit denjenigen Kenntnissen vollständig allszurüsten, die für das gesellichaftlicke-Leben norhwendig . und nützlich erscheinen, bleibt aber dagünstigste, darin erzielte rUcfuIt.it von höchst—pr cbleniatischem Werlhe, wenn ver voruchmslcn Nück'icht auf die Stci gcrung der EeisteS-, <?emülhs- und BTillenskraft und j zwar in harmonischer, stetig in einander greifender . ,Fortbildung aller drei Momente, dabei nickt unausj hörlick Rechnung getrogen wird. Der fertigste Hand : werker oder genialste Künstler, der gewandteste Kansj mann, ja selbst der vielseitigste Eelebrle oder Wclt- ] weise, „Eitelkeit der Eitelkeiten" ist all ihre Herrlichkeit,' , so nickt die innere'Würdigkeit ihres Wesens diesen [ nach Außen gerichteten Vorzügen und Thätigkeiten die j Waage bältz sie tragen ein prächtiges Kleid ans eiuem ' unsauberen Leibe. i Es ist dies zwar kein neuer. aber doch ein,E)ei danke eckt iSraeliticker Kindererziehung und Le- > benSweiSbeit; denn da das Iudeutbum auf der ersten j Seite seiner heiligen Urkunden schon die Hottebenbild- , lickkeit des Memcken verkündet, io will es eben eine