Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 30 (22.7.1868)
- Date
- 1868-07-22
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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139 benklasse nothwendig wurde. Von allgemeinem Interesse ist folgende Aeußerung des 3. Berichtes: „Die jüngsten unter ihren (der jüdischen Schulen) Schwestern sind die jüd. AjkeligionSschulen. Sie versammlen Schüler von Gymnasien, Real-, Gewerbe-, Bürger¬ und Handelsschulen von Serta bis hinauf zu Sekunda und Prima und ebenso in gesondorren blassen, Schülerinnen höherer Töchterschulen, um sie nach einem wohlgeordneten Lehrplane im Hebräischen, in der biblischen und jüdischen Geschichte und in der Religionslehre ni unterrichten, und sie so zu unterrichten, würdige Mitglieder unserer Religionsgemeinde beranzgbilden. Diesen Religionsschulen genügen nicht mebr tüchtige Elemeuta^sehrer allein, sie müssen neben solchen auch Lehrer haben, die durch ihre wissenschaftliche Bildung den Gymnasial- und Realschullehrern und wo möglich den Besten unter ihnen völlig ebenbürtig sind. Wenn der Standtpunkt der Schüler von'dem Lehrer und der Schule, hängt dieser allerdings in erster Linie von der Gewissenhaftigtkeil und dem sittlichen Werthe, dann aber auch von der pädagogischen Tüchtigkeit und geistigen Ueberlegenhei: der Lehrer ab." Die srühreren Versuche, in Berlin RcligionSschulen zu begründen, scheiterten, weil diesen Forderungen lange Zeit nicht genügt wurde oder genügt werden konnte. Diese wenig über 13 Jahre alte Ausfall ist — „neben der, insbesondere wegen der kaum nrnnenSwerthen Berücksichtigung des Hebräischen, ans anderen Grundlagen ruhenden Religionsschule der Reformgemeinde — die erste und einzige derartige Schule, die sich in unserer großen Gemeinde zur LebenSsähigkeit und Blüthe entwickelt bat." Dieses Verdienst schreibt der bescheidene Mann, der „seit 7 Jahren mit immer wachsender Liebe und Freude seine Lehrtätigkeit der Schule gewidmet hat," wesentlich dem I)r. Rosin zu, und läßt hierauf eine sehr freundschaftliche und liebevolle Biographie desselben folgen. Der Bericht Nr.' 4 enthält eine sehr gediegene und vorzüglich geschriebene Abhandlung: „Der Unterricht in der Religion und im Hebräischen," von dem neuen Dirigenten der Neligionöschule, Herrn Or. Kirschstein. Derselbe bekundet .sich bei seinem ersten Auftreten als einen charakterstarken, aufrichtigen und sehr gediegenen Schulmann und begrüße ich ihn mit inniger Freude als solchen. Diese Abhandlung verdient eS, ihres gediegenen Inhaltes und AuSd.nckeS wegen, zur Nachahmung aller Neligonslehrer, in diesen Blättern ganz und wörtlich ausgenommen zu werden. Ich beschränke mich jedoch jetzt nur auf folgende Mittheilung. Für die Notwendigkeit des Unterrichtes in der hebräischen Sprache, gibt der Verfasser: kultuelle Rücksicht, religiöse Bedeutung und einen ästhetischen und wissenschaftlichen Grund an. Dieser 3. Grynd, dem der Verfasser mit Recht da« größte Gewicht beilegt, möge hier wörtlich folgen: „Noch eine dritte Seite muß hier in Betracht gezogen werden, der wir gerade das größte Gewicht beilegen, und die wir als die ästhetllche und wissenschaftliche bezeichnen wollen. Man ist gewohnt, die Bibel ausschließlich als ein Religionsbuch zu betrachten, als eine Schatz- und Rüstkammer für die Theologen. Die' Verbindung aber, in der sie ihrem Wesen gemäß allerdings zur Theologie steht, bat ihr in unserer der Theologie io feindlich gesinnten ZeU erheblichm Schaden gebracht: die Einseitigkeit so vieler Theologen bat wie in der Religion überhaupt, so auch in Betreff der biblischen Bücher eine gleich große Einseitigkeit und eine größere -Verwirrung, und zwar am meisten vielleicht bei dem sonst denkgewohnten Theile des Publikums erzeugt. Wegen ihres vorzugsweise religiösen Charakters, bat man ihren literarischen Wert, den wissenschaftlichen' wie den ästhetischen, aus den Augen verloren. Wir bewundern die großen Eulturelememe, die durch das Griechen- und Römervolk für das Menschengeschlecht zu Tage gefördert worden, wir erfreuen und erbeben uns an ihren unsterblichen Werken, in denen sie ihren Geist zu ewiger Belehrung und Befruchtung für Kunst und Wissenschaft ausgeprägt haben; wir sind nicht zufrieden damit, die Dsienbarung dieses Geistes vermittelst der Destillirkunst der Litcraturbücher in uns aufzunebmen, wir weisen es von unö, den Goldgehalt ihrer Gedanken aus Nebersetzungen unserer Jugend zuzusühren, in der richtigen Erkenntnis;, daß selbst die beste llebcrsetzung ihn mit Schlacken mischt. Wir halten die -seit nicht für verloren, die unsere Fugend auf die Erlernung der griechischen und lateinischen Sprache wendet, wir schlagen vielmehr den Gewinn sehr hoch an, der durch das Erlernen der sprächen selbst in formaler, d. h. vie Geist-'Sfähigkeiten werkender und schärfender Beziehung, wie in der realen, durch Zuführung der großen Gedankenschätze für die Erziehung unserer Jugend an Geist und Eemüth erzielt wird. DaS Alles aber, waS von den klassischen Sprachen und der klassischen Literatur, gilt, zum Theil sogar in erhöbetem Grade von der alt-hebräischen. Was der orientalische Geist im Morgengrauen menschlicher Eulturentwickelung in ihr niedergelegt hat, steht, wenn auch nicht der Form, so doch dem Gehalte nach, ebenbürtig neben den gefeiertesten Erzeugnissen des alten DccidcnlS, Trier. Kahn, tSchluß folgt.) > 1