Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 25 (19.6.1868)
- Date
- 1868-06-19
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 dem Ganzen Id*. Leben ist nicht bloseS Dasein; Leben ist thätig sein in denkender und selbständiger Weise. Für «in Ganzes, da» will heißen: für daS größeste Ganze: Humanist. Der im Ganzen leben will, muß das Verständnis der Zwecke haben, die daS Ganze erreichen will; er muß sich als selbstverpflichtet fühlen, mit Hingebung und Opferfreudige keil diesen höchsten Zwecken dienen. Ein jeder Einzelne muß seine Stellung im Ganzen richtig erkennen, seine Aufgabe erfüllen. Es gibt Hindernisse, die dem Leben im Ganzen entgegenstehen, und die in Wegfall kommen müssen: das ist die Selbstsucht, die nur sich selbst kennt und liebt, die Eitelkeit, die nach dem Scheine hascht, eine andere Art von Selbstsucht, die nicht dienen. sondern glänzen und bervorragen will; das ist die Unselbstständigkeit, die nie zur festen That. zur klaren Ueberzeugung kommt. Der Redner wendet sich hierauf zu der Aufgabe, die dem Lehrer au« dem Satze: Lebe im Ganzen, erwachte. Ein Ganzes, dem er dienen muß, ist die Schule:. Die Menschheit ist unser Ziel; der Menschheit Würde ist in unsere Hand gegeben; Bildung gibt. Macht,, die 100,000 Zehrer Deutschlands bilden eine Macht. Möge Jeder von Ihnen sagen: die Schule ist meine Welt. Dadurch wird die Harmonie und Einheit in der Schule herbeigeführt; so dienen wir dem Vaterland und der Menschheit, die höhere Ganze sind; so im Lchrerrereine, in den Lehrerversammlunaen; unsere Lehrerversammlungcn dienen hohen und. heiligen Zwecke::: der Einzelne fühlt sich als Glied des Gan-en, schließt cn das Ganze sich willig an. Sie befördern den Aus tausch der Ideen. Reicher Beifall iohnle dcu Redner, dessen Worte, wie es die Natur der Sache mit sich bracht«, keiner Debatte nnierworfen wurden.. E r n st ans Wien begrüßte die -Versammlung im Namen der österreichischen Lehrer; sie, die Lehrer Oesterreichs, betrachten sich noch als zusammengehörig mit den deutschen Lehrern niddem deutschen Lande. Ein zweiter Gegenstand der Tagesordnung bildete der Vortrag des Herrn Theodor Hoffmann aus Hamburg: Schulsynoden betreffend. Herr Hoffmkmn begründete die Berechtigung des Lehrerstardcs, in seinen eigenen Angelegenheiten und in inneren Fragen der Schule mitzusprechen. Er hält es für anormal, baß Echulgesetzgebungen erlassen werden vom grünen Tische aus, yon Einzelnen oder Collegien; die Lehrer aber, die hierfür des regste Interesse und die bestell Erfahrungen haben, sollen außen bleiben, bis man ihnen Verordnungen andenKopf wirft, die oft nur binderlich und ' schädlich find, nnd daS Leben der Schule bemmen, statt zu fördern. Mt ernster und scharfer Begründung stellt er seine Thesen auf, von welchen sedoch nur der Hauptsatz die Debatte beherrscht, welcher lautet: Die Anordnung ■ und regelmäßige Berufung der Schulsynoden ist für d ie Eli twi cklung des deut-; fchen Sch ulw es e n s n i ck, l nur n ii tzlich, fon-! dern auch nothwendig. Während Fröhlich von Rastenberg in diese Synoden noch andere Kreise ge . zogen zu sehen wünscht — die Familie, di« Kirche —! und schließlich diesen Synoden, welche aus allen mö.-! lichen Faktoren gebildet werden. doch nur ein Stück I Arbeit am Aeußcrsten und Unbedeutendsten der Schul-! gesetzgebung: Organisation und Dotation, anweist, wendet sich die Anschauung der Versammlung mehr und mehr den andern Rednern, wie L ü b e n aus Bremen, Tr. WichardLange aus Hamburg, Sevsarkh aus Luckenwalde. Petsch aus Berlin und Anderen zu. welche nur Lehrer als Mitglieder I dieser Synoden verlange» und denselben eine große Aufgabe auch und insbesondere nach Innen zuweise«. > Am zweiten Tag der Hauptversammlung wnrden j in «Hebender Weise die Verhandlungen eröffnet durch! das Referat des geschickten nnd fertigen Redners und! ebeisto energischen als klaren Pädagogen Dr. Wich'ard! Lange ans Hamburg über „die Fundamental f ä tz c der hr » Iin erziehlichen Tbeo-! ri c und Praxis. Die Geda-ken und Worte dieses Redners dran j gc>: sich so bbtzichnell. daß cs f xum möglich erscheint, : denselben zu folge». Wir können darum hier nur ein! mageres Gerippe dessen geben, was der Redner unter i nicht enkenwoüe.idem Bestall vorgebracht. ' Er sagt im Eingang, daß dos, was er zu sagen! habe, eigenllicb nicht neu ici; es sei schon vielmals * ausgesprochen worden. und er wolle nichts Reues bringen; aber es sei nölhig, daß man über gewisse Griindwabrbeiten nnd Sätze sich klar werde, damit der! Lehrer in sieter Kriegsbereitschaft sei-. Er stellt zwei i Erzieh» iigsweiien einander gegenüber: die naturgrmiiße j nnd die Erziehung ncl stör. Beide Erziehungsweisen! schließen sich ans. Er basirt die naturgemäße! Erziehung ans so'gcnde Gesetze, die er in glänzender! Weise ausführt : -1. Jedes Geschöpf verräth schon im - Keime, was künftig ans ihnr werden soll. Das Ziel '■ der Erziehung ist: Humanität*). Humanität ist der Leitstern der naturgemäße» Erziehung. 2. Der einzelne Mensch ist ein Repräsentant der Menschheit in cigenthümlicher Mischung der Elemente. Um den einzelnen Menschen, die Individualität zu erkennen, fordert er von den Seminarieir Höheres und Anderes als bisher vielfach getrieben und als hiv- *1 Der Berichterstatter steht sich in der Lage, erklären ,u j müssen, daß er über Zusammenhang und Dortlaut diese« Satze« - nicht mehr ganz sicher ist; c§ muß die« Denjenigen, die Lange schon sprechen hörten, wohl erklärlich scheinen. Der kann de» Blitz beschreiben, «ährend Blitz ouf Blitz folgt!