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Der israelitische Lehrer · 1868-06-10 · 24 (10.6.1868) · p. Seite 85

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
24 (10.6.1868)
Date
1868-06-10
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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85 fiihigt find. Wenn wir aber auf dir Sache selbst a»ch nicht ringehen» so findrn wir doch auf de» ersten Blick» daß die inneren Mängel aus den äußeren flch herleiten, daß. dir Kleinheit der Verhältnisse aller dieser Anstalten, ihre preräre Eristenz etwa- Tüchtiges nicht aufkvmmen ließ. Etwas Tüchtiges läßt sich nicht schaffen, wenn dir Mittel nicht in ausreichender Weise vorhanden sind; und keine dieser Anstalten wird für die nächste Zeit im Stande lein, solche hinreichende Mittel 2« beschafft». Warum hat man aber noch nicht daran gedacht, tn einfacher natürgemäßer Weise dem Nebel zu begegnen? Warum ist von keiner Seite bis jetzt der Anstoß hier» zu gegeben worden? Es ist dies unserS Erachtens eine Folge eines 'Grundfehlers, den Sie, verehrter Herr Redakteur, schon zu Oester» in diesen Blättern rügten, und der uns Juden, sonderbarer Weise, in starkem Maße anklebt. Es ist dies der leidige PartiknlarismuS. Es ist viel, sebr viel, daß ü:e Gemeinden einer Provinz sich vereinig-, ten — sie härten «3 au? sich selbst heran« vielleicht nicht fertig gebracht, äußer: Machte haben da cingewirkt. Aber daß eine Provinz sich mit der andern zu einer gemeinsamen Anstalt zusammenwirkc — das dünkt ihnen unmöglich. Uno doch ist dies der einzige Weg, dir Semi- »arangelezcnheit zn gedeihlichem Ziele zu sühren. Heute steht diese Angelegenheit i» Kassel wie in Hannover uud Münster aus der Tagesordnung. Cie wird schwinden, wenn man sich rntschkirßt, die Mittel zusammenzufaffen, und eine Anstalt zu gründen, ein freies Seminar, da« sich nicht beschränkt auf eine oder die andere Provinz; ein jüdisches Lehrerseminar. Man erlaube mir, nur aus einen Umstand in der Art und Weise hinzuweisen, wie die Mitglieder deSCuratoriumS der MarkS-Haindorfschen Stiftung die Reorganisation ihrer Anstalt aus den gewiß besten Motiven anfassen. Sie wollen jährlich über llOOOThaler durch freiwillige Gaben sammeln und aus diese schwache Grundlage wollen sie das reorganistrte Seminar aufbauen. Aber mehr noch! Reichen denn diese Mittel vollständig aus? Durchaus nicht! Wir sehen das schon an dem Ausschreiben, au der Wahl deS DirectorS. Der soll für einen Gehalt von 800 fl. kein kleine« — nein, ein großes Wunder fein! Er soll nicht allein die Befähigung alS Director eines Seminar« haben, also eine tüchtige, anerkannte pädagogische Kraft sein, er soll so »ebrnbei noch einbischen?, nein, ein ganzer und tüchtiger Rabbiner sein. Wir möchten einmal sehen, wen» man einen und denselben Mann etwa dem Rabbiner Bambergcr von Würzburg oder auch einen gediegenen Theologe» selbst der fortgeschrittenen Richtung — und, dem seligen Diesterweg vorgeführt hätte, ob er beiden für die bezeichncle Stellung und Berufskreise als Rabbiner und Seminardirector genügt hätte. Oder nein! Man hole da« Urlheil der fteifinnige», jetzt lebenden Pädagogen ein. eines Dichard. Lange, Dittes, Lüben, Berthelt, Hoffman», Mayer, Lutz, Schulze; oder da» deS hoehgeftelltesten unter den jüdischen Schulmännern der Gegenwart — drö Rector Horwitz in Berlin, oder der Dr. Bärwald von dort*) oder anderer ähnlicher pädagogisch durchgebildeter Männer, ob sie eS für möglich halten, daß ein tüchtiger Rabbiner so nebenbei sich die Befähigung zum Seminardirettor erwerben könne? Wir glauben überzeugt sein zu dürfen, daß die Herren daS fühlten. Aber die Verhältnisse erlauben min nicht die Anstellung von zwei Männern. Und darumi muß man eben mit dem besten Millen immer zu eine» AuShülfemittel greifen. Ich muß »och bemerken, daß in Hannover eigentlich nur für daS hebräische Fach ordentliche, ständige Lehrer für das Seminar angestellt sind, lieber die Thätigkrit des kürzlich in Kassel angestellten a r. Stein ist uns bisher nichts bekannt worden. Die Männer mögen alle recht tüchtig sein in ihrem Berufe, und in dem Zweige, in dem sie sich beschäftigen; sie würden vielleicht ein vorzügliche» Collegium bilden, wenn sie zusammen wären, jeder nur sein Fach zu behandeln hätte. Aber haß Jeder von ihnen zugleich ein Pädagoge ersten Ranges ist, wie ein Director vor Allem ftin muß, das werden die Herren gewiß selber nicht behaupten. Im Gegrntheil ist e« erwiesen, daß gar zu oft bei Gelehrten und Geistlichen eine gewisse Verachtung für Pädagogik Platz greift, die sie nicht als Wissenschaft, mindestens nicht als ebenbürtige gelten las scn wollen. Ausnahmen gibt» wohl, aber sie sind leiher selten. (Fortsetzung folgt.» /ötzk. Hier haben von roher christlicher Hand arge Verwüstungen auf dem jüdischen Friedhose ftattgefunden. Gräber sind verwüstet, Denksteine und Leichenwagen sind zerschlagen worden. Die Schuldigen sind eingezogen und erwarten ihre Strafe. Es wird von-Interesse sein, den Motiven der bösen Thät nachzuspnren. Hamagid. < *) Wir freuen un*. mittheilen >n ko men, daß Hr. De. Bärwald «ine sehr einflußreiche Stellung im Süden, das Direktorat der i«r. Real- und Bolkssthule ,u Frankfurt a M. angenommen. Soviel wir au« einigen Lorrekpondenzen und einigen Sch'iften dieses hochgeachtet'n Schulmannes entnehmen können, dürfte mit Hern. Dr. B. an die Frankfurter Schul« eine Kraft kommest, die auch auf weitere Kreis«, insbesondere in obige« Betreffe, segensreichen zmd tiefgehenden Einfluß auSüben wird. ES läßt sich erwarten, daß unter Dr. B. di« Frankfurter Schule da» werde, was sie »u sein berufen ist: eine Musterschule, ein Mittelpunkt für das der freieren Richtung zuneigend: jüdische Schulleben Südwestdeutschlands; bisher ist von einem hrilvollen Einfluß dieser Anstalt in dieser Weise und Richtung überhaupt über die Mauer» Frankfurt« hinaus nicht« zu verspüren gewesen, Eine auch in dirien Blättern zu ihrer Zeit gewü-digtr Monogr'phie des genannten Herr» über da« jüdisch« Schulw sen Berlin'« läßt schon aus ein« solche höhere »uffaffung und Richtung mit Bestimmtheit schließen. Redaktion.

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