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Der israelitische Lehrer · 1868-06-03 · 23 (3.6.1868) · p. Seite 79

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
23 (3.6.1868)
Date
1868-06-03
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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Literaturberich*. Deutsche« Lesebuch für israelitisch» Volksschulen. Auf Veranstaltung der königl. württembergiscken i«rael. Oberkirckenhehörde hrrausgegebcn. Stuttgart. Verlag dcr I. B. Mehl r'sckcn Buchhandlung. 1867. Unser geehrter Korrespondent aus Württemberg hat uns bereits mit diesem Buche bekannt gemacht, und wir sehen sein Nrtheil al« berechtigt an: Da« Buck ist eine reichballigc Sammlung guter Lesestücke für Schüler der Oderklasse einer Volksschule. Genügt da« Buck aber auck den Anforderungen an ein Lese buck kür die Bolkssckule? Verdient <«, überall eingeiührt zu werde»? — Wir . gesteh n daß wir nur mit Wide> streben an die Beantwortung dieser Frage gehen. Da» Buck >st von einer Behörde »»«gegangen, die unsere volle Hochachtung genießt und verdient. Vorzügliche Männer haben daran gearbeitt. E» enthält eine Menge höchst iverihvoller neuer Lesestück . Alle« darin ist gut, rein, da« M.iste auch ganz in kindlicher Weise geschrieben. U»d dock — wir hoff n, daß man unser Urtheil gereckt fertigt finden wird — sind wir von dem Buche nickt befriedigt; e« enisprickt niut g,nz den Anforderung n, di« wir an ein L.sebuch stellen, den Erwartungen, die wir von den selben degten. Warum? E« ist durchaus nicht so leicht, ein Uitheil über ein solche« Back abzugebcn. Aber auch viel schwieriger ist die Ausarbeitung eine« solchen Bucke«. Dazu gehört die Aneignung eine« Plane«, ein durckzusührender klarer Gedanke, pädagogischer Takt. Kcnnlnip ocr einschlägigen Literatur reicht allem nicht hin. \ Wir haben hier ganz geeignete Lesestücke Insbesondere sind die Theile, welcke die jüdische Geschichte behandeln, f st durckg h nd« vorzüglich bearbeitet. Ader welche Anordnung haben die Herau'geber im Auge gehabt? Nach welchen Ideen sind sie fortgeschritten? Wir hcff n, daß man uns nickt mißverstehe. Wir sind Gegner der Eintheilung dcr einzelnen Lesestück' in sachliche Gruppen. Wir wollen nicht, — wie die« in t.n sog. Realleserückern geschieht, — daß die Leseslücke nach den Scl ulfäckern oder auch giach rein äußer licken, nicht au« dem Lesen erwachsend,» Gründen sich oneinanoerreihe«. Wir wollen ferner nickt, daß die Lesestücke blo« nach sprackunterrichtrichen Grundsätzen sich folgen, weil wir da« durckau« nicht dem Lesezwecke entsprechend finden. I» solchen Schriften, welcke nur sprachliche Zwecke im Auge haben, kommt zuerst da« Wort, dann der S ch. Wie unkindlich und eintönig da« ausfäll', bezeugen die wenigen Bücher, die in dieser Weise geschrieben und — verg.ffen werden. Aber ein Gedanke muß doch der Aufeinander folge, der Anordnung der Lesestücke zu Grunde liegen und sich dem Forschenden, dem benk.nden Lehrer ergeben: da« ist der For:sckrrtt vom Leichtere« zum Schwerere«, vom Nahen zu« Entfernten, vom Einsacken z»m Zusammengesetzte«. El muß ein innere», naturgemäß.« Fortschreit n, ein Wachs n im Umfang und in der Sprackentivick.ung sich verfolaen lassen, da« uns da» Wach chum de« kindlichen Geiste« veranschaulicht, sonst wird da« Buch ein Sammelsurium, mit dem' der Lehrer Alle«, doch nicht« zur rechten Zeit anznfangen weiß. Wo soll er anfangen, wo enden? Warum da? Warum nickt anderwärt.? Da« vorl'egende Buch zeigt un« diesen Mrngel eine« Grundgedanken«, einer leitenden Idee in der Anordnung der L sestück.-. Wir haben v-rgeblick uns angestrengt, etwa« derarr au,findig zu machen. N.bnen wir, beispielsweise, die ersten Lesenücke: Die Inder und die E.,ypler, (von S. Stern) Afrika (von H. Grube) dcr Sinai, (Hir) Rabbi Meir und seine Gattin (.lkrummacker!» dcr Allwiffende, (Hey) und vergleichen fie mit den ü letzten: London, die edle Jüdin, (B rthelt) der Mond, (Hebel) F.rst.rn', Planeten un» ärb »ete» (Hebel) Psalm 1.8. Wir wisse» k i» n Grund, weßhalb diese am Ende, j ne am Anfang st hen. N>ch unserer Ansicht dürften fick manche der Letzteren gerade d.ffer al« die ersten für den Anfang eignen. — Der Lehrer kann nicht wählen. Die Ordnung de« Backe« must ihn leiten. Noch möchten wir auf eine andere Eigenihü nlichkeit diese«Bucke« aufmeiksam macken. E« gilt al« feststehende« pädagogische Gesetz, d >ß man di Leseuück für ein Sckullesebuck nicht macken, sondern «aßsie den Werkender klassischen Nalionalliteratur entnommen werden sollen. So wollen eü Diesterweg und K. Schmidt, so verfuhren die Verfaffer der besten Lesebücher, so Paldamu, Lüben u. a. m. In dies m Bucke begegne» wir vorzü,lich vielen Lesesiückr» von S. Stern. E'war eine Eige, t ü »lickkeit de« verewigten Direktors der isr. Realsckule zu Frankfurt, da« er zu wenig auf da« achtete, wa« Anrere schufen, daß er selbst die Bestrebungen, An' chten, Sch iften der namh..flesten Pädagogen unterschätzte. D «gegen ist gerade die an sich s.br leine Sprache Stern'« nickt volk«- thü«nlick, nicht kindlich. Von den bed utendst n jüdischen Schriftstellern der Neuzeit finden wir gar sticht« uud e« ist bereit» hervorgehoben woben, daß weder Stein noch L. A. Frankl, von Jost uud Gräy nur Umarbeitungen, von Philippson, äkampert u. A. gar nicht» in da« Buch aufgenomm.n worben. Da« Buck ist gut und reichhaltig; e« ist eine« der besten jüdischen L.sedücher. Ein den Ansprüchen der Pädagogik v'Ukommen entsprechende« Sckultesevuch ist e« dar, m immer noch nicht, und die Frag« nach einem solche« könnte darum immer noch al« eine offen« betrachtet werden. Doch können wir nickt u »hin, schließlich zuzugrstehcn, daß, wenn die» Buch in cin.r zweite« Auflage nach pädagogische« Ansicht u geordnet wirb, cs hinlängliche« Stoff für ein vorzügliches Lesebuch biete« mag. —

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