Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 20 (13.5.1868)
- Date
- 1868-05-13
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 heit, welcher 32 Schulrcsp. 16 Religions-Stunden wöchentlich als ei» noch zu geringes Maass des Guten erscheinen woll'en, einen Kamps zu bestehn, in vem es mir nur durch beharrlichen Widerstand gelang, den Eieg davon zu tragest, und den nachtheiligen folgen des von der Gegenseite Beabsichtigten nach Möglichkeit vorzubeugen. Einen Uebelstand kann man bei derartigen Erlebnissen, welche wohl mehr oder weniger jedem jüdischen Lehrer-bei längerer Fuiictionirung begegnen, nicht genug beklagen: vag nämlich in vielen, vielleicht den meisten Gemeinden Männer^ die von den Reqnisilen der Schule, Erziehung und Wis semchast kaum den mindesten Borbegriff haben, an deren Spitze gestellt werden, und wenn ste nicht, was am End/ noch das Erspricsslichste ist, aus Indifferenz zur Föverung jener. gar nichts thnn, ihre jedes ver,-ünnigen Princips baren Ansichten, zuweilen iogar Launen, zur leit »den Richtschnur erheben wollen. Einen wie guten Klang darum für unser Ohr auch die Stichwort? unseres Zeitalters Autonomie. Selbstverwalinng, Selsgovernment rc. haben, und so abhold der behördlichen Einmischung in cultuelle Angelegenheiten wir immerhin sein mögen, der Ueberzeugung kann man sich dochtrotz allem Widerstreben nicht erwehren, dag jenen Missständen nur durch, von den Skanlsre^iei ungen und Bo'.ksvenr tun gen nach Anhörung jüdischer Noiadeln mit Gesetz'skrail erlassene u»d mit Energie aufrecht crbalten Einrichtungen wirk am entgege »getreten werden töniie. und es daher nur zu wünichen nurce, es möchte das, was sich in vieler Beziehung gegenwärtig in Ungarn zu volln.hen ini Werke ist, überall, und das recht bald, vollste Nachahmung finden. Bis dahin aber möge es ent vorrügliLes Augenmerk jeder wohlberailrenen Gemeinde je:». Unkundigen nnd Unbeiufeneu. wenn gleich Reichthuni »nd sonstige äussere Vorzüge ihiien besonderts An'ehe« gewahren, möglichst dem Weg zu verlegen, uni ihre verkehrten Maximen durch ihnen nnvenraule Ehrenämter zur Geltung zu bringe». T. M. Et. Breslau. Robert Prutz Hai kürzlich hier literarische Vorlesungen gehalten. Ich berichte Ihnen oavon wegen der Art und W-ise, in welcher er von Börne und Hein« sprach. Er nannte sie Juden trotz der ihnen abgerungenen oder aufgedrunaenen Taufe; aber Juden im edelsten Sinne des Worts. Er tadelte es, dass christlicherseits man oft selbst den künstlerischen . und literarischen Einstuss jüdischer Grössen in tückischer j Bosheit und aus bloss-m Iteide nur für einen Erfolg! der den Juden überhaupt eigenthümlichen industriellen Rührigkeit ansehe, ihn in Wahrheit aber leugne und verkleinern. Diesen »Berkleinerern der Meister" weist P. vielmehr die geschichtliche Nothwendigkeit solcher Erfolge^bei den Juden nach, welche von der äustern Welt verstossen sich in die innere der Kunst und Wissenschaft zurhckzogen und flüchteten und neben dem Felde der Religion auch besonders das der Poesie bebauten. Der Unterordnung wegen, worin sie lebten, musste ihnen auch ein besonderes Gefühl für die Leiden der verletzten Menscheirivürde und ein Streben für deren Erlangung und Wiederherstellung eigen werde». Daher erklärt es sich auch, dass vorzüglich Inden die Helden in den Kämpfen unsrer Zeit für Recht und Freiheit sind.. Aus Ke st p l) a l e n. In Lübbecke sind unt er den Lehrern des Umkreises periodische Bersammlungen zur Berarhung über Angelegenheiten der Schule und Synagoge verabredet. Die Orthodoxie wittert in denselben Ailstrebiliigen der Reform. Eine wahre Kennzeichnung dieser Richtung gibt sih hierin kund: der Orthodoxie erscheine» alle Zustände der Schule und Synagoge i» unverbesserlicher Vollkommenheit; ihr ist darum jedes Streben nach Reform, d. h. höherer Bervollkominnuir\ und Verbesserung ein Gräuel. Wir hoffen, die wackeren Männer werden sich in ihrem Borhaben nicht irre machen lassen; wir wünschen demselben guten Erfolg und allgemeine Nachahmung. In Münster hat sich kürzlich ein alter Mann förmlich in. den Bund Israels ausnehmen lassen, welcher längst beschnitten war und nach den religio'e» Satzungen des Judeiilhums gelebt hatte. Er scheint derselbe Eonv rlit zu sein. von welchem aus Prag gemeldet wird, dass er im Auslände die Prosxlyten- 1 taufe einpiaugeii Hali?. Böhmen war von jeher das Land religiöser Sekiirung; von ihm aus nahm die christ'.ich-risorin rloriiche Au'klärung ihre» Anfang (.Hub) aber es ist auch heute noch das Land des uliramontancn wie nationalen (ezechischenl Fanatismus. So scheint denn auch in Bezug aui die Juden Böhmen das Land der Gegensätze zu sein: Heute Bekehruug zum Judcnthum und jüngst noch — Judenverfolgungen. Wien, 5. Mai. Die neue fr. Presse veröffent- I licht in Fortsetzung ihrer Liste, der aus Rumänien i vertriebenen Jude» die Nanren von 57 aus den länd- - lichen Ortschaften des Galaczer Districts verjagten hebräischen Familien. Im Dorfe Krudelka ließ der Unterpräsect James kn den seit Jahren dort angesiedelten 12 Judenfamilien die Alternative zwischen dem Exil uud einer Brandschatzung von 20 Ducaten. Sie zahlten — und wurden dann von den Gendarmen unter Mißhandlungen ihrer gesummten Habe beraubt, die den Ballern anheimfiel, und als Bettler hinausgetrieben. So geschehen nicht im Reiche des allerchristlichsten Königs von Frankreich Philipp August oder Philipp's des Schönen deS 12. respective des 13. Jahrhunderts, sondern in der Mitte des IS. unter dem Ecepter des Fürsten Karl von Hohenzollern!