Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 18 (29.4.1868)
- Date
- 1868-04-29
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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39 ein ähnliches Princip soll jetzt durch die Hinterthür der Epecialgesetzgebung auch für den Bund und die Interpretation seiner Verfassung eingeschmuggelt werden? Dagegen wird der Reichstag protestiren und mit ihm wird es einmüthig auch die gesammte unabhängige Presse! Bayern im April. Was anS unserm Lande zu berichten ist, beschränkt sich aus Folgendes: Der Ausschuß der Kammer der Abgeordneten hat die Bestimmung, wonach bei Schulen gemischter Confessionen ein eigner Lehrer der treffenden Consession angestellt «erden muß, wenn die Zahl der Schüler ein Drittel erreicht, ausdrücklich auch auf Israeliten ausgedehnt. Wird dies auch in Praxis kaum Vorkommen, so ist doch der Beschluß ein anerkennenswerther. Alle verbessernden Bestimmungen dieses Gesetzes, das, wenn auch jetzt wegen eintretender Vertagung des Landtags noch nicht, doch im Herbste sicher zu Stande kommen wird, werdeff auch den israelitischen Schulen zu gute kommen. Freilich, unsere arznen Religionslehrer werden, wie vorauszüsehen war, dabei leer ausgehe». Es war aber' dieses Institut bloser Religionsschulen von vorn herein eine Fehlgeburt, dem nach den herrschenden Grundsätzen nicht zu Helsen ist. Zu helfen ist für die Folge nur dadurch, daß kein Jüngling von Kopf und Herz sich diesem Berufe widmet und die Lehrer selbst sich ein Gewissen daraus machen, begabte Schüler dazu heranzubilden. Man überlasse dieses Feld der Würzburger Schule, welche ihre Richtung dadurch kennzeichnet, daß in ihrer „Lehrer-Bildungsschule" keinerlei Musikunterricht erthcilt werden darf. Warum? so ein junger Lehrer könnte Klavieripielen lernen und einmal — vom Klavier zur Orgel ist ja nur ein Schritt — an einer Reformgemeinde wirksam werden. Doch das Leben wird über all diese Purzelbäume unserer geistigen Cyklopen hinweggehen, und wir Israeliten werden, den Einig-Einzigen im Herzen, in dem Culturleben der Völker mit fortschrelte». i Tie isr. Gemeinde in Nürnberg ist bis zur Mitgliederzahl von 450 gestiegen nnd fortwährend im Wachsen begriffen. Von der Anstellung eines Rabbiners verlautet aber noch immer nichts Bestimmtes. Das Verlangen der Anstellung eines zweiten Religionslchrers erfuhr verdiente Abweisung. Tie Anstellung der 7 Lehrer in München, wozu jedoch nur einer von außen gelangen kann, läßt noch immer auf sich warten. — Die Todtenseier für den König Ludwig I. ward in allen Synagogen begangen. Rur hie und da ließ ein Redner, wie Hr. Rabbiner Grünbaum in Ansbach, ein Wort darüber fallen, was wir Israeliten unter seiner Regierung nicht erlangt haben. Ein neuester Kriegsministerialerlaß verordnet, den Soldaten isr. Consession an ihren fünf Festtagen auf Verlangen Urlaub zu ertheilen. — Gelegentlich i der 'Debatte über die Civilehe der Dissidenten haben > sich einige adelige und geistliche Herren gewaltig unserer! angenommen und gezeigt, wie wir Juden dadurch ver- 1 kürzt würden. Gott schütze uns vor unfern Freunden ' jc. möchten wir hier auwenden. Wir erinnern uns gar wohl anderer Debatten der ersten Kammer und wer dr auf unserer Seite gestanden. Die Bischöfe :c. war-n es nicht. Ein eifriges Mitglied nnsrer Achawa, Lehrer Löwenmeyer in Wittelshofen, ist kürzlich in den besten ManneSjahren urplötzlich mit Hinterlassung von 6 unmündigen Kindern verstorben. Der Wittwe ist be- , reits eine außerordentliche Unterstützung aus dem Reservefond der VereinSkasie von 40 fl. mit der Aussicht , aus eine gleiche Summe im Herbste, wenn ähnlich« s außerordentliche Fälle nicht mehr im Lause des Jah- > res Vorkommen, verwilligl worden. Rühmend muß | auch erwähnt werden, daß ihr auch die Gemeinde jähr- . lich 100 fl. Unterstützung zugesagt. *) Werden solche 1 Fälle nicht an das Herz vieler unserer Religionsleh-; rer anklopfen nnd sie znm Beitrit und zur Darbrin- I gung eines so kleinen Opfers vgn jährlich 2 Thlrn. i veranlassen? Man weiß nicht, soll man es mehr! lächerlich als einfältig finden, daß'mehrere Lehrer der! frommen Richtung dem Vereine erklärtermaßen darum ferne bieibcn, weil Männer einer freien Richtung den Verein gegründet und ihn leiten. Der gewiß hochorthodore 'Rabbiner Gabriel Adler in Oberndorf hat sich seiner Zeit nicht abhaltcn lassen, dem derartigen von Steiu,Formstecher rc. gegründete Rabbineroerein sich anzuschließen, was seiner Wittwe jetzt gar wohl zu Statten kommt. Die echten Alten waren aber auch immer klüger als ihr Nachtreter. Tie „Schrist des Lebens" von Dr. Stein erregt bei uns die verdiente Ansnierksamkeit und ihr geistreicher Inhalt die volle Würdigung. Vollendet gibt das einmal ein Werk, daß nicht nur uns Juden eine reine Quelle der Erkenntniß und eine Erhebung der Seele gewährt, sondern das auch andern Confessionen eine richtige und erhebende Einsicht in das Wesen unseres Glaubens-verschaffen und Zweiflern n. Spöt- *) Das ist sehr schön unv dankbar anzuerkenen. Ehre solchen Gemeinden!,Freilich ist Wittelshofen nnf. Wissens als achtbare Gemeinde schon in alter Zeit bekannt gewesen und gehört;u einem Kreise, wo jüdischer Sinn, jüdisches Wissen und jüdische Wohl» thätiakeit mit Zciterkenntniß noch gepaart sind. — Mil Befremden hören wir, — mir hoffen,.daß es sich als unwahr hcrausstcllt, — daß von einer sehr frommen Gemeindehicrlands, welche der Wittwe ihres verstorbenen Lehrers nnd dessen zahl-! reichen Waisen hinlängliche Fürsorge am Grabe zusagte, diese Zusage nicht gehalten wird. Wir hatten ddn Verewigten mehr- : mals direct brie^l ich zum Eintritt bei der Gründung des i Vereins aufgefordert, erhielten aber nur ablehnende Antwort. > Die Richtung der Gemeinde stand ihm entgegen. Jetzt, so hören wir von Andern, — die Wittwe spricht nicht davon , — darbt die Wittwe und die Waiien. Retzatt »n. f