Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 17 (22.4.1868)
- Date
- 1868-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für die gesammtcn Interessen des israelitischen >?chrerstandes. Brgsn für den Verein „Achawa". J's 16. —--r- M in;, 22. April lKt;><. 8. Wöchentlich I Mulinier. Bieiteljährlicher Äboi«»emenI4prci4 jährlich 1 fl. 2-t kr. — 24 Tgr. und »rn Betrnq de- Porto'< Postämter und 2i fr. - Jtijlv. B i fc'titficl-r Z lse>id:l >.z unter Uccuzband . Anzeige^! zu l Eqr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle licbcrietjuiui der Bi sei und Srl.riuu^;?.t S’bräiiii'.cü 3prache. Unter o.eser Ueberichrist spricht ein geehner .y|r. College nuo Arolsenbüttel in Nummer 7 des „Israel. Lehrer" seine Ansicht über ven hebr. Sprachunterricht aus und empfiehlt schliesslich als Hilfsmittel zum Bi. bel-Nebenetzen: „1. eine hebräische - Schutbibel mit Hinweglaffüng aller Stellen, welche für die Jugend unpassend sind, nebst einer deutschen Uebersepung igletrennt): 2. ein gutes Schulwörterbuch. — Wir glauben im Interesse der Sache berechtigt zu sein, seiner Ansicht hier und da entgegen zu treten und besonders die empfohlenen Hilfsmittel einer Kritik zu unterwerfen. Bor Allem bekämpfen wir tie Anschauung des Hrn. Einsenders: ..das lleberseym der Bibel mtd der hebräischen Gebete kann nicht gle ch andern fremden Sprachen mit Hilfe der Grammatik' in jüdischen Schulen erlernt werden" und „man läßt die hebr. Sprache (Grammatik) nebenher folgen re." — Wir behaupten im Gegentheil: Soll der Unterricht in der hebr. Sprache ein fruchtbringender sein, s>ll das Kind auch nach den Schuljahren etwas von dem Hebräischen behalten, so kan» dies nur geschehen, wenn das Uebersetzen mit Hilfe der Grammatik geschieht. Natürlich muß hier der analytisch - synthetische Lehrgang eingehalten werdeit und das Lehrverfahren wqre ungefähr ein folgendes: Tas Kind lernt zunächst einien kleinen Absatz auf mechanischem Wege übersetzen, d. h. man sagt ihm denselben einigemal mit genauer Betonung des Hebräischen ,lnd Deutschen vor und läßt ihn so lange wiederholen, bis derselbe fest eiftgeübt ist. Nach dieser ersten Uebung fragt,man die Bedeutung einzelner Wörter außer dem ZusaMmenhattg, bis jedes Wort klar ist. Hieran muß sich die Grammatik schließen; wir üben beispielsweise a n den vorgekommenen Vokabeln den Artikel, lassen denselben vor einigen schon erlernten Wörtern setzen, vor andern weglassen :c. bis das Kind darüber klar ist. Bei dem nächsten Absätze, den wir nun übersetzen, wieder holen wir den erlernten Sprachstoff unter Anwendung auf deir neu einznübenden Text : „besonders mache man das Kind aus die schon dagewesenen Wörter aufmerksam, so daß es sich die Bedeutung derselben bald vdn selbst abftrahirt". Bei den g r a inm ^tische» Uebungen wird selbstverständlich nach der synthetischen Lchrw.'ise verfahren, und wäre ein Stuten zang ungefähr nach folgenden Andeutungen nicht unzweckmäßig: Der Artikel, das Dingwort, Einzahl und Mehrzahl, Anhängung der Suffiren im Singular und Plural;, das persönliche Fürworts die Präpositionen mit ihren Suffiren >md die übrigen Pro« nomen und Pronombuchstaben; das Eigenschaftswort, das Zahlwort; etwas über die Vokale, deren Name, Stellung k.; über Dagesch, Schwa rc.^ sodann das Zeitwort urd seine Conjugation.' Alles dies muß als zusammenhängendes Ganze mit dem Uebersetzen Hand, in Hand gehen. und wir betoneil ausdrücklich: nicht nebenher als ein vielleicht geristg gehaltenes, ja oft ^vernachlässigtes Anhängsel lässt man die Gram malik folgen — im Gegentheil, die Grammatik muß das Fundament sein, worauf nach und nach das ganze Gebäude gestellt wird. Durch die stetige Rnckweisung auf die schon dagewesenen Vokabeln, deren Zerlegung und verschiedene Zusammensetzung auf grammatischem Wege' erhält das Kind bald Verständniß von dem Bau der hebr. Sprache und das mechanische Vor- und Nachsagen wird immer mehr itr den Hintergrund ge drängt. Dieser vorgeschlagene Weg ist zwar ein sehr langsamer, auch mühsam; jedoch um so geistbildender