Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 15 (8.4.1868)
- Date
- 1868-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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er Z.Mrelitisclie Feiner Zeitschrist für die gelammten Interessen des israelitischen Lchrerstandes. Brgan für den Verein „Achnw^'. J\o 15. - Mainz, 8. April 1868. 8. Jahrgang. W 'chkntlich 1 Jimnmfr. BikitcljühcUcher Aoonireiilcntsxrcis 27 ft. i/l Iilr. B i fraufirtcv Z!f(:iBuu<; um« Jfrtujbanfc jährlich 1 fl. 24 fr. — 2 t Lgr. und den Betrag des Porto'». Anzeigen ,u I Sgr. die Petit,eile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Ist der Anschauungsunterricht ein Ledrobject oder ist er ein Prinzip? Ein Eonferenz - Referat ro» Lehrer (ü. A. Echäfier in Äl^ea- (2 $ tu ft,) Co werden die Tinge nochmals, um die Reihe, angeschaut; vergleichend, zusammenstellend. wird der Schüler mehr und mehr gewöhnt, bei dem Einzelnen zu bleiben, von Theil zu Thc:l zu gehen, und an ihnen und durch sie d>e Angelegtheilen der Seele iu's Bewußtsein zu rufen, sie dem Augenblick dienstbar zu zu machen, sie zu berichtige», zu erweitern, zu vertiefen — eine Arbeit, würdig des gewiegtesten Pädagogen eines psychologisch gebildeten Schulmannes, der, wie der Astronom in den Sternhimmel, entzückt schaut in die unschuldigen Seelen unserer Kleinen. Tür, kös't cm Rälhiel das andere ab, eine Lötung folgt der andern. Ta ist ein Kind, voll klarer, lebeisfrischer Bilder von längst gesehen,n Tingen und Zuständen; — ein zweites, von lebbastem Wesen, dessen Borstetungcn aber unklar sind, die Begriffe wirr und chaotisch; bei dem dritten ist Alles in Dämmerung gehüllt; bei den vierten werden die Setlenvermögen von den schwächsten Reizen der Tinge angeregt und beschäftigt, während das sün'te von den affectvollste» Reizen kaum berührt wird; ein sechstes erinnert sich schnell des Erlebten, in klaren Umrissen; ein siebentes langsam und unklar, oder langsam, aber mit deutlicher Vorstellung; ein achtes faßt schnell und behält gut; ein neuntes faßt schnell und vergißt schnell; ein zehntes faßt langsam und behält gut; rin Utes will nick,1s fassen und nichts behalten; ein I2tes sieht scharf, die Seele ist in den Augen, und faßt und behält G ehörtes schlecht; bei dem 13ten verhält es sich umgekehrt: je nachdem die Urvermögen nach der einen oder anderen Einnesrichtuug hin von Natur stark oder schwach sind, oder in dem Beruf der Eltern und gewisser sich stets wiederholenden Anregungen von Außen der eine Sinn geweckt, genährt, der andere Sinn dagegen unangeregt und darum zurückgeblieben. O Lehrer, der du mit deinem psychologisch bewaffneten Auge mit Entzücken hinein zu schauen vermagst in die Seelen deiner Kinder: die psychologische Analyse löst das Factum auf in alle seine Factoren. Hier, lieber Mann, liegt der Prüfste.n für dich, ob du berufen 'ord wert!?, int Weinberg des Ewigen zu arbeiten und dich darin zurecht zu finden. Hirr ist dein Rhodusk hier ist deine Welt: Himmel und Hölle im Beruf und Leben, Segen und Flach untereinander. Hier steckt das wahre Geheimnis; deiner Kunst. Der Beruf anderer Lehrer ist: Hinaüfstcigen, Ausbanen: — Du aber — mußt hinein, hinein ins Innere der Natur, in die ewige, heilige Menschennatur. Wo ein Anderer nichts sieht, renn Felsen und Erde: da siehst du Gestein, nach wunderbarem Gesetze geworden, gestaltet, da siehst .du Crystalle und Erze, Verwesendes und Werdendes; da umweht dich der Odem des Ewigen und macht dich erzittern und erbeben. Heilig, Heilig ist dein Berus: was du schaffest, bleibet in Ewigkeit, was du versäumest, macht keine Menschenhand mehr gut. "Nach diesen Darstellungen, von rein psychologischem Standpunkte aus, ist nichts begreiflicher, als daß nicht nur oller Unterricht in den ersten Schuljahren und Alles, was das Kind sprechen, thun und schaffen soll, au» dem Princip der Anschauung beruhen, von der Anschauung dazu gereizt werden muß, sondern daß ein Anschauungsunterricht, als ein besonderes Lehrobject, in streng methodischem Ausbau, noch neben jenem Allem in die Schule herein zu ziehen ist. Später, wenn das Kind heimisch geworden in seinen Umgebungen und dieselben in klaren Vorstellungen und Begriffen in seiner Seele ln reger Lebensfrifche