Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 8 (1868)
- Issue
- 12 (17.3.1868)
- Date
- 1868-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4896751-5428714-5431837--1864-4898278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
■I Der Jjsraditijiche Jelrrer. " Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes. ärgern für den Verein „Achnwa." M 12. Mainz, den 17. März. 1868. (Achter Jahrgang.) Eödjftitlid) 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnementspreis >27 kr. — 1/4 Thlr.' Bei srankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 1 fl. 24 kr.—24 Sgr, und den Betrag des Portos. Anzeigen zu 1 Egt. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. Das Zuviel in der jüdischen Schule. (Freisetzung ) Bezeichnen wir schließlich mit kurzen Worten, wie wir das an den einzelnen Schulgegenständen auszusühren gedenken. Ein tieieres Eing'hen ist hier, nicht am Platze. 1. Religion, wöchentlich eine Stunde-in ver Oberklasse, die 2—3 letzten Schuljahre umfassend. Blbelkunde, Hebräisch, der gelammte Unterricht haben vorbereickt, der besonder« Confirmondenunterricht— vom Lehrer wöchentlich noch eine Stunde im letzt«n Schuljahre bildet den Schluß. Tie Unterklasse ist nicht zugegen. In der ersten Stunde der Woche, am Sonntag MorgenI HauLaufgabe für je eine Stunde: 1 Bibelspruch oder ein. passendes Gedicht. 2. Bibl. Geschichte und Bibelkirnde: zwei Stunden wöchentlich. Tie Ober- und Unterklasse je von jeder Stunde die Halste. Tie eine K'asse hört der andern zu. Was in der untern Klaffe genommen wird, wird in der oberen vertilst, erweitert, vervollständigt Inden zw.i letzten Schuljahren oußerdem-wöchentlich noch eine Stunde nachbibl. Religionsgeschichte, nur die Haurtzüge. Kein Auswendiglernen von langen Reden,, prophetischen StückenI Höchstens ein P'älm, ein Stück Jesaia, ein Jeremia, enr * Hiob in der ganun Sckulzeit! Also möglichste Bewältigung * des Stoffes in der Schule. Eiimal Bortrag, dann das andere Mal. Abfragen. Hinweglaffen olles dessen, was für die sittlichreligiöse Entwicklung des Bolk-s Israel und des Kindes keine Bedeutung hat; (die meisten Geschichten von Josua, den Richtern, den Königen bleiben weg; nach Rechabeam, z. B. nur noch Achab, Jechcskijahu und etwa Joschrjahu. Hiergegen kurze biographische Notizen aus dem Leben der Propheten. Bon Eliah und Elischa, von Jona nur wenig Ij — Keine Hausaufgabe; ein ein-oder zweimaliges Durchlesen der Geschichte nach der Schule höchstens muß \ genügen. ] 3. Hebräi'ch: drei Stunden wöchentlich,, für die Knaben k» (sür Pentateuch*). Vom 8—9Jahre ab, sobald das Kind deutsch fertig lesen kann. Kein Orenl Rach v Analogie jedes fremdsprachlichen Unterrichts darf nichts » gelesen werden, was nicht alsbald übersetzt wird. Tas hebr *) Diese 2 Stunden Pentateuch außer der gewöhnlichen Schulzeit. Eie sind eine Zugabe kür die Lehrer. Lesen darf nicht mehr als Unterrichtsgegeirstaztz ^gusi«q. Das ist eine Forderung, die in diesen Bläaerrrrschmr' ja'T>jt wiederholt wurde, und dennoch stch nicht BUhn,brechew1viIl. Leiderl Es ist das der sicherste Beweis, woran es stw^ä^vildung jüdischer Lehrer hapert. Dre wenigen grammatischen Erläuterungen müssen — auf armlytischem Wege y "bem Uebersetzen angeschlossen werden. Langjährige Erfahrung hat uns von der Naturgemäßh«it unseres Unterrichtsganges überzeugt. Ziel, — das bei wöchentlich drei Stunden für die Mädchen und fünf Stunden für die Knaben erreicht wird — ist geläufiges Lesen und Uebersetzen aller wichtigen' Gebete — und mit weiter Auswahl sür die Knaben der Pentateuch. Wie viel wird gerade in dieser Richtung in vielen unserer jüdischen Relizions - und Volksschulen gesündigt l Manche Lehrer von den besten Einficht« n können sich dem Drange und Zwange ihrer Umgebung, ver Eltern, der Vorstände und Rabbinen nicht entziehen und scheinen Außerordentliches zu leisten. Wieder andere — und ihre Zahl ist nicht gering — w.ssen, daß sie gerade in dieser Richtung sich einen Stein im Brette bei diesem und jenem verschaffen können und leisten mehr als verlangt wird. „Was schadet's?" — so sagen diese gesinnnngstüchtigen Lehrer; „die Kinder tragen nicht schwer daran." Ein unvernünftiges, unpädagogisches, ja abscheuliches Wort. Ob sie wck)l wiffen, was sie da sagen und thun; oder ob sie in ihren-eigennützigen Absichten wohl wiffen, was Recht ist , aber nicht thun, was Recht ist? — Und die armen Kinder müffen's dulden, dülsen nichts wie wenn man den Magen überladen wollte, sagen: wir wollen nicht mehr! — Was sollen wir aber zu Denjenigen sagen, die in der Weise und im Geiste der regulativischen Füllungsmethode sogar mit talmudischer Extrakost in vielen, vielen Stunden — wir hören bisweck n von 3—4 Stunden täglich sür 1l —13jährige KnabenI — das üb rrcizte und schwache Gehirn der schwachen Kleinen belästigen! — Wir reden hier als Pädagoge, als, Lehrer und denken dabei weder an Sympathie noch an Antipathie für die Stoffe selbst. Hier sind uns religiöse Parteimotive fern. Im.Namen der Religirn selbst, der Sittlichkeit, der Moralltät, der Gesundheit, im Namen unserer ganzen Zukunft, die ja doch nach dem allbekannten und bewährten Satze ebensosehr vom gesunden Körper als von gesundem Geiste abhängig ist, protestiren wir gegen solche schauderhafte Verkennung der kindlichen Kräfte, der Gesetze menschlicher Entwicklung, wenn