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Der israelitische Lehrer · 1868-02-26 · 9 (26.2.1868) · p. Seite 36

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
9 (26.2.1868)
Date
1868-02-26
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 tüchtige Männer nicht für diese Stelle melden. Sie ist mit 800 Thlr. für die gegenwärtigen Zeit- und Münster'schen Orts-Verhältnisse nicht ausreichend dotirt;und auch, was mehr sage« will, bei den prekären Geldverhälsiiiffen, worauf das Seminar gegründet ist, nicht ausreichend gesichert. Ein Mißgriff scheint es uns auch zu sein, wenn man, wie verlautet, darauf auSgeht, den Seminar-Direktor aus der orthodoxen Schule unserer Zeit zu wählen. ES ist derselbe Fehler, worin der sel. Haindorf verfallen war, der. um die Anstalt durch seine allgemein bekannte trefene Ricktung nicht zu diScrebitiren, einen Mann von entschieden koscherer und orthodoxer Richtung zum Oberlehrer bestellt», ^ie religiöse Spaltung in Zlrael war damals noch keine so entschiedene und weite, und doch gelang rS Knickt, auf diesem Wege die Gemeinden zu gewinnen. Wenn man jetzt glaubt, in Rücksicht auf Haindorf's Nachfolger, dem gegenwärtigen Präses deS Curalor umS, einen ähnlichen Weg einschlagen zu muffen, so wird man das erstrebte Ziel noch viel weniger erreichen. Die orthodoxe Partei wird man durch solche Scheinmanöver »un und nimmermehr gewinnen, die Fortschrittspartei aber geradezu von sich' stoßen. Mag die Orthodoxie des neuen Direktors nun eine wahrhafte od r erheuchelte sein, man wird die Zukunst des in Münster gepflegten JudenthumS um Generationen mrückfchraub'n. Dafür werden die Gemeinden Rheinlands und Westphalens, die doch der großen Mehrzahl nach dem gemäßigten Fortschritte und der Idee einer historischen Fortentwicklung im Judentbum huldiaen, ihr Geld nicht opfern wollen. Wir sind euch nicht dafür, die Dahl auf einen radikalen Reformer zu lenken, aber wen scheue auch nur ja nickt solche Männer, welche in Schule und Synagoge dem vernünftigen Fortschritte gehuldigt haben, unbekümmert um das Geschrei, welches vielleicht im ersten Augenblicke die O thodoxie darüber erheben mag. Zn der Religion wie in der Politik sind -die Männer des tortschritts -und der Entwicklung konservativer, als die des tillstandS oder gar des Rückschritts. Wir rufen daher ollerwärts den Gemeinden, ' ihren Vorstehern und Lehrern S, für die Wahl des neuen. Seminar-DirektorS sich entieden auf die Seite des von uns bezeichneten Fortschritts zu stellen. - . Jude, ist soeben Finanzminister unserer- Großherzogthumr geworden. DaS ist eine Thatfache, die den Eieg der Hu- - Rheine, 14. Februar. Am verstoffenen Sonntag trat in Münber ein Katholik zum Judenthum über, und zwar nicht aus Liebe oder einem Idnsiigkn» materiellen Zwecke, sondern aus reiner Ueberzerkzung. Sollen wir dies beweisen? Der Mann ist' 6t Zahre alt,' hält seit zwanzig Jahren Eabbath und Feiertage, legt T'phillin, trägt Arba Kansoth und, was viel mehr sagen will, er hat sich vor 10 Jahren selbst durch den Akt der Beschneidung in den Bund singe— führt. Auf mein Befragen (ich war Beisitzender des h ro) wie er dazu gekomme». erwiderte er: Um jene Zeit habe er die Schreststelle 2 B M. 12,4ü gelesen, o jo 8~y 821 und es hätte ihm keine Ruhe gelassen, bis er diesen heiligen Akt vcllzogeu. Leeser. Aus Baven, 13. Februar. Die Mitlheilunq, die ich Ihnen heute zu machen habe, werden Eie wohl >chon aus den Zeitungen erfahren haben. . Moriz Elstätter, ein manität in unserem Lande, die vorurtheilssteie Gesinnung unseres Großherzogs in einer erhebenden Weife beurkundet. Als Moriz Elstätter schon geboren war, fingen in unserer badischen Kammer, die auf diesem Gebiete wohl allen anderen voraneiste, die merkwürdigen Kämpfe für die Emancipation der Juden eben erst an. Und heute schon steht ein Jude an der Spitze der badischen Finanzverwaltung I — Moriz Elstätter ist 826 in Karlsruhe geboren; im Jahn 1850 wurde er Rechtspraktikant; von da wurde er durchs Mathy's — deS eben verstorbenen freisinnigen StaatSmiuisters — Vermittlung an der Berliner Dtsronlo-Gesellichast beschäftigt, an der früher auch Mathy wirkte, als er seiner freisinnigen Ansichten willen sich von Baden fernehielt. Ja Jahre 1859 wurde er Rechtsanwalt in Durlach, 1863 i» Karlsruhe, 1864 wurde er als Ministerialrath von Mathy ln daS Finanzministerium berufen. — Eo hat denn Deutschland auch einen Juden in einer höchsten LandcSstelle, und ein anderer Jude, Herr Artom aus Italien, soll — wie man hört - als Gesandter eines katholischen Reiches ar demselben Hofe residiren. Werden sich diesen ThatsaÄen gegenüber die Vormtheile und Zurücksetzungen in andern — norddeutschen Ländern für die Dauer halten können? V *- Berlin, 9. Februar. (Preußischer Landtag). Aut! Anlaß einer Petition um Aufhebung des sog. Juden-Eideti beantragt die Justizkommrssion. „Tie gedachte Petition bet^ k. Staotsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen unddieselbe aufzusordern, in der nächsten Session einen Gesetz Entwurf vorzulegen, welcher die bisher übliche Form de Juden-Eides durch eine angemessenere Norm ersitzt." Berlin. In einer allgemeinen Versammlung des Ber-I liner Lehrerstandes, der auch einige der Schule geneighl AlPeordnete (Harckort, Lasker, Richter, vr. Paur u. SOF" beiwohnten; würde constatirt, daß jetzt inPreußen der größte Theil der Lehrerwittwen in den Orts-? armenhäusern lebe und daran eine Bergleichung.gr-? knüpft, wonach das Wehrgesetz für einen Soldaten deS nord-I deutschen Bundes 225 Thlr., das Cchullehrerdotationsgeses^' 260 Thlr. für einen Lehrer fordert. Wien, 10. Februar. Tie erste Ernennung einesJsraeli-tz ten zum Auskultanten im Justizfache ist dieser Tage vor-I gekommen. Dem I. U. L'r. Moritz Fischer aus Gaya atz Möhren wurde vom k. k. böhmischen Lberlandesgerichte einetz Auseultantenstelle^ mit dem Jahres-Adjutum verliehen. EiTc ist dies in Folgd-r Staatsgrundgesetze der erste Fall (seitglr 1849), daß dos Prinzip der Zulassung von Israeliten zuvifilr jurstisckerr Staatsdienste in praktische Anwendung kommt, und das Lberlondcsgericht hat, wie man uns mittheiltM darüber erst eine Anfrage an den Justizminister ger>chtet;M die Antwort daraur lautete, dem „T. a. B." zufolge, einkack, „daß die Beeidigung des neu ernannten Auscultanteu.1 Vr. Fischer, m derselben Weile stattzufinden habe, wie diel jedes anderen Staatsbeamten." (Allo nicht more judnicolj Ein großer und doppelter Fortschritt!) Lerentwortlichcr Redactarrr 3. Älin gen ftei n in Lderrcheün in Si heinheb er, Selbstverli Lornnngiori bei 8slar Lein er m Leipzig. — TampEchnellpresiendruck vy der Siedaction. Für den Buchhandel: in I. Gott sieben in Mainz.

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