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Der israelitische Lehrer · 1868-02-26 · 9 (26.2.1868) · p. [Seite]

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
8 (1868)
Issue
9 (26.2.1868)
Date
1868-02-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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sraelitisclw Zeitschrift für die gesammten Interessen des israelitischen Lehrerstandes.j &?tjatt für den Verein „Achnwa." M S. Mainz, den 26. Februar 1868. (Achter Jahrgang'.)] WichmUich 1 Nummer. Vierteljährlicher Abonnrmentspreis 27 kr. 1/4 Thlr. Bei frankirter Zusendung unter Kreuzband jährlich 1 fl. 24 kr?—24 Sgr.' und den Betrag deS Portos. Anzeigen zu 1 Egr. die Petitzefle. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. i Das Zuviel in der jüdischen Schule. (Fortsetzung.) Es wird.für uns von Bedeutung sein, zuvörderst daS Urtheil von Schulmännern und Aerzten der Gegenwart,über dm nachtheiligen Einfluß, den die Ueberbürdung der Jugend in unseni Schulen in körperlicher und fitllicher Beziehung hat, zu vernehmen, um daraus unsere Schlüsse zu ziehm. Wir nehmen aus der große» Masse der einschlägigen Urtheile nur wmige. Medicinalrath vr. Lorinser sagt in einem Aufsatz zum Schutz der Gesundheit in den Schulen („Die größere Kränklichkeit und Sterblichkeit der Kinder): -Die frühe Entwickelung der Seele und des Zeugungstriebes, die Ueberreizuyg und Schwäche des Nervensystems, die zunehmenden Krankheitsanlogen überhaupt, find Thotsachen, welche vor Augen liegen und nicht geleugnet werden können. Um diese krankhasten Anlagen deS Körpers wie des Geistes zu stiigern und, no sie noch nicht vorhanden sind, hervorzurufen, dazu ciebt es in der That keine wirksamere Mittel, als düjer igen, welche man heut zu Tage auf den meisten deutschen Eymnosien und Schulen in Anwendung brinct. Diese Mittel bestehen in der Vielheit der Unterrichtsgegenstände, in der Vielheit der Unterrichtsstunden und in der Vielheit der häuslichen Ausgaben. Das Erste ist vorzüglich zur Verwirrung und Abstumpfung des Geistes geeignet; das Zweite hält die naturgemäße Ausbildung des Körpers zurück, und durch das Tritte wird vorgebeugt, daß diese beiden Wirkungen nicht ^ußer der Schule wieder ausgehoben werten. — Der Unterricht für jeden Schüler umfaßte sonst gewöhnlich in Sachsen 25, im südlich,» Deutschland nur 20—22 Stunden Heute ist die Zahl der wöchentlichen Lekrstunden fast verdoppelt,, und wenn der häufig stattfindende Privatuntericht hinzugercchnet wird, nrch wehr als verdoppelt Norden. Ter Schüler wird nunmehr der Natur und selbst der Familie mtsremdet; sein ganzes Leben geht in der Schule und in den Büchern auf. Die minder Tbätigen, die Leichtsinnigen und die Nachlässigen sind häufig diejenigen, weläe den Natursinn und Lebensmuth am längsten bewahren. — Mir Erstaunen bemerkt man oft an Jünglingen, die unter die besseren Schüler gezählt werden, wie wenig Wänne und Theilnahme die höchsten Angelegenheiten des Lebens ihnen einzuflößen vermögen, wie sehr ihr Geist schon veraltet, und wie unselbstständig, schief und mangelhaft ihr Urtheil selbst über Dinge ist, zu derm richtiger Schätzung nichts als ei» schlichter Der- ' stand erforderlich ist. So führt }>a& unablässige Anhäufeu, von Kenntnissen in einem Kopfe, der ihrer nicht mächtig; werdm kann, zur Jmbecillität des Geistes. Kräftige unv blühende Knabm welken oft nach einigm Jahrm dahin, wie Gewächse, denen Licht und Nahrung entzogm werdm; am deutlichsten erscheint da« sieche Gepräge in dm höheren Klaffm; Bilder der Gesundheit werdm immer seltmer gesunden; ein bleiches Antlitz, ein matter Auge, ein träges Delen, Verstimmung und altkluge Nimm haben bei Viel» die Frische, das Fmer und die Unbefangenheit verdrängt.-' Ein berühmter Pädagoge, Professor Thaulow, sagt u. A.: „Viele unserer Echulm sind soweit, daß die Knaben von 8 Jahrm an, mit Ausnahme der Stunden, wo sie schlafen, essen und trinken, olle Stundm de- Tage» ohne 7 Ausnahme, geistig arbeitm. Tie Forderung, daß auch noch, die Stunden des Schlafes verringert würden, könnte ja noch gestellt werdm. Warum nicht? Unsere Zeit wird schon lange nicht mehr rerletzt durch den Anblick einer Jugmd, die immer schwächer und kleiner, im Aussehen immer falber, und matter wird, wenn sie nur recht viel lernt und arbeitet. Thalsache ist es, deß seit den dreißiger Jahren die Zahl der Wissenschaften immer größer, die Forderung nach Reali» immer lauter wurden, und daß Gott nicht stärkere Leiber. und Geister schuf, als sie früher gewesen warm. Thatsache ist cs, daß der verstorbene Direktor Kärcher zu Karlsruhe, als er 1845 einem Fremden alle Klassen seines Gymnasiumzeigte und dieser Fremde darauf die Bemerkung that, esei ihm aufgefallen, wie frisch die Jugend noch in den unteren Klassen auSgekehen, wie matt und todt aber in der Prima, händeringend in seinem Zimmer auf und ab lief mit dm Worten: „Eie haben Recht, gerade wo die Jugend anfangen.soll, eigentich zu lernen, da stirbt sie abl" — Besonders ist zur Zeit der beginnenden Pubertät nack Beendigung der geistigen Arbeiten täglich cine Uebung der Knochen und deS Muskelsystems nöthig, daniil der für Knochen, Hirn und Rückenmark bestimmte plastische Stoff nicht einseitig den GeschlechtStheilen zugesührt wird und in ihnen eine unnatürliche Aufregung.hervorbringt. Wenn die in der Jugend so furchtbar zerstörmde und daS Menschengeschlecht schließlich noch gänzlich um ihr Mark bringende, geheime Sünde weichen soll, so werden jedenfall- Tiätetik und Gymnastik zu Hülfe gerufen werden müssen. „Tie Hast und die Ueberbürdung mit Arbeit fängt

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