Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 50 (12.12.1867)
- Date
- 1867-12-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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, Der Hürnelitiurlie Jebrer. Zeitschrift für die gesammten Jntereffen des israelitischen Lehrerstandes und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer 'Lehrer, Lehrer- Wittiveit und -Waisen in Deutschland. J\g 50. Mainz, den 12. Dezember 1867. ^Lisdvnlvr Ds.Irrx»r»x.) Wöchentlich I Rnnnner. Vierteljährlicher NbonnemmtivreiS 27 lr. 1/4 Lhlr. Bei franlirtcr Zusendung unter Kreuzband jährlich 2 fi. 12 kr. Nnzeigm zu 1 Sgr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. — 'J 1^—BW. . ..I ■'■!_ ■ 1 — ■V A ch «r w a. Die verehrlicken Mitglieder der Achawa (Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittiren und -Weisen in Deutschland) werden freundlichst gebeten, eül denselben hierbei zugeherdcs Schema baldigst auezusüllen und entweder direkt oder durch die jeweiligen Vorstände und Agenten der Brzirktcowilss gefälligst an den Schriftführer unseres Vereins, Herrn Leopold Beer, Dleichsiraße 52 in Frankfurt a. M. einzufcnden. Frankfurt a. M., den 6. Dezember 1867. Die Bestimmung des Weibes zur Mutter. Zur Frauenfrage. TaS Weib ist von der Natur zur Mutter geschcfsin. , Seine seelischen und körperlichen Zustande zeichnen ihm den, Weg vor, daß es die Ergänzung seines Wesens nur finden! könne als Gctt'n, die Reife seiner Naturanlagen, als Mutter. I Lei allem Reichthum der Empfindung, bei Thatenlust und Strebsamkeit kann die alleinstehende Frau, die nie den!• wonnigen Besitz des Kindes kannte, auch nicht die höchste Stufe der Entwicklung weiblicher Fähigkeiten, die rolle Befriedigung der Frauennatur erlangen.* Erst wenn die Vereinsamte sich durch hingebende Liebe und is siege fremder, etwa verwaister Kinder geistige Mutterschaft erringt, tönen | auch in ihr die Accorde des Friedens; denn wie das Kind! nicht gedockt werden kenn ohne Mutter, so kann ein voll-; endete« Weib nicht gedacht werden ohne dcS Kind. i Vater, Mutter und Kind sind der Trerklang. der alle! vorher gesuchten und gefundenen Melodien deS Lebens zu , schönen Harmonien verbindet. Darum st die Eh?, jene! Vermittelung und Verschmelzung männlicher und weiblicher i Gegensätze, das heiligste Gebot der Menschernatur. — Aus der Ehelosigkeit entstehen die meisten Jrrthümer und Laster | der Gesellschaft I Sie erzeugt Selbstsucht und Unnatur, hemmt die sich entwickelnd«n Fortschritte und zerstört die Gesittung unter den Menschen. Beweise hierfür sind die zahllosen Verbrechen, welche aus dem Echooße der Mönchs¬ und Frauenklöster hervorgingen und die doch nur zum kleinsten Theil enthüllt und bekannt geworden sind, Beweise giebt uns ferner das tägliche Leben in den Weltstädten, wo Die Verwaltung. mit der zunehmenden Ehelosigkeit der besitzenden Klaffen die Auflösung des Familienleben» fich ällmähtig vollzieh, dis Zahl der gesunkenen Frauen erschreckend zunimmt, Kindesmoid und sittliches Elend zu den Alltäglichkeiten gehören, ein großer Theil der Männerwelt entnervt und thatenloS die beste Kraft der Jugend vergeudet. Zugleich auch wird die Ehe der Neuzeit dadurch entheiligt und herabgewürdigt, daß man sie nur als Versorgungsanstalt betrachtet und eingeht. Für die Jungfrau wählt man, ohne da« Recht der Selbstbestimmung gelten zu lassen, den reichsten Ernährer, der Mann zielt nach der möglichst reichsten'Mitgift, um seine eigenen Verhältnisse zu begrüneen oder zu verbessern. So verbinden sich plötzlich die fremdesten Elemente für ein ganzes Leben, wenn nur anscheinend die äußere Lage eine günstige ist. Dadurch wird die ganze Zukunft dieser Ehe in den Materialismus getrieben; Alles läuft bei solcher Vereinigung nur auf ein äußerlich gut gestelltes Leben hinaus. Ob sich hier die beiden Pole, Mann und Weib nie innerlich berühren, so bleibt der Zustand der Gatten so lange ein scheinbar glücklicher, b.s das unvorhergesehene oder meist leichtsinnig herbeigeführte Unglück den Vertust der Güter bringt, welche den Grundstein dieser Ehe legten; da erst rächt sich deren Mißbrauch, durch ein unlauteres Motiv geschlossen wordm 411 sein, und wrnn Mann und Weib nicht zufällig zwei kräftige Naturen sind, die sich im Schmerze erst finden, so ist dar Feuer häuslichen Glückes und Friedens für immer erloschen. Damit die Heiligkeit der Ehe aufrecht erhalten oder vielmehr gesichert werde, ist es nothwendig, daß oie Jung-