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Der israelitische Lehrer · 1867-12-05 · 49 (5.12.1867) · p. Seite 200

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
7 (1867)
Issue
49 (5.12.1867)
Date
1867-12-05
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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200 fitz« atrmes Briefevom vorigen Monate sei» und wissen, daß ich mich in Suakin «ff ei» Segelschiff begeben. um nach Maffauah z« gelangen. Li» Ungünstiger Wind hat unsre Reff« verwert, aber wir gelangten doch endlich hi», Kaum war ich eüqerlchtet^ so besuchte ich Herrn Menringer, den französischen Konsul, der die Gefälligkeit hatte, mir einige nützliche Lnweffungen in Betreff derjenigen Gegenden zu geben, «»eiche er bereist hatte. Unglücklicher Weise konnte er mir nichts Neues über die Falaschas mitthejlen. Ebensowenig vermochten die Geistlichen der katholischen Miffion, welche bereits seit mehreren Jahren in Abefsynien leben, inir etwas mehr zu bestätigen, als daß oberhalb Faccazz« jüdisch« Eolonie» vorhanden, seien. Sir erzählten mir, daß, als sie vor 7 Iobren ihre Kirche erbaut hätten, sie . von den Falaschas aus dem Innern des Landes zwei Maurer hätten kommen lasten müsien, weil di« christlichen und muselmanischen Maurer nicht fähig gewesen seien, ein solches Werk aufzuführen. Die Geistlichen können nicht genug di« Rechtschaffenheit und den tiefreligiösen Sinn dieser Juden loben. Durib Ausflüge, welche ich fm Norden des Landes gemacht Hab«, wo die Agaou-Sprache (Best») von einem Theil des Holkes gesprochen wird, welches nach dem Süden ausgewandert ist, erfuhr ich, daß die Falaschas unter sich die Ngoou-Sprach« reden, während sie mit ihren christlichen Rachbaren in der Amhara-Sprache verkehren. Die Agaou-Sprache scheint die Sprache der Eingeborenen gewesen zu sein, bevor der Gueez-Stamm (Semitische Aethiopier) eingewandert sind, und es läßt sich vermuthen, daß die Einwanderung der Juden in Abeffvnicn viel früher Statt hatte, als die der herrschenden Bevölkerung. Weitere Forschungen werden vielleicht einiges Licht auf dies« historische Aufgabe werfen. Rach Maffauah zurückgekehrt, erhielt ich die Mittheilung, daß zwei junge Falaschas von der englischen Wifiion getauft worden seien und, «eil vom Rcgus Theodor verjagt, sich bei derselben aushalten. Ich Hab« deren Bekannffchast gemacht. Trotz ihrer 'ehr dunkeln Farbe erkestnt man an ihnen doch leicht den jüdischen Typus, aber sie sind so — unwifiend, daß ich. übex ihre Gebräuche nichts Besonderes erfahren konnte. Im Alter von 11 Jahren wurden sie von den Mifiionären entführt und von ihrer Familie fern gehalten. Ter am wenigsten Unwiffende von ihnen. welcher vorgibt' der Sohn eines Hohenpriesters zu sein, hat mir einen kleinen Hymnus in der Sprache von Gueez in Agaou dictirt, welcher sich in ihren Morgen-Gebeten findet. Die Juden haben den Gebrauch der Meturgueman verändert: Sie hörte» anfänglich einen Psalm und einen Hymnus in der Sprach« von Gueez und übersetzten chn in die gewöhnlich« Volkssprache. Dieser Hymnus lautet in der Uebersetzung, wie folgt: Erhöre, o Ewiger, mein Gebet, hör«, o Ewiger, die Stimme meines Flehens. Durch deine Allmacht, o Gott, hast du uns aus Aegypten befteit und das Heer Pharao's versenkt; du hast uns in der Wüst« erhalten, du hast utfä geleitet durch eine Wolkensäule bei Tag und durch eine Feuersäule bei Rächt. Wer ist dir gleich, der du angebetet wirst in der Versammlung der Heiligen (Engel)! Welcher Gott ist wie unser Gott, du warst von jeher und wirst in Ewigkeit sein! O Ewiger, gedenk des Bundes mit den Gesetzen Moses, welchedu auf Horeb gegeben. Lobet Sott in allen Geschlechtern. Amen,.Amen! Ich schrieb Ihnen diesen Brief in der Rähe der Ruinen des alten Adulls, 5 Reffen südlich von Maffauah gelegen. Ich wohne in einer Hütte mitten in einer vollständigen'Düste, vor dem indffchen Lager, welches die EnglÄrder eben errichtet haben. Ich bin entschloffen, der englischen Expedition bis in das Innere zu folgen. Ich werde zwar sehr lange warten müffm, aber es gibt kein anderer Mfftel, weil das; Land in vollem Aufruhr und jede Verbindung unmöglich geworden ist. ■ Jndeß find die Leiden, welch« man in diesem öden Lande überhaupt zu; ertragen hat, in Europa unbegreiflich. DaS Brod mangelt fett einem I Monat, ich esse Durrha, in kochigem Waffer gekocht, deffen Ekel er» regender Geruch die Nerven in Auftegung versetzt. - Die Bewohner des! Landekennen keine kleine Münze, sie lassen sich daS Unbedeutendste mtt Thalern (Maria-Theresten-Thalern) bezahlen.' So kostet ein Pfund Fleffch oder Milch nicht weniger, als 5—6 Francs. ' Dennoch bin ich zufrieden und vergnügt, weil ich hoffe, die . Aufgabe meiner Reise im Laufe des Winters zu lösen. Schließlich befinde ich mich Gott Dank trotz des Klimas wohl; augenblicklich haben wir um 2 Uhr Rachmfftags ' an Wärme 45 Grad Reaumur, während die Nächte sehr kalt sind. Ich ersuche Sie in Ihrem gefälligen Schreiben mir gewiffe Fragen aufzugeben, deren Löiung für Ihren Verein von Jntereffe ist; auch werden Sie mir gütigst den Entschluß des Coniites in London betreffs meiner Reiie nach China mtttheilen. Herr Menzingcr, der ftanzösische -Konsul, wird die für mich nach Maffauah gerichteten Briefe an meine ' Adresse befördern. Genehmigen Sie, meine Herren, den Ausdruck meiner Hochachtung . und feien Sie merner vollständigen Ergebenheit versichert. 1 gez. Joseph Halsvy. (R.l Lemmel Arnstein. Nfkrolo*.) Bor einiger.Heit wurde zu Fürth einer der wackersten, dem Lcbrcrstande angebörigen Männer zu Grabe getragen, der einen Nachruf in diesen, dein israelitischen Schulwesen gewidmeten Blättern iin hoben Grade verdient — Hrn. kein mel Arnstein, Borsteher einer im besten Rufe stehenden Mädchen-Erziehungsanstalt daselbst. — Wer diesen Trefflichen kaunie, der achtete ibn, und wer' ihn näher;n kennen das Glück batte, der liebte ihn — denn Ehrenhaftigkeit und liebevolles Wesen waren in seltenem Grade sein Eigenthuni. — Er hatte früher, als Mitglied der hochgeachteten Familie Arnstein zu Snlzbach, dem > Kaunnannsstaude angehört, fühlte aber bald, daß dieses nickt seine l eigentliche Bestimmung sei, und an ein anderes Renommee seines i altbewährten Hauses, das früher Schule und Synagoge mit so! vielen Sckriften versehen, knüpfte er die Fäden seines regen und ■ strebsamen Geistes au, indem er die Handelsbücker mit den Schulbüchern v.rtausckte. Bielsältige realistische und linguistische ttennt-; niste, die er besessen und lehrend erworben, besonders aber seine; stets heitere, bei seinem geistreichen Wesen um so mehr zu schätzende : und um so liebenswürdiger kindlick harmlose Natur machten ihn! zum Lehrer und Erzieher der weiblichen Jugend vorzüglich geeignet, wobei ihm seine an Eharakter und ^Bildung ebenbürtige! Gattin, eine geh. Simon aus Hildbtrrghausen, würdig zur Seite! stand. — So erfreuten sich Beide des Gedeihens ihrer zahlreichen, ihrer mit der innigsten Liebe anhänglichen Zöglinge wie dcr Blüthe ihrer eigenen Kinder, von denen mehrere in Amerika in sehr günstigen Verhältnissen leben — als mit Einem Male jene schöne Jugendpflanzstätte zerstört, dieses heitere Familienleben in düstere Nackt versetzt wurde, indem der theuere Lehrer und Bater, noch in rüstigem Mannesalter flehend, vom Tode hinweggerafft wurde! Ein gütiger Gott wird das Her; der Hinterbliebenen mit seinem Strahle erleuchten, und uns, seinen Freunden, soll dab Andenken des Verewigten als daß eincS der edelsten Menschen und prvbe-; haltigen Biedermannes stets tbeuer und heilig bleiben. vr. Leopold Stein. Verantwortlicher Redacteur: I. Klinge» st «in i» Ldenchei« i« Rheinhefie»; Selbstverlag der Redaetio». Für den Buchhandel: i» Eonünissio» bei Oskar Leiner m Leipzig. — Dampf-Schnellpreffendruck »o» I. Gottslrbe» i» Mainz.

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