Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 7 (1867)
- Issue
- 47 (21.11.1867)
- Date
- 1867-11-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zeitschrift für die gelammten Interessen des israelitischen LehrerfrandeS und zugleich Organ für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger ijYaelitiidifr Veiner, Lehrer- - Wittwen und -Waisen in Deutschland. J\§ 47* " Mainz, den 21. November 1867. Siebenter Jahrgang.) Wöchentlich I Nummer. Vierteljährlicher »bonnementSpreis 27 kr. 1/4 Lhlr. Bei franltrtn Zusendung um« «reuzband jährlich 2 st. 12 kr. An-.eigen zu 1 Egr. die Petitzeile. Bestellungen nehmen alle Postämter und Buchhandlungen an. | Nalomon LSb Kapoport. Eie haben über den Tod de« großen Rabbiners Rapoporl bereits berichtet; da« Leben und Wirken dieses Mannes verdient jedoch auch in diesem der Lehrerwelt vorzüglich gewid nieten Blatte ausführlicher besprochen zu werden. R. wurde am 19. Eiwan (-1. Juni) 1190 in Lemberg geboren. Er stu» dirte noch Gewohnheit seines Landes und seiner Zeit den Talmud, ward aber nicht für die Wissenschaft, sondern das Gewerbe bestimmt Die t-muu nie Kraft feines Gelftes und das Studium prwaner Mflenschasten trieben ihn aus. die Bahr wissenschaftliche, Erforschuna des Talmuds Es war dies ein bedeutungsvoller Ereigniß gegenüber der in 'einem Baterlande damals noch allgemein herrschenden pilpulistischen Lehrmethode. R. verdankte diesem Streben ferne Berufung als Rabbiner nach Tarnopol (1837) und bald darauf (1846), sowohl in Zolae seiner wachsenden Berühmtheit wie der sich steigernden VersolgunaSwuth der frömmelnden und fanatischen Gegner seine Berufung nach Prag. Obgleich auf wiffenschaftlichem Gebiete ein kritischer Forscher, verharrte er auf religiösem in strenger Anhänglichkeit an den traditionellen Formen. Sr war sogar Gegner der teligiösm, Reform. In. wissenschaftlicher Hinsicht selbst mit Geiger verwandt und gleichen Streben-, war R. in religiös-reformatorischer Hinsicht sein entschiedener Gegner. Er bewies dies deutlich durch fein öffentliches Auftreten gegen die von Geiaer und den ihm Gleichgesinnten in der Frankfurter Versammlung projectirte Gründung eines Vereins zur Hebung der politischen, socialen, wiffenschaftlichen und religiösen Interessen des deutschen Israel. R. war ein Gegner dieses Vereins um Geigt r'S will«, der ihn gründen half und mit an dessen Spitze stand. Auf wisienschastlichem Gebiete befrug R. seinen kritisch sichtenden Geist, auf religiösem sein empfindendes Gemüth. Trotz der confervativen Richtung, welche R. für sich und in seiner Synagoge verfolgte, war er aber doch vernünftig und tolerant genug, in ander« Synagogen Prag» ^die treibende Macht des Fortschritts nicht zurückzudrängsn Efand die Anfänge der lynagogalen Reiorrn dort sogar vor und perhorreScirte sie nicht bei seiner Berufung als Oberrabbiner („Oberjurist," wie. man in Prag sägt, in wörtlicher Ueberietzung bp*)nrP3 dk.) Der Kampf um die Reform w rde mdeß in Prag nicht entschiedener, — vielleicht auS Rücksicht für feine Person. Diese verdiente aber auch alle Achtung, schon ihrer äußer» Erscheinung nach. Männer, welche sonst dem JudenchNm fern und fremd standen, fanden anS Ehrerbietung gegen feine würdige Erscheinung sich gedrängt, den priesterlichen Segen von i'm zu erbitten. Als R. den Tod Holdheim's erfuhr, erhob er sich von seinem Sitze und sprach pn 7m no«<; ähnlich wie Oettinger, der Holdhäm dm Platz in der Reche der Ehrengräber nicht versagte. Ebenso verfuhr R. bei der Nachricht vom Tode Meyerbeer's. Dies/sind Zeugnisse sowohl seines wiffenschaftlichen Sinnes, w« feiner tolerant« Denkweise. Unter R.'S literarischen Arbeit« find die bedeutungsvollsten seine kritisch« Biographien im -ron 0-0. Mt dies« versetzte er eigmtlich der pilpulistischen Richtung dm Todesstoß. Sein Heimathland hatte zur Zeit der Beröffmtltchung dieser Arbeit« noch kein Berständniß für ihr« Werth. Die ganze Richtung des religiös« Denkens und Lebens hing nur än der halachischen Erforschung und praktisch« Uebung religiöser Ceremonim R. wurde daher verketzert, schon weil er statt halachifcher Novell« in Folio wissenschaftliche Abhandlung« in Ottavformat schrieb! Sein bedeutungsvollstes Werk ist "py, ein talmudisches Realwörterbuch, von welchem der erste Buchstqbe längst erschien« ist. Es soll sich indeß bei seinem literarisch« Nachlaß in fast vollständiger Vollendung vorfinden. Da vieler nebst R.'S reichhaltiger Bibliothek der Gemeinde Prag'S testamentarisch vermacht worden ist, so läßt sich die Fortführung dieses Werkewohl mit Sicherheit erwart«. R. starb am 17. Tischri (16 Oktober.) . Bei seiner Beerdigung hiett im Sterbehause der Religionslehrer am Gymnasium, Professor Adler, die Leichmrede. Am Grabe sprach Keiner seiner Prager College«, sonderndie Rabbiner | Horowitz und Jelltneck von Wien. Dem Leichenwagen,! von 6 Pferden in königlichem Pomp gezogen. (R. war ein König der Wisseur schüft und trug die Krone der Thora) solgtm Männer,